Politisches Buch Radikal verengtes WeltbildSeite 2/2

Im Fall der Studentenbewegung wird die Autorin grobschlächtig. Das war für sie eine Veranstaltung der Frankfurter Schule, Maos und Dutschkes, die gemeinsam antraten, um »die erste Welt auf das Niveau der dritten Welt abzusenken«. Über zahlreiche Personen streut Bettina Röhl Verdächtigungen ohne Belege aus. Die ehemaligen Bundespräsidenten Heinemann und Rau sehen sich wegen ihrer Herkunft aus der Gesamtdeutschen Volkspartei als »Bündnispartner« der SED/KPD angeprangert. Den Sozialwissenschaftler Wolfgang Kraushaar bezichtigt sie – ohne den Hauch eines Belegs –, »Kenntnis von einem geplanten Anschlag auf die Beerdigung« Ulrike Meinhofs zu haben.

Der Aufbau des Buches hält sich weitgehend an die Kapitelfolge der Erzählungen des Vaters, der zum Teil wörtlich wiederholt, was er 1974 geschrieben hatte. Ergänzt werden dessen Geschichten durch lange Zitate aus Interviews mit ihm, aber auch mit seinen damaligen Autoren, Mitarbeitern und Zeitgenossen. Der wichtigste Kronzeuge Bettina Röhls ist ihr Vater, den sie gleich zu Beginn des Buches »entweder als Kasperle, Märchenprinz, Bösewicht, Verführer, alte Hexe, ewiger Geliebter, zweiter Tucholsky oder als Genie durchs Leben« gehen sieht. Ein solcher Kronzeuge – der Germanist Reinhard Baumgart nannte ihn einen »Kotzbrocken« – ist für ein seriöses Buch eher eine Hypothek. Dem Charme der Schlusszeilen werden viele Leser, die bis dahin durchhalten, erliegen. Der Autorin »eigentliches Anliegen« ist nämlich die »soziale Frage«, und der widmet sie das Buch.

So macht Kommunismus Spaß!Politisches BuchUlrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl und die Akte KONKRETBettina RöhlBuchEuropäische Verlagsanstalt2006Hamburg29,80677
 
Leser-Kommentare
  1. Von Bettina Röhl

    In diesem riesigen Textlappen hyperventiliert R.Walther, daß er diesen hätte überhaupt nicht geschrieben haben dürfen. Und doch hat er es getan. So wertvoll ist ihm das Buch "So macht Kommunismus Spaß Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl und die Akte Konkret" Die Autorin bedankt sich an dieser Stelle für die begeisterte Kaufempfehlung.

    Man muss die Sprache des sich wie eine Buchrezension gerierenden Textes richtig dechiffrieren, um die Walthersche Botschaft zu verstehen. Wenn ein 68er den Jokersatz sagt, ob aus Neid, aus Hass, aus Minderwertigkeitsgefühl, das ist egal: Nichts Neues! dann ist er von dem Neuen überwältigt.

    Wenn hier jemand zu der abwegigen Behauptung greift, daß ich ein 32 Jahre altes Buch von Klaus Rainer Röhl, das keiner kennt, für das sich auch seit Jahrzehnten keiner interessiert und das aus einem Wissensstand heraus geschrieben wurde, dem Akten und Fakten und 32 Jahre Geschichtsschreibung fehlen, kopierte oder sonst aufwärmte, dann muss es arg bestellt sein, um dessen Selbstwertgefühl, sonst würde dieser Jemand nicht zum Stil einer geradezu verleumderischen Attacke greifen.

    Er holt also sogar Klaus Rainer Röhl aus der Acht heraus, in die der bekennende Rechte Röhl 32 Jahre lang gestellt wurde. Walther kann sich nicht entscheiden, ob er die Autorin Bettina Röhl nun wegen deren Mutter Ulrike Meinhof oder wegen deren Vater Klaus Rainer Röhl attackieren will, nur biologistisch möchte er's schon gern haben. In seinem Kopf: Tochter, Tochter, Tochter. Der billige und durchschaubare Diskreditierungsversuch: haben Mütterchen und Väterchen alles schon vor Generationen losgelassen, also bitte keine neue Geschichtsschreibung, darf da nicht fehlen.

    Ja, ja, diese 68er ließen in den vergangenen Jahrzehnten ganze Landstriche kahl holzen, um genügend Papier für immer dieselbe Botschaft zu haben. Die Geschichtschreibung beginnt mit dem Tod von Benno Ohnesorg, dem SDS, der Zeitschrift Konkret, dem Attentat auf Rudi Dutschke, den Meinhof-Kolumnen, dem Sprung der RAF in den Untergrund, Baader, Ensslin, Mahler.. Dutschke, Mahler, Baader, Ensslin, Meinhof RAF RAF RAF. Millionen Tonnen bedrucktes Papier mit immer derselben Geschichte, ganze Bücher mit dem letzten Terroristentext von Ensslin oder einem anderen, einzigen Zettel werden als neuester sakraler, erkenntnistheoretischer Durchbruch von der 68er-Industrie angebetet.

    In der Tat ist "So macht Kommunismus Spass! ein Buch, das geradezu explodiert im Angesichte der sehr verdichteten dargebotenen Fülle an neuen Fakten aus dem Leben von Ulrike Meinhof und deren Mann Klaus Rainer Röhl, der Zeitschrift Konkret , der bundesrepublikanischen Geschichte vor 68, der KPD und vieler ihrer Protagonisten. In der Tat wird eine bisher unbekannte Ostberliner Akte, die nicht nur Beweise teils bekannter Tatsachen enthält, sondern auch einen bisher nicht dagewesenen Einblick in das deutsch-deutsche Geschehen historisch (und nicht subjektiv) gewährt, in dem Buch präsentiert. Es werden essentiell neue Dokumente und Zeugenaussagen gebracht und analytisch eingeordnet. Und es wird aus autobiographischer Sicht eine spannende Familiengeschichte spannend erzählt.

    In dem Walther zwar verschweigt, aber dennoch unfreiwillig offen legt, daß ihm das Ganze contre ceur und wider seine betonfeste 68er-Ideologie geht, bestätigt er genau das, was er bis zur Nichtexistenz aktiv herunter zu negieren versucht. Deswegen ist hier dem Wunsch des Herrn Walther zu entsprechen und ich übernehme es gern, seine Chiffren in das Deutsch zu übersetzen, das für den Leser ausdrückt, was Walther wirklich meint.

    Tragisch-komisch: Wenn sich ein Buchrezensent statt mit dem Buch mit der in dem Buch beschriebenen Geschichte in einer so komplett scheiternden Weise befasst, dann hat er nicht nur das Thema verfehlt, sondern muss sich auch die Frage gefallen lassen, warum er sich nun auch noch an der Person der Autorin Bettina Röhl so abrackert. Auch hier klare Antwort: Er findet die Autorin super, hat aber offenbar Probleme mit sich selbst. Walther scheitert deswegen so total auszudrücken, was er eigentlich sagen will, weil die 68er-Apologeten, deren Problem eine krasse Gesichtsfeldverengung ist, unter radikaler Gefäßverengung leiden, wenn es um ihre Selbstreflexion geht. Das ist wirklich so extrem, daß sie zwanghaft allen anderen unterstellen in gleicher Weise zu leiden.

    Die historische Deutungshoheit endet bekanntlich in den Fängen der 68er und ihrer Nachläufer. Insofern offenbart diese Rezension meines Buches ein krasses Generationenproblem; Die Alten klammern und würgen, und verlieren jede Contenance, während die Jüngeren, und das sind in diesem Zusammenhang die bis 45.jährigen noch immer mit den Hufen scharren, in einem Alter, in dem die 68er die Macht schon lange übernommen hatten. Diese Rezension gibt also über ihr selbst gewähltes Thema hinaus einen begrüßenswerten Anlass über die Schieflage zwischen den Generationen nachzudenken.

    Die Jüngeren sollen die Rente der 68er zahlen, aber sollen über den teils heftigen und teils auch gesellschaftszerstörerischen Unsinn, der von ihnen zu alimentierenden Rentner auf keinen Fall ins Nachdenken geraten. Deswegen ist diese Rezension vor allem auch die Botschaft an alle nachfolgenden Generationen: Maul halten.

    Selbst vor Verleumdung schreckt Walther nicht zurück:

    1. präsentiert sich mein Buch nicht als "Enthüllungsbuch", wie Walther behauptet, sondern als Reportage und als analytischer Bericht.

    2. Gustav Heinemann und Johannes Rau werden, so steht es im Buch, nicht von der Autorin verdächtigt kommunistische Kontakte unterhalten zu haben, sondern dies geht von seriösen und mehrfach querbelegten Zeugenaussagen aus. Zu behaupten, ich verdächtigte jemanden, ist eine gezielte Desinformation.

    3. Wolfgang Kraushaar, der auf fast siebenhundert Seiten ein einziges Mal vorkommt, hat, wie sich dieser auch bestens erinnert, mir höchst förmlich erzählt, daß er von Plänen wußte, bezüglich eines Anschlages auf der Meinhof-Beerdigung in Berlin. Dies haben Kraushaar und auch andere nicht nur der Autorin erzählt. Wie ein Walther nun in der ZEIT nun dazu kommt zu schreiben, daß es keinen Hauch eines Beweises für die genannten Anschlagespläne gab, die im Übrigen wirklich bekanntes, historisches Wissen sind, ist deswegen grotesk. Und die polizeilichen Schutzmaßnahmen in Reaktion auf die drohenden Eruptionen aus der RAF-Sympathisantenszene seien laut Walther dann wohl den durchgeknallten Gehirnen im Hamburger Polizeipräsidium zu verdanken gewesen.

    Walther kopiert eine ganz alte Karikatur seiner selbst, nach dem ein klarer Blick auf die Zeit vor 68 nicht sein kann und nicht sein darf. Köstlich, wie diese 68er wie ein sich selbst anschaltendes Repetiergewehr auf alles ballern, von dem sie fürchten, dass es ihre Altersversorgung gefährden könnte.

    http://bettinaroehl.blogs...

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