Von wegen "Rückkehr der Religion": In ihrem Alltag offenbaren sich die Deutschen als ziemlich gottloses Volk. Nur noch etwa jede(r) Zehnte gehört einer neuen Studie zufolge zu den "Traditions-Christen", die an einen persönlichen Gott glauben, auf die Kraft des Gebets vertrauen und sich der Kirche eng verbunden fühlen. Die große Mehrheit dagegen sucht ihr Seelenheil nicht in einer religiösen Bindung, sondern im kleinen Kreis der Lieben. Familie, Freunde, persönliches Wohlergehen – das sind für die allermeisten die Garanten des Glücks.

Das Überraschendste an diesem Befund ist, dass er so wenig überraschend ist. Immer wieder zeigten Erhebungen, dass zwar pro forma zwei Drittel aller Bundesbürger den beiden großen christlichen Kirchen angehören, dass sie sich im Alltag jedoch wenig um Priester und Pastoren scheren. Man hätte nach dem vergangenen "Wir sind Papst"-Jahr, nach dem Besuch Benedikts XVI. beim Weltjugendtag in Köln und dem medialen Interesse an religiösen Themen erwarten können, dass dies auch auf die Einstellung der Deutschen abfärbt. Doch die neueste Erhebung, die von der Identity Foundation in Auftrag gegeben und im März dieses Jahres durchgeführt wurde, lässt davon nichts erkennen. Zwar gibt die Hälfte aller Befragten an, dass Deutschland "wieder mehr religiöse Werte" brauche. Rund 70 Prozent sprechen allerdings "selten" oder "gar nicht" im Familien- oder Freundeskreis über Glaubensfragen.

Damit erodiert gerade bei jungen Leuten die traditionelle Vermittlung christlicher Werte. Nur noch 6 Prozent aller Jugendlichen wurden in ihrer Familie "stark religiös" geprägt (während es bei den über 55-Jährigen noch mehr als doppelt so viele waren). Und verschwindende 0,2 Prozent aller Befragten geben an, bei "grundlegenden Lebensfragen" auf das Gebet zu vertrauen.

Statt auf Gottes Wort bauen die Bundesbürger in schwierigen Situationen lieber auf "Gespräche im engsten Familien- oder Freundeskreis" (62 Prozent), auf die "Gemeinschaft unter Gleichgesinnten" (20 Prozent) oder eine nicht näher definierte "Stille um mich herum" (30 Prozent). Selbst Ratgeberbücher und Literatur (8 Prozent) oder Filme (6 Prozent) stehen höher im Kurs als "Rituale und religiöse/spirituelle Übungen". Dazu nehmen in Krisenzeiten magere 2,7 Prozent Zuflucht.

Ein großes Bedürfnis nach Transzendenz lässt sich daraus kaum ablesen. Den meisten Deutschen scheint die Hoffnung zu genügen, das Seelenheil ließe sich im Kreise enger Vertrauter finden.

Glaube und Religion Warum und wie die Deutschen glauben

Dokument: "Spiritualität und Religiosität der Deutschen" GfK Marktforschung (0.4 Mb)

Dokument: Jeder siebte Deutsche ein "Spiritueller Sinnsucher" Pressemitteilung der Identity Foundation (0.2 Mb)

Dokument: Spiritualität in Deutschland" Präsentation der Identity Foundation (13 Mb)