Nahost Israelischer Schlag gegen Isfahan?

Der sieht nicht einmal in der Theorie gut aus

Die »Operation Osirak«, die am 7. Juni 1981 den irakischen Atomreaktor zerstörte, war einfach. Gegen 16 Uhr hoben ein Dutzend israelische F-16 und F-15 bei Beersheba ab und überquerten Jordanien. Nach 300 Kilometern lag der Irak vor ihnen und 500 Kilometer weiter Bagdad. Die Maschinen flogen so eng, dass die Gruppen auf dem Radarschirm wie zivile Jetliner aussahen. Die Abendsonne in ihrem Rücken blendete die Flak-Schützen. Jetzt musste den Israelis nur noch gelingen, was sie am Modell geübt hatten. Die erste Angriffswelle knackte die Betonschale, die nachfolgende platzierte die Bomben so genau, dass sie durch das Loch auf den Reaktor fielen.

So einfach wird es im Falle Irans nicht sein, jedenfalls nicht jenseits des rein Technischen, wo die IAF inzwischen wahre Quantensprünge vollzogen hat. Ihre Hauptwaffen wären 25 F-15I für das Bombardement und etwa 24 F-16I für Geleitschutz und Luftkampf . Wichtigster Unterschied zu den älteren Modellen: Radare, die auch bei pharaonischer Finsternis scharfe Abbildungen der Ziele liefern; ein Leitsystem, das fire and forget erlaubt, also Geschosse über große Distanz selbstständig ins Ziel lenkt; schließlich Zusatztanks, die etwa der F-15I eine theoretische Reichweite von 4400 Kilometern verleihen.

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Hinzu kommen satellitengesteuerte Präzisionsbomben sowie »Bunkerknacker«, die angeblich bis zu zehn Meter dicke Betondecken durchschlagen. Mithin: Was die Israelis 1981 noch mühsam mit bloßem Auge und bei Tageslicht machen mussten, können sie jetzt ihrer hoch verfeinerten Elektronik überlassen – auch bei Nacht und Nebel. Außerdem brauchen sie keine Insider-Hilfe mehr – wie jenen französischen Nuklearingenieur, der freundlicherweise einen Peilsender im Osirak hinterlassen hatte. Ansonsten wäre die Operation vielfach komplizierter.

Erstes Problem: die Entfernung. Natanz (Anreicherung) und Isfahan (Wiederaufbereitung) sind etwa doppelt so weit weg wie Bagdad – 1600 Kilometer. Die F-16I, die Geleitschutz flögen, müssten mehrmals, die F-15I mindestens einmal aufgetankt werden – je nach Flugprofil (je tiefer, desto höher der Verbrauch). Dazwischen liegt der Irak, den die Israelis nur mit US-Erlaubnis überfliegen könnten. Deshalb geistert diese abenteuerliche Variante durch die Presse: Die IAF fliegt über das Rote Meer um die Arabische Halbinsel herum und greift vom Persischen Golf her an – macht je 5500 Kilometer hin und zurück. Da Israels fünf Jet-Tanker (707) sich dabei selber auffüllen müssten, liefe diese Strategie nicht ohne Zwischenlandungen ab. Aber wo? Im saudischen Dschidda? In Oman, wo die Briten mitspielen müssten?

Zweites Problem: die taktische Überraschung. Die würde den Israelis nicht gelingen, wenn sie mit 50 Kampfjets plus Tankern losflögen. Zuerst müssten sie die iranische Luftabwehr lahm legen, was noch mehr Flugzeuge erforderte, um eine »Schneise« durch den Raketenwald zu schlagen. Dann müssten sie die Mig-29 niederkämpfen, die schon auf der Lauer lägen. (Die sind das russische Gegenstück zu den älteren F15-Versionen.) Schließlich die Zahl der Ziele: Hier geht es nicht um einen Osirak, der zudem noch auf dem Präsentierteller lag, sondern um viele Objekte, die entweder gehärtet sind wie Natanz oder dicht besiedelt wie Isfahan.

Fazit: Auch wenn Israel mehr und modernere Kampfjets hat als Deutschland, so könnte es doch allein eine so massive Operation nicht aufziehen. Es bliebe allenfalls ein sehr kompakter Angriff aus der Luft, der einzelne Glieder aus der iranischen Atomkette herausschlüge – oder eine noch begrenztere Kommando-Aktion am Boden. Damit könnte Israel ein paar Jahre gewinnen. In Wahrheit aber haben die Israelis schon einen anderen Weg beschritten. Wenn Iran in etwa sechs bis acht Jahren die Bombe hat, wird Israel fünf U-Boote als sichere Zweitschlagskapazität besitzen. Mag sein, dass Präsident Ahmadineschad von einer Bombe auf Tel Aviv träumt. Doch zum Preis von 200 Bomben retour? Die werden Israel schon heute nachgesagt.

 
Leser-Kommentare
  1. Busch,so wie es momentan um seine Praesidentschaft steht wird keine Zustimmung vom Kongress oder vom Senat bekommen fuer einen Schlag gegen die Mullahs im Iran...und der iranische Vorgartenzweig weiss das sonst wuerde er den Mund nicht so vollnehmen.

  2. na denn Gute Nacht, denn die muslimische Gesellschaft ist mindestens genaus so macho...und wir koennen damit rechnen dass dieser blutige Unsinn weitergeht bis in alle Ewigkeit..
    Man sollte ueberlegen eine Art Mauer um die Kontrahenten zu bauen damit keine Auslaeufer ueberspringen.

  3. Ich glaube nicht, das die iranische Führung so etwas riskieren würde. Aber was wäre es denn eigentlich, dass sie davon abhalten würde? Die eigenen Opfer wären Märtyrer fürs Paradies. Khomeini soll gesagt haben:"Der Baum des Islam kann nur wachsen, wenn er ständig mit dem Blut der Märtyrer getränkt wird". Der Reichtum des Iran wäre auch nicht gefährdet, denn das Öl unter der Erde ist auch vor Atombomben und Radioaktivität sicher. Ganz im Gegenteil, mit dem Erdöl müssen jetzt noch 66 Millionen Menschen versorgt werden, nach einem israelischen Vergeltungsschlag wären das sicher deutlich weniger. Es blieben also mehr Petrodollars für die iranische Führung und ihre Ziele übrig. Und politisch? Würde eine Führung die Israel vernichtet hätte gefeiert werden oder zur Verantwortung gezogen werden? Selbst wenn sie nicht gefeiert würde, wer würde Leute zur Verantwortung ziehen wollen, die über Atomwaffen verfügen? Das sind die Fragen die mir zur "Zweitschlagstheorie" einfallen. Und was werden die Israelis denken? J.S.

  4. ueber einen Angriff auf den Iran sind bis jetzt noch Vermutungen.Allerdings muss ich sagen dass Iran die Welt ziemlich herausfordert -und da Israel am ehesten gefaehrdet ist waere ein israelischer Schlag gegen die Mullahs denkbar.Nur wie so oft, liegt der Teufel im Detail...

  5. Vielleicht wird es den einen oder anderen interressieren welche Stellungsnahme Herr Shlomo Sand, professeur d'histoire contemporaine à l'université de Tel-Aviv, zu diesem Thema meint:
    www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3232,36-761383,0.html
    Er ist Jude und Professor in Tel Aviv also kann er kaum antisemit sein ? oder meine Damen und Herren!
    Es wäre ja mal ein Ding wenn wieder Neutralität in die Debatte einträte, anstatt nur drauf loszuschiessen und nur den einen Glockenschlag hören zu wollen, der nicht zum Frieden führen wird.
    Die israelische Gesellschaft ist eine Männergesellschaft, Männer können überhauprt keinen Frieden schliessen sie können nur winnen oder verlieren.

  6. Ich als gebürtiger Iraner muss mich natürlich jetzt auch zu Wort melden.

    Ein militärischer Eingriff brigt viele Risiken.
    1)Der Krieg würde nicht in solch einer "Leichtigkeit" wie im Irak "gewonnen" werden. Die Zahl der freiwilligen würde enorm sein, denn das Regim wird durch diese Leute getragen und diese Leute sind Menschen die nichts zu verlieren haben. Sie kamen aus Armut, man gab Ihnen zu Essen und Macht über andere Menschen und somit auch Reichtum. Jetzt frag ich euch, werden diese Menschen das alles ohne Widerstand aufgeben? Außerdem muss man den Iran als einen Knackpunkt sehen...die arabische Welt fühlt sich stark durch Amerika bedroht und wird nicht weiter mitansehen wie die Region Land für Land zum Opfer der Zwangsdemokratisierung Amerikas wird.
    2) Auch China und Russland haben große Interessen im Iran und vorallem daran, dass Amerika keinen Einfluss auf Iran hat. Ich erwähne nur Öl und Erdgas Industire und die stark vernetzten Wirtschaftlichen Zusammenhänge.Größter Handelsparter Irans ist China, gefolgt von Russland und Indien.
    3)Was genau bezwecken die Amerikaner? Sie marschieren ins Land, töten alle böse Menschen, zerstören die Anlagen und gehen wieder raus als sei nix gewesen? Wieviele Menschen müssen dafür sterben? Kann man nicht durch weitere Überwachungsmethoden und Abkommen die zivile Nutzung überwachen? Ist der Fanatismus anscheinend so groß, dass das Ziel Irans der Bau und danach die Zündung der A-Bombe ist? Ist das der Sinn des Lebens von knapp 70 mio. Menschen?

    Ich sage mit voller Überzeugung NEIN!

    Die Menschen wollen Freiheit, sie wollen Leben, miteinander Leben...egal ob Jude oder christ oder Moslem, hauptsache ein Mensch. Dieser Aspekt fehlt in unserer Welt und in dieser Betrachtung. Andere Wege müssen her. Ein Militärschlag darf nicht durchgeführt werden oder will man, auch wenn es sehr radikal gesagt ist, einen möglichen 3 Weltkrieg anfangen? Soll der eiserne Vorhang wieder aufgehoben werden? Will sich der Westen wieder gegen den Osten stellen und den Hass der arabischen Welt auf sich ziehen?

    Sanktionen werden wahrscheinlich keinen Erfolg haben.
    Auch wenn dieser Vorschlag auf den ersten Blick komisch sein sollte, meiner Meinung und Erfahrung nach würde ein Ausschluss aus der WM mehr im Iran bewegen als Drohungen von Politikern und Saktionen. Die Menschen würden dafür auf die Straße gehen, die Menschen würden nicht mehr hinter dem Regim stehen und eine Bewegung würde endlich wieder durch das Land gehen. Diese Bewegung muss unterstützt werden damit der Iran sich selbst wiederherstellen kann und eine eigene, gesunde und tollerante Regierung auf die Beine stellen kann.

    Ich hoffe man konnte meinen Gedanken folgen ;)

    schöne Feiertage noch

  7. 7. @ kb

    Liebe KB, wir müssten und sollten eben um jeden Macho Typen eine solche Mauer errichten auch hier im Westen. Lassen sie mal der Kirche freie Hand, nur ein Jahr!
    Wir streiten ja schon so lange gemeinsam und doch sind wir im Grunde einverstanden dass wenn anstatt den Rüstungswahn anzukurbeln dieses Geld dienen täte Einfamilienhäuser zu errichten mit kleinem Garten usw, würden die Frauen kaum ihre Männer zum Krieg schicken, oder was meinen Sie.
    Nur wer verzweifelt ist reagiert so.
    Ich sagte ja Männer können keinen Frieden schliessen, das liegt nicht in ihrere Natur. Bush kann auch keinenn Frieden schliessen, dann müsste er zuerst die Ursachen für seine sehr alkoholisierte Zeit ergründen. Vermutlich sehr rigoreuse Kindheit in einem Bostoner Elternhaus.
    Lassen wir die Frauen mal zu Wort kommen, 15 Generäle in der Knesset sind 15 zuviel. Streithähne sind keine Friedenstauben.
    Schöne Ostern das Fest des Friedens, nach dem Tode!

  8. Tja aber Bush muss etwas unternehmen, eben wegen seiner Unfragewerte und es ist keinesfalls so als ob es sein letztes Mandat sei.
    Gewinnen die Demokraten im November wird es mit Sicherheit ein Impeachment verfahren geben und sei es nur um Abzurechnen.
    Der fragilisierte Bush wird dann entweder gestützt oder wie Caesar von allen Brutussen der Republikanischen Partei zur Strecke gebracht, schon alleine wegen dem Struggle of Life, den jeder Kongress oder Senats Mitglieg wird seine Haut retten wollen.
    Die Spitze des Staates insgesamt ist unbeliebt wie nie, von Cheney und Rumsfeld nicht zu sprechen.
    Das sind die Herausforderungen des kleinen der meinte er wäre ein Grosser.
    Gross ist man nur wenn man Frieden schafft !

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