Für eine Mehrheit der Deutschen sind genmanipulierte Lebensmittel nichts anderes als "Frankenfood" – ein im Labor zum Leben erwecktes Monster, das Gesundheit und Umwelt gefährdet. Für den amerikanischen Saatgutkonzern Monsanto geht es um Leben und Tod. "Das Überleben von Millionen von Menschen steht auf dem Spiel", mahnt das Unternehmen – und verheißt nichts Geringeres als eine zweite grüne Revolution. Eine südafrikanische Baumwollpflückerin bei der Ernte BILD

Aber können die Versprechen auch eingehalten werden? "Die Zukunft der grünen Gentechnik entscheidet sich in Afrika", glaubt Rudolf Buntzel, der Ernährungsbeauftragte des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED). Auch die Industrie hat das erkannt. Erfolg hat sie bislang nur in Südafrika, wo inzwischen drei Viertel der Baumwoll-, die Hälfte der Soja- und je nach Sorte bis zu 20 Prozent der Maissaat aus dem Genlabor stammen.

Im Brennpunkt der Auseinandersetzung liegt Makhathini in Südafrika. Die Bauern in dieser Region sind ausländischen Besuch gewöhnt. Sie bauen seit Ende der neunziger Jahre die so genannte Bt-Baumwolle von Monsanto an, die mit Hilfe eines Bakteriengens weitgehend resistent gemacht wurde gegen den schlimmsten Schädling, den Baumwollkapselwurm. Die Bauern von Makhathini gelten als Paradebeispiel dafür, dass Gentechnik gut ist für die Armen in Afrika.

Thembitshe Joseph Buthelezi, Sprössling einer Adelsfamilie, stolzer Vater von 19 Kindern und Vorsitzender des örtlichen Bauernverbandes, zählt routiniert die Vorteile der Gen-Tech-Baumwolle auf: viel weniger Arbeit und Kosten, weil die Felder nur noch zwei- statt mindestens sechsmal im Jahr mit Pestiziden besprüht werden müssen. Dazu noch deutlich höhere Hektarerträge, die die hohen Kosten für das patentierte Saatgut angemessen erscheinen lassen. Alle Bauern hier finden die Bt-Baumwolle besser als die herkömmliche, haben sich deshalb für das neue Saatgut entschieden. Nur: Ihr Hauptproblem, ihre Armut, hat dies nicht gelöst.

Makhathini ist eine brettflache, bräunlich-graue Ebene am nördlichen Rand der Provinz KwaZulu-Natal. Entlang der staubigen Straße stehen vereinzelt Gehöfte, bei denen die runden Hütten der Zulus nie fehlen dürfen. Die meisten Felder sind abgeerntet, vor der Baumwollentkernungsfabrik, dem einzigen Gewerbe in der Region, lagern containergroße, gräulich-beigefarbene Ballen Rohbaumwolle. Hie und da steht die Baumwolle noch auf den Feldern: dürre, niedrige Reisige mit viel zu kleinen Wattebäuschchen dran. Die Ernte lohnt sich nicht, die Ausbeute wäre zu gering.

Maria Gumede, eine junge Frau mit dickem Wollpulli und Wickelrock, erzählt leise: "Als ich mit der Baumwolle anfing, hatte ich das Pech, dass sich die Wetterbedingungen verschlechterten." Seit Jahren herrscht Dürre, Bewässerungsanlagen fehlen. Einen Hektar hatte sie in der vorletzten Saison gepflügt und Gen-Baumwolle ausgesät. Umgerechnet 13 Euro hat sie dann nach einem Jahr Arbeit verdient. Ohne Sozialhilfe, die es in Südafrika wenigstens gibt, könnte Gumede, wie so viele hier, nicht überleben. Aber nicht nur die Dürre macht den Menschen zu schaffen.

Gentechnik sei kein Wundermittel, heißt es selbst bei Monsanto