GESELLSCHAFT Ist Multikulti schuld?

Contra: Das antideutsche Ressentiment vieler Multikulturalisten verhindert die Integration.

Nicht Multikultur ist schuld an den Integrationsproblemen, sondern ihre Instrumentalisierung durch Feinde wie Verfechter. Anstatt sich in angelsächsischer Tradition um das Social Engineering der Migration zu bemühen, umgaben die Anhänger des Multikulturalismus ihr »Projekt« stets mit der Aura eines Karnevals der Kulturen, in dem sich Ethnien und Religionen zum friedlichen Nebeneinander einfinden werden, wie zu einem Kindergeburtstag.

Die Lobby der so genannten Migrationsforscher versorgte die Politiker und ihre Klientel mit ständig neuen Erfolgsgeschichten dieser Haltung. Warnende Zwischenrufe von nicht naiven Xenophilen wurden oft genug als »rechts« oder »rassistisch« abgetan. Das ging so lange gut, bis in größeren Städten die Probleme mit Parallelgesellschaften, Jugendkriminalität und einer verheerenden Bildungsbilanz zu eskalieren begannen.

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Das Elend von Multikulti hat viele Ursachen: In Deutschland hat es wie so oft mit Angst zu tun. Die Angst der Gutmenschen, sich von ihren Idealen zu trennen, die ihnen als moralisches Korsett zur einzigen Stütze ihrer Identität geronnen ist – sowie die Angst vieler latent oder auch offen fremdenfeindlicher Altdeutscher, die sich vor jeder Form des Andersseins fürchten. Dazwischen versucht eine breite bürgerliche Mitte – im Schatten der deutschen Schuld –, ihre Sehnsucht nach einem weltoffenen Land mit dem Bedürfnis nach einer Zivilgesellschaft, in der sich alle Mitglieder jener Liberalität verpflichtet fühlen, zu versöhnen. An ihnen sollte sich die Zuwanderungsdebatte orientieren.

Der ideologische Kern vieler vorgeblicher Multikulturalisten ist ihr Antikapitalismus und Antinationalismus. In den unangepassten Migranten sehen sie eine Projektionsfläche eigener Dissidenz. Die Zuwanderer werden als Doubles ihrer Verteidiger in Stellung gebracht: als Gegner dieser Gesellschaft, mit der viele Multikulti-Vertreter oft genug noch eine Rechnung offen haben. Dabei sind sowohl der Kapitalismus als auch der Patriotismus Agenten der Integration. Ausgerechnet der für Arbeitsunwillige besonders bequeme Sozialstaat verhilft zu Parallelgesellschaften, weil der Druck, sich abseits des monatlichen Besuchs des Sozial- oder Arbeitsamtes mit dem Rest der Gesellschaft auseinander zu setzen, gegen null tendiert. Exakt jenes Verwöhnaroma, das zu Sozialhilfekarrieren in der dritten Generation führt, verschwindet, wenn sich Migranten im Kampf um das tägliche Brot in das Land integrieren müssen. Dabei muss den Migranten Mut zum gesellschaftlichen Ehrgeiz gemacht werden: Das passiert bisher nur durch Rapper wie Bushido. Gesellschaftlicher Aufstieg und die damit verbundene Anpassung gehören leider nicht zum Ideal linker Multikulti-Folkloristen.

Das seit 1945 traumatisierte Verhältnis der Deutschen zur Nation erschwert Integration. Das Antideutsche vieler Multikulturalisten verhindert sie. Der deutsche Pass bleibt ohne lebensweltlichen Überbau folgenlos. Vor diesem Hintergrund kann man es einem Ex-Pakistani oder Ex-Albaner kaum verdenken, dass er seine alten nationalen Traditionen pflegt, wenn sich die deutsche Mehrheitsgesellschaft ihrerseits gegen jede Identitätsbildung sträubt.

Die Bürgerlichen hingegen müssen sich fragen, ob ihr widerlicher Rechtspopulismus mit Unterschriftenaktionen und »Kinder statt Inder«-Slogans nicht jene Berührungsängste schürte, die integrationswillige Migranten leidvoll erfahren.

Das geburtenarme Deutschland braucht Migration. Aber wir müssen unsere Interessen definieren, die wir mit dieser Migration verbinden. Zuwanderung als Bereicherung unserer Gesellschaft ist gefordert: ökonomisch, demografisch, kulturell, ästhetisch. Ein Deutschland ohne Zuwanderung hat in der globalisierten Welt keine Zukunft. Zeit, dass wir lernen, sie zu gestalten. Pragmatisch, ohne Schaum vor dem Mund und ohne rosaroter Brille auf der Nase.

 
Leser-Kommentare
    • iceman
    • 14.04.2006 um 23:48 Uhr

    Wer´s nicht glaubt, soll nach Mannheim gehen und sich in eine der ca. 12 türkischen Bars begeben, in denen türkische Live-Musik gespielt wird.
    Die Atmosphäre wird man so schnell nicht vergessen - eine sehr grosse Bereicherung.

    Ich habe in Paris den algerischen Ethno-Pop-Sänger Larbi Dida gesehen, der einen ganzen Saal zum kochen gebracht hat.

    Ich habe mich in Strassburg von der Stimme der uralten ägyptischen Hasna el Becharia und ihres Ensembles verzaubern lassen.

    In einem gewöhnlichen Touristenhotel in Gambia habe ich einen der wunderbarsten afrikanischen Musiker erleben dürfen, Tata Dindin auf der Kora (afrikanisches Saiteninstrument).

    Im Alter von 10 Jahren habe ich mich das erste mal verliebt, in die schönste Frau der Welt, eine Bauchtänzerin des Schah-Abbas-Hotels in Isfahan.

    Viele muslimische Frauen, ob mit Kopftuch oder ohne, ob gebildet oder nicht, besitzen sehr gute Manieren, haben sich auf eine interessante zurückhaltende Weise ihre weiblichen Reize bewahrt - während bei unseren Frauen einiges aus dem Ruder gelaufen ist.
    Das anatolische Muttchen ist sicher kein attraktives Vorbild, aber die durchoptimierte deutsche Kurzhaar-Femanze in Hosen mit dem kalten Männer-Mörder-Blick eben auch nicht.

    Feridun Zaimoglu hat mir mit seinem letzten Roman "Leyla" das Herz geöffnet.

    Orhan Pamuks "Schnee" ist der stärkste Roman seit Arthur Goldens "Geisha" (letzteres eine kulturelle Bereicherung der asiatischen Art).

    "Voll gegen die Wand" von Fateh Akin ist der beste deutsche Film seit "Das Boot".
    Niemals werde ich die Szene vergessen, in der der 40jährige Alkoholiker Cahit in einem türkischen Hotel - seines Verstandes beraubt - auf einmal anfängt Englisch zu sprechen.
    Diese Filmszene wurde aus dem Schmerz geboren, genau wie die Szene in Das Boot, in der Klaus Wennemann im Zustand der totalen Erschöpfung seinem Käpt´n Vollzug meldet:
    "Melde gehorsamst, Herr Kalhoin...die Maschine klar...Hauptpumpe klar...eingedrungenes Wasser kann in Regelfällen abgepumpt werden...Kompressoranlage klar...Echolot klar".

    Wenn Deutschland ein Boot ist, dann müssen wir die Schotten dicht machen, und müssen anschliessend gemeinsam, Hand in Hand mit unseren Migranten, die Kiste wieder flott kriegen.
    Das geht aber nur, wenn wir die Migranten als Teil von uns annehmen, wenn wir sie gern haben, wenn wir der türkischen Kopftuchträgerin helfen, den Baby-Buggy in den Bus zu kriegen, oder uns mit ein paar waschechten Frankfurter Ghetto-Kids am Flughafen über Fussball unterhalten.

    Wenn ich es geschafft habe, mich durch andere Kulturen bereichern zu lassen, obwohl ich kein Wort Türkisch oder Afrikanisch kann, dann brauchen auch die Migranten keine Angst haben ihre kulturelle Identität zu verlieren, wenn sie die deutsche Sprache als Erstsprache annehmen.

    Die härtesten Zeiten kommen erst noch, weil wir schon zuviel Zeit verloren haben.
    Die sprachbedingten Bildungsdefizite vieler jugendlicher Migranten werden wir nicht mehr kompensieren können.
    Das wird uns noch etliche Jahrzehnte belasten.
    Und es wird immer wieder Rückschläge geben:
    Wir werden weiterhin mit Bildern leben müssen wie mit dem der türkischen Familie, die nach dem Gerichtsurteil des Ehrenmord-Prozesses in Jubel ausbricht und Victory-Zeichen von sich gibt.
    Und es kann sogar sein, dass wir irgendwann ähnliches erdulden müssen wie in London oder Madrid.
    Wir werden auch weiterhin mit Belastungen des Sozialsystems leben müssen, und uns noch eine ganze Weile lang die schlechten PISA-Ergebnisse der Migrantenkinder anschauen müssen.
    Das müssen wir eben schlucken, wir Deutschen haben schon weiss Gott Schlimmeres überstanden.
    Und hinterher waren wir immer stärker.
    Wir müssen weiterarbeiten.
    So lange, bis es wieder läuft.

    Eine andere Chance haben wir nicht.

    • Colon
    • 16.04.2006 um 0:42 Uhr

    ad @Colon RanHoek
    Wie ich lesen konnte, wurden Beispiele aus der Kultur schon von anderen Kommentatoren dankenswerter Weise genannt. Ich persönlich habe z.B. Renan Demirkan und Rafik Schami für mich entdeckt. Von Schami, den ich schon als Schüler persönlich erleben durfte, habe ich gelernt, dass man seinen Kindern jeden Abend selbst erfundene und andere Geschichten erzählen kann und dabei allen wohl an Geist und Seele wird. - Für diese Anregung zum eigenen Mut bin ich ihm ewig dankbar. Feridun Zaimoglu wurde schon erwähnt. Er ist derzeit mit "Leyla" in aller Munde. Ich höre gerne persische Tar und Zarb-Musik, in Deutschland, Frankreich und England, ob der vielen Exilanten und der noch vorhandenen Anerkennung, kein Problem.

    Aber nun zum eigentlichen Kern der Sache. Die Migranten bringen kulturelle Elemente mit, die auch für uns Einheimische
    wieder wertvoll werden könnten. Nicht die leicht anführbaren Verknüpfungen in der Hochkultur zwischen Orient und Okzident, oder die gemeinsame Wurzel der Religionen meine ich, sondern solche Dinge wie Gastfreundschaft, Familienzusammenhalt, Mehrgenerationenfamilie, gegenseitige Hilfe, Höflichkeit, Gelassenheit, auch eine eigene und eindrucksvolle Art Feste und wichtige Tage zu feiern.
    Diese Alltagsdinge spüre ich jedenfalls, wenn der türkische Kaufmann seinen Sohn losschickt, meine Vergesslichkeit zu korrigieren, wenn plötzlich jemand mit Gebäck vor der Türe steht,...Meine bisherigen Erfahrungen zeigen mir, ich bekomme mehr zurück als ich gebe. Das ärgert mich von Zeit zu Zeit , weil es mir an Spontanität und Offenheit manchesmal eben mangelt.

    Beachten Sie nur einmal die Vielfalt der Beziehungen zwischen
    Deutschen und Türken, für die die grösste Gruppe der hier lebenden Ausländer oder abstammenden Deutschen, eine wichtige Brückenfunktion erfüllt. Immer wieder ist mir aufgefallen, mit welcher Bewunderung die Menschen aus der Türkei gerade unser Land betrachten. Deutschland war und ist immer noch eine Projektionsfläche für Wünsche und Hoffnungen. Umgekehrt war die Türkei eines der Fluchtländer für die letzten Demokraten aus Deutschland, die dort sogar am Aufbau der Universitäten mitwirken durften.
    Wer ein wenig historische Kenntnis hat, der kann den Weg der Türkei in den letzten 100 Jahren doch nur mit grosser Bewunderung verfolgen. Die Ausgangslage des armen Mannes
    am Bosporus war denkbar schlecht. Die Türkei kann unsere Brücke zu einer Welt sein, die uns und unseren europäischen Partnern noch immer mehr Verständigungswillen zutraut, als den 8000 km entfernten derzeitigen Weltenherrschern. Ein "Kapital", das wir nicht leichtfertig verspielen sollten, weil es die Zukunft sichert.

    Gleiches gilt natürlich auch für die einmalige Chance, die die Beziehungen und sprachlichen Fähigkeiten der eingewanderten
    Russlanddeutschen und deren Angehörigen eröffnen. - In deren Herkunftsländern hat Deutschland, trotz aller Verbrechen, wieder ein gutes Ansehen. Ich bin sogar der Meinung, man erwartet von uns mehr, als die bisher gepflegte
    Geschäftsmäßigkeit. Sie könnten das meinetwegen auch deuten, als langsame Rückkehr zu dem einmal innegehabten Platz in Mitteleuropa.

    Aber noch einmal zu dem Artikel von Herrn Poschardt. Integration kann man niemals mit Regelkatalogen und Drohungen, mit "Hausordnungen" und der Erfindung von Identitäten an die es sich anzupassen gelte erreichen, sondern nur durch Angebote, Chancen und beständige gleichberechtigte Anerkenntnis. - Aktuell hat dazu Theo Sommer thesenartig geschrieben.

    Lassen wir also einmal die "ideologischen Kerne" beiseite und kümmern uns um die allesamt behebaren Probleme. Gelassen, ohne Dünkel und vor allem ohne populistisches Geschrei. Ich kann Ihnen hier nur empfehlen, sich einmal mit den Erhebungen der Migrationsforscher und der Kriminologie zu beschäftigen. Das ist augenöffnend und entspannend.

    • lef
    • 16.04.2006 um 16:04 Uhr

    Ja, es sollte differenziert werden - niemals sollte eine Ethnie pauschal verurteilt werden.
    Dass mein von Ihnen zitierter Satz sich nicht auf Ethnien bezog, sondern auf kriminelles Verhalten,
    und dass mein Vorwurf sich darauf bezog, dass dieses kriminelle Verhalten gerade WEGEN falsch verstandener ethnischer Rücksicht nicht als solches gesehen werden durfte,
    darauf sind Sie bereits hingewiesen worden.

    Aber bei aller Liebe zum differenzierten Denken muss und darf doch wohl gesagt werden, dass es Gruppen resp. Parallelgesellschaften GIBT, die völlig andere Wertvorstellungen haben, als die Mehrheit im modernen (!!) Europa!

    und: Es ist AUCH (und ich meine hauptsächliche!) Aufgabe von Angehörigen dieser Volksgruppen, sich eindeutig und klar zu äußern, dass sie diese Wertvorstellungen NICHT teilen, wenn sie nicht mit genau diesen Wertvorstellungen identifiziert werden wollen..

    Genau das passierte eben nicht.
    und: Da Sie offenbar wenig Wissen vom Islam haben:
    Sie sollten zur Kenntnis nehmen, dass dies im Islam verboten ist (und erst kürzlich aufgeweicht wurde).
    Die moslemische "ummah" (Gemeinschaft)ist ein ganz wesentlicher Bestandteil des Glaubens, KEIN Moslem darf einen anderen in seinen Werten kritisieren. Das geht nun Mal bis zur Selbstaufgabe.

    Das heißt: Die Moslems SIND eine "eingeschworene" Gemeinschaft, das ist Bestandteil der Ideologie Islam.

    Für einen Europäer mit christlichem Hintergrund ist das offenbar schwer verständlich,
    wenn ich als Christ mit Gewalttaten anderer Christen in einen ethnischen Topf geworfen werde (z.B. mit Aktionen wie die der Fundamentalisten im "biblebelt" der USA,
    dann kann, darf und MUSS ich mich distanzieren - bis hin zur Aufgabe meiner Glaubensangehörigkeit.

    Die erst sehr kürzlich erfolgte vorsichtige Distanzierung weniger moslemischen Verbände von einigen Grundwerten der "Ummah`" ist SEHR neu und vielleicht nur Taktik.

    Zu Iceman`s Schwelgen von kulturellen Glanzlichtern:

    Es darf sehr wohl gesagt werden, dass einige kulturelle Besonderheiten von Zuwanderern durchaus geschätzt und als Bereicherung gesehen werden.

    Am Fakt, dass es ethnische Gruppen in Deutschland GIBT, die sehr anachronistische Wertvorstellungen vehement verteidigen, die darüber hinaus in eine Ideologie (Islam) eingebunden sind, die mit Recht als Faschismus bezeichnet werden darf,
    ändert das aber nichts.
    Das ist dann keine Pauschalisierung, sondern statistische Tatsache.
    Es wird Zeit, dass Gutmenschen wie Sie das endlich zur Kenntnis nehmen,
    und genau das sollte ja die Aussage dieses Artikels sein:
    Die Unfähigkeit, einen Faschismus zu erkennen,
    DAS ist das Hauptmanko selbsternannter "Antifaschisten".

  1. So unwahrscheinlich das ist, dass das Klinikpersonal nichts gegen das Rauchen unternommen hat (mit einem assozialen Sohn wäre es minimal Glaubwürdiger gewesen), ist es um ein vielfaches unwahrscheinlicher, dass eine ältere Mutter das Rauchen ihrer Tochter im Krankenhaus geduldet hätte. Für solche Frauen ist das Brechen der Krankenhausregeln, auf die von Ihnen beschriebene Art, fast genauso schlimm, wie ein Ladendiebstahl vor der Nase. Das würde bei fast allen älteren türkischen Müttern Panikanfälle verursachen.

    Mit Verlaub, haben Sie das nötig? Anscheinend ja!

  2. Werte Damen und Herren,

    Selbstverständlich ist es an uns zu akkzeptieren, daß Fremdstämmige sich in Deutschland niedergelassen haben - und nicht selten haben diese, wie ich in meinem vorigen Kommentar kurz darlegte, Wurzeln geschlagen in unserem und nunmehr ihrem Land. Ich spreche nicht von den Türken (und hier ist die Bezeichnung vollkommen an ihrem Platze), die des Abends Wehrlose vergewaltigen oder ihre Schwester für die der Familie angetane Schmach bestrafen - nein, mit diesen werden wir fertig werden, wie wir mit vielem fertiggeworden sind. Mit den Trümmern, der Wirtschaft, der Teilung. Natürlich bedarf es harter, konsequenter Rechtssprechung und einer Generalreform des Asylrechts.

    Aber was ist mit den Stillen im Lande, die ihre Heimat in Deutschland haben, die dieses Land lieben, für die unser Land so gerne auch ihr Land wäre.
    Was ist mit dem Rekruten Özdemir, der zum ersten Mal als Gefreiter spürt anerkannt zu sein in unserer Gesellschaft, mit der kleinen Djamila von nebenan, deren Mutter von Geburt an in der Zunge ihrer neuen Heimat mit der Tochter sprach,
    was mit dem Mechaniker Eugen, der in der mit Kohlestaub geschwängerten Luft seines Geburtsortes "Faschist" genannt wurde...
    Können Sie, und ich frage besonders die, die von einer Rückführung, von einem blonden Deutschland träumen und die "Gastarbeiter" wenn nicht zurückschicken, so doch gerne ignorieren täten, können Sie den Obigen sagen: "Wir wollen Dich nicht! Pack dich!"

    Und wenn Sie können, dann denken Sie an ihre Vorfahren, die einst als Polen in den Ruhrpott, als Hugenotten ins Saarländische, als Wenden nach Schlesien kamen. An den Juden, Gallier, Römer der in der langen Reihe Ihrer Ahnen gewiß vorkommt. Denken Sie daran und denken Sie um!

    Und selbstverständlich brauchen wir Patriotismus, Leitkultur und das Bewußtsein ein Volk zu sein und keine Pampe - damit unsere Gesellschaft, unsere jahrhundertealte abendländische Kultur wieder ihren Glanz zurückerlangt, den die 68er ihr nahmen und nehmen.

    Eine Kultur, die fordert und Ansprüche stellt, hohe Ansprüche an Leistung und Ethos - aber eine Kultur, die letztlich nicht ausschließlend ist, sondern warm-verbindend.

    Natürlich änderten und ändern sich Kulturen, sie sind im stetigen Fluß - aber keine Kultur darf in einem Anflug grenzenlosen Selbsthasses sich selbst verleugnen und an alle anderen in Anbiederung verfallen. Übernehmen wir das Gute: die Herzlichkeit, die Spontaneität und Lebensfreude des Südländers - übernehmen wir es in Maßen, und behalten wir unser Eigenes, so sind wir bereit.
    Bereit und gerüstet das schönste Versprechen, das ein Volk sich selbst je gab, wieder zu erfüllen:
    Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland!

    • iceman
    • 15.04.2006 um 11:59 Uhr

    Einen guten Ausblick hat nur der, der mit beiden Beinen aufrecht auf dem Boden steht, der geerdet ist auf dem Grund des eigenen Landes, der eigenen Sprache und Landschaft.

    Der Mecklenburger Heinrich Schliemann entdeckte Troja und den Schatz des Priamos.
    Die Ausgrabungsstätten lagen übrigens in der nordwestlichen Türkei.

    Der Berliner Alexander von Humboldt erkundete Mittel- und Südamerika.

    Waren das alles Multi-Kulti-Träumer?

    Nein, natürlich nicht, das waren erzkonservative preussische Haudegen, die sich aufgemacht haben, die Welt zu erkunden.
    Kultur kann man nicht in Begriffe wie "meins" und "deins" fassen, es ist eher etwas fliessendes und übergreifendes, etwas, das von einem eigenen festen Standort aus seine Wurzeln ausbreiten kann.

    Diese Verortung sollte man haben.
    Das Schlimme an den multikulturellen Ideologen ist, dass sie diesen eigenen Standort nicht mehr haben, dass sie entwurzelt sind und die eigene Nation ablehnen oder gar verabscheuen.
    Solche Pflanzen gehen früher oder später ein, ihre Legitimationsgrundlage wird ihnen deshalb auch zurecht gründlich entzogen.

    Der sogenannte Gutmensch hat das selbe Problem wie ein integrationsunwilliger Migrant - er weiss nicht, wer er ist.
    Leider haben viele dieser Ideologen den jungen Migranten ein falsches Vorbild abgegeben.

    Meine Haltung ist eine ganz andere:
    Ich denke, dass jeder, der hier in Deutschland zur Welt kommt, automatisch ein "Germane" ist, ob er will oder nicht, ob er es selber weiss oder nicht.
    Wer hier aufgewachsen ist, den akzeptiere ich nicht als Türken oder Albaner.
    Ich warte halt so lange, bis er es selber begreift. Punkt!

    Das Land, in dem ich aufwachse, dessen Luft ich atme, in dem ich zur Schule gehe, in dessen Häusern ich wohne, und an dessen Feldern und Seen vorbei ich spazieren gehe - DAS ist mein Heimatland, und zwar mit all seiner Geschichte.
    Viele Deutsche greifen zu kurz, wenn sie im Nachfahren türkischer Einwanderer immer noch den "Türken" oder den "Süd-" oder "Ausländer" sehen.
    Aber ich meine zu spüren, dass diese Geisteshaltung langsam verschwindet.

    Zumal die meisten Türken ohnehin kein "sonniges Gemüt" haben, sondern eher von Tiefgang geprägt sind.
    Ihre Mentalität ist eher eine Mischung zwischen temperamentvoll und melancholisch-fatalistisch.
    Mit letzterem passen sie sehr gut zu uns Deutschen, in vielen anderen Punkten auch.

    Wir Deutschen sollten uns nicht länger über das Blut definieren (wer von uns Ur-Deutschen kennt schon noch seine frühgermanischen Vorfahren?), sondern über den Geist, den jeder Kulturraum und jede Nation als Endgebilde zwangsläufig atmet - in Form seiner Sprache und Mentalität.
    Diesen Raum zu teilen steht jedem frei, der hier lebt.
    Ich würde mir sehr wünschen, das ein hier Geborener sich selber nicht mehr als "Migrant" sieht, sondern als Deutscher mit dem interessanten Hintergrund von Vorfahren anderer Herkunft:
    Etwas türkische Sprache von den Eltern übernehmen zu können ist dabei eine Bereicherung.

    Ein gläubiger Muslim sollte die Möglichkeit haben, in einer Moschee zu beten. Da wo sie fehlt muss sie gebaut werden.

    Und Essgewohnheiten sind uninteressant - das deutsche Schweinekotelett atmet nicht den Geist der deutschen Geschichte (zumal unsere Vorfahren meist zu arm waren, um sich ein Stück Fleisch leisten zu können).

    Ich kenne nur drei Feinde einer gelungenen Integration:

    Erstens die vaterlandslosen Gutmenschen.

    Zweitens die oben genannten vernagelten Altdeutschen.

    Drittens die Türken, die ihre Kinder hier voll auf das türkische Programm eichen, mit der üblen Folge, dass diese Kinder später schwere Identitätsprobleme entwickeln (von den praktischen Nachteilen mangelnder Deutschkenntnisse mal ganz abgesehen).
    Nichts gegen ein Kopftuch, solange sich darunter ein deutsch denkender Kopf befindet.
    Im anderen Fall besteht aber meinerseits nicht viel Verständnis.

    Von einem Migranten (und noch mehr von seinen Kindern) muss ich erwarten, dass er sich immer tiefer mit der deutschen Sprache, Geschichte, Musik, Kunst, Film und Literatur beschäftigt.
    Das Niveau hängt dabei vom Intellekt ab, aber es ist schon wichtig, dass ein Mensch sich mit den kulturellen Erzeugnissen seiner Heimat beschäftigt, und nicht gezwungen ist, sie permanent auszublenden, um sich seine eigene - fremdstämmige - Kultur krampfhaft zu bewahren.
    Denn dies verschleisst unnötig viel Kraft und psychische Stabilität.
    Das Verstehen (und die Teilhabe) an der Kultur der neuen Heimat ist ganz einfach eine Voraussetzung, um sich in seinem Lebensumfeld wohl fühlen zu können.

    Manchmal erlebt man merkwürdiges:
    Ein junger Türke, kurz vor der Einbürgerung, schwärmte mir mal von der französischen Literatur zur Zeit der Aufklärung und der deutschen Literatur der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts vor (vor allem mit Bezug auf jüdische Schriftsteller).
    Ein zugewanderter Aussiedler aus der Ukraine, Theologiestudent, versuchte (leider vergeblich) mir die Philosophie Hegels zur erklären (definitiv zu hoch für mich).
    Und es muss nicht immer so hochgestochen sein:
    Ein Blick in´s Strassenbild zeigt, dass immer mehr junge Deutsche und Neudeutsche gemeinsam ihres Weges gehen.

    Wenn Neudeutsche daneben auch fremdkulturelle Einflüsse nutzen - umso besser!
    Warum soll ich einem Neudeutschen das verwehren wollen, was ich selber gerne nutze?
    In meinem Kopf ist Platz genug für Kantaten von Johann Sebastian Bach, Punk, beduinische Call-and-Recall-Gesänge, norwegischen Jazz, türkische Folklore, und japanische Shakuhachi-Musik (u.v.v.m.).
    Mit "Misch-Masch" hat das nichts zu tun, eher etwas mit ICE, Fahrrad, Auto, Flugzeug, oder per pedes - eben je nach Bedarf.

    Ich verändere meine Persönlichkeit nicht dadurch, dass ich ein anderes Reisemittel benutze - oder?

  3. ...stößt mir auf, daß ein solch unqualifiziertes pamphlet auf der zeit-online-titelseite seine veröffentlichung fand.
    in keinem seiner formulierten "argumente" schafft es herr p. sich seiner willkürlich zusammengewürfelten themen (migration/sozialhilfe/antikapitalismus/antinationalismus!) sachlich zu nähern.

    -"lobby der so genannten migrationsforscher"
    -"moralisches korsett zur einzigen stütze ihrer identität"
    -"verwöhnaroma, das zu sozialhilfekarrieren"
    leider verwehrt uns herr p. einen einblick, wie er auf jene schlüsse kommt und begnügt sich mit reiner demagogie.

    es ist auch kein positives zeichen, daß die dargestellte position, ob der vielen reaktionen, streitbar zu sein scheint; nein, sie rührt aus einer tiefen persönlichen abneigung herrn p.s und betont andere gesellschaftliche grenzen.

    ich würde der redaktion empfehlen herrn p. die spielregeln der online-kommentierung vorzulegen und ihn auch auf vernünftiges schreiben zu verpflichten. für solch unreflektiertes gekritzel gebe ich nur ungern woche für woche meinen beitrag, einer sonst so lesenswerten zeitung.

  4. Hallo marypastor,

    eigentlich kann ihre Frau froh sein, dass die Angehörige der türkischen Herrenrasse so tolerant war, das Zimmer mit einer Schweinefleischfresserin zu teilen.
    Genießen Sie diese Toleranz. Lange wird es die nicht mehr geben.

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