Auftreten Diplomatie der Forscher

Wenn Deutschland international mithalten will, braucht es eine Außenwissenschaftspolitik. Ein Plädoyer

Die Globalisierung der Wirtschaft und der Wissenschaft hat die deutsche Wissenschaft in eine neue Phase katapultiert: eine Phase internationaler Kooperation – und Konkurrenz. Im industriellen Zeitalter begegnete Deutschland den internationalen Herausforderungen für die nationale Wirtschaft mit einer Außenwirtschaftspolitik. In der neuen Zeit globaler Wissensvernetzung und Innovationskonkurrenz braucht Deutschland eine Außenwissenschaftspolitik. Doch die steht noch aus.

Die Liste der Herausforderungen ist lang: Wissenschaftssysteme konkurrieren weltweit darum, wie sie junge Forscher am besten ausbilden und dauerhaft an sich binden – internationale Erfahrung ist erwünscht, doch der Brain-Drain gefürchtet. Gesucht wird zudem nach neuen Schnittstellen zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung. Geistiges Eigentum muss im globalen Wettbewerb geschützt werden. Doch dabei gilt: Die Vertretung deutscher Wissenschaftsinteressen in internationalen Gremien lässt zu wünschen übrig.

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Wenn Deutschland die Globalisierung in der Wissenschaft mitgestalten will, dann muss es seine politischen Strukturen anpassen. Wissenschaft muss als Querschnittsperspektive der deutschen Politik ernst genommen werden. Ebenso wenig, wie eine Außenwirtschaftspolitik wirtschaftliches Handeln verstaatlicht, muss eine Außenwissenschaftspolitik die deutsche Wissenschaft überreglementieren. Im Gegenteil: Unabhängige, wissenschaftsinterne Mechanismen, etwa zur Verteilung von Forschungsgeldern, sind effektiver als politisch gesteuerte Verfahren.

Dennoch bringt Deutschland die Expertise der Wissenschafts- und Austauschorganisationen nicht mit den Kenntnissen der einzelnen Fachressorts und den Strukturen des diplomatischen Dienstes zusammen. Damit vergibt Deutschland eine Chance. Das Ziel lautet: Transparenz und Abstimmung. Bildungspolitiker lernten internationale Strategien der Wissenschaftsentwicklung besser kennen, in der Entwicklungszusammenarbeit würde die Wissenschaft ein stärkeres Gewicht erhalten. Auf europäischer Ebene würde Deutschland beginnen, mit einer Stimme zu sprechen. Und es böte sich die Chance, die nationalen Interessen in der Grundlagenforschung mit den Strategien international operierender deutscher Unternehmen abzugleichen.

Erste strukturelle Ansätze für eine Außenwissenschaftspolitik gibt es seit langem: So entsendet das Forschungsministerium wissenschaftliche Referenten an deutsche Botschaften im Ausland. Diese Referate gilt es enger mit den Wirtschafts- und Kulturreferaten der deutschen Botschaften zu verbinden. Laufbahnen innerhalb der Ministerien könnten flexibilisiert werden, um über Personen intensiver Informationen auszutauschen. Ein außenwissenschaftspolitischer Strategiekreis, der mit Vertretern der deutschen Wissenschafts- und Austauschorganisationen und aus den Forschungsabteilungen der Wirtschaft besetzt ist, könnte den Außenminister beraten. Deutschland braucht zudem einen Unterausschuss für Außenwissenschaftspolitik im Bundestag. Der könnte ein gemeinsames Gremium des Bildungs-, Entwicklungs- und des Auswärtigen Ausschusses sein und Parlamentarier untereinander und mit Experten aus der Wissenschaft ins Gespräch bringen.

Deutschland hat außer der Bildung keine Rohstoffe – und muss daher die Wissenschaft international mitgestalten. Als Land mit einer besonderen historischen Verantwortung kann Deutschland mit einer Außenwissenschaftspolitik an eine Tradition der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik anknüpfen, die Vertrauen und Kooperation in den Mittelpunkt stellt. Andere Länder sind bereits auf dem Weg, Wissenschafts- und Wirtschaftspolitik, Entwicklungs- und Außenpolitik zu verzahnen.

Deutschland verspielt im Moment die Stärken, die in der Vielfalt seiner wissenschaftlichen Einrichtungen liegen. Mit der dezidierten Entwicklung und Ausgestaltung einer Außenwissenschaftspolitik könnte es weltweit Akzente setzen. Die Globalisierung der Wissenschaft – von der Grundlagenforschung bis zur Entwicklung marktreifer Produkte – wird man mitgestalten können. Aufhalten kann man sie nicht.

Georg Schütte ist Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung, Bonn

 
Leser-Kommentare
  1. 1. \N

    Also was soll nun eine Aussenwissenschaftspolitik bewirken? Es hoert sich fuer mich wie eine grosse Geldverschwendung an ohne irgend einen erkennbaren Nutzen, das Geld waere besser bei der DFG aufgehoben.

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