China/Indien Zwei Länder, eine Mission

Die Aussicht auf Wohlstand und Weltgeltung eint Inder und Chinesen. Die bevölkerungsreichsten Nationen der Welt eifern einander nach. Wo bleibt da der Westen?

Mega Chawla ist Inderin und studiert an der besten Business-School ihres Landes in Bangalore. Sie hat gerade ein Referat über die chinesische Währung gehalten und träumt davon, in Shanghai zu arbeiten.

Sun Yuxi ist Chinese und Botschafter seines Landes in Neu-Delhi. Er träumt davon, den chinesischen Bauern die Freiheit zu geben, die Inder heute schon haben.

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Christoph Caselitz ist Deutscher und leitet die Mobile Netzwerktechnik beim Münchner Siemens-Konzern. Er besucht gerade den Weltkongress seiner Branche in Hongkong und träumt davon, durch seine indischen und chinesischen Mitarbeiter zum Weltmarktführer aufzusteigen.

Leonard Liu ist Amerikaner chinesischer Abstammung und baut im Rentneralter von 60 Jahren in Shanghai seine eigene Programmierfirma auf. Er träumt davon, das indische Software-Wunder in China zu wiederholen.

Vier Menschen, eine Vision: Chindia.

Chindia? Das klingt nach fernöstlicher Mystik, doch eine wachsende Zahl von Studenten und Forschern, Managern und politischen Strategen denkt die beiden größten Nationen zusammen. Für sie prägen China und Indien das 21. Jahrhundert, und sie erleben im Kleinen ein kraftvolles Phänomen: In einer Mischung aus Wettbewerb und Kooperation können sich die beiden größten und dynamischsten Nationen des Planeten gegenseitig stärken – und den Westen ökonomisch herausfordern. Chindia, das sind 35 Prozent der Weltbevölkerung und heute schon zwischen 10 und 20 Prozent des weltwirtschaftlichen Wachstums. Das ist die gegenseitige Neuentdeckung zweier alter Weltzivilisationen. Das ist die Adaption des Kapitalismus in zwei selbstbewussten Kulturen und der Versuch, ihn auf eigene Weise zu zähmen – im Namen von Buddha und Konfuzius.

Mega Chawla hat gerade das Lob ihres Direktors am Indian Institute of Management in Bangalore fürs China-Referat eingeheimst. Sie sitzt am Uni-Kiosk auf einem Plastikstuhl unter Palmen. Eine unternehmungslustige 23-Jährige in blauen Jeans und rotem T-Shirt. »Wissen Sie nicht, dass wir mit China auf der Wachstumshälfte der Welt leben, dass von uns keiner mehr in den Westen will?«, fragt die Elitestudentin. Sie war schon Praktikantin in New York bei der Investmentbank Goldman Sachs. Aber dort hätten die Analysten auch nur von China und Indien geredet. »Wir sind doch in Indien schon in vielen Bereichen so gut wie Sie im Westen«, sagt Mega Chawla. Früher hätte man die riesige Bevölkerung als Last empfunden. Jetzt sehe man in ihr das Jobwunder von morgen.

Ihre nächste Arbeitserfahrung will sie in Shanghai machen. Denn die Welt verändert sich vor ihren Augen, und sie möchte dabei sein. »Indien und China verstecken sich nicht mehr. Unsere Länder sind aufsteigende Mächte. Wir entscheiden selbst, wo es hingeht. Ich bin dagegen, dass wir den Westen imitieren.«

Bisher war stets China die aufsteigende Macht. Im Blick des Westens hat sich Indien nun dazugesellt. Sein Pro-Kopf-Einkommen ist nur halb so hoch wie das des Nachbarn im Nordosten, sein Armutsproblem doppelt so groß. Aber dafür machen seine Unternehmer von sich reden. Angeführt von den Gründern der Stahl-Gruppe Mittal und des Software-Riesen Wipro sind schon 23 Dollar-Milliardäre unter ihnen, deutlich mehr als in China. Ausländer sind an mehr als 1000 indischen Firmen beteiligt, Rekord für ein Schwellenland. Die Börse boomt und boomt, weil die Welt dort seit 2002 rund 30 Milliarden Dollar angelegt hat.

Während der Westen noch erschreckt angesichts der vielen Jobs, die entweder Chinas Industriebetriebe oder Indiens High-Tech-Dienstleister übernehmen, greifen die führenden asiatischen Konzerne längst im Westen ein. Bisher bestritten Chinesen die Schlagzeilen – ihr Computerunternehmen Lenovo kaufte IBM das PC-Geschäft ab, der Elektronikhersteller TCL übernahm die Fernsehsparte von Thompson aus Frankreich. In diesem Jahr erregt der indische Stahlmagnat Lakshmi Mittal Aufsehen mit seinem Übernahmeangebot für die paneuropäische Arcelor-Gruppe. Bei der Gelegenheit wird offenbar, dass die Inder auch in Deutschland auf Einkaufstour sind. Mittal ist schon heute der sechstgrößte Stahlproduzent des Landes. Die indische Reliance-Gruppe besitzt den Faser-Hersteller Trevira nahe Frankfurt am Main. Und der Mischkonzern Mahindra & Mahindra sucht unter mittelständischen deutschen Metallbetrieben nach geeigneten Kaufobjekten, wie sein Chef der Wirtschaftswoche anvertraute. Für ihn gilt dasselbe wie für die Kollegen: Geld ist kein Problem, die Investmentbanken stehen Schlange.

Leser-Kommentare
  1. Sicher hat kohlchristoph recht, denn die neueste Nummer des "Forbes" (17.4.06) verzeichnet unter den 2000 weltgroessten Firmen gerade mal 33 fuer Indien und 28 fuer China. Sie werden also selbst von Laendern wie Suedkorea (50) und Taiwan (41) bei weitem uebertroffen, von den 693 der USA gar nicht erst zu reden. Sollte sich etwa die enorme Bevoelkerungszahl mehr hindernd als foerderlich auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken?

  2. Ich muss kohlchristoph fuer seinen Kommentar Beifall zollen. Er spricht bereits viele wesentliche Punkte an, die mir ebenfalls beim Lesen des Artikels durch den Kopf gingen.

    Da ich nun seit ueber drei Jahren selbst in China lebe, denke ich, ein vages Bild ueber die wirtschaftliche Situation hier zu haben. Es ist richtig, dass die Volkswirtschaft hier waechst, auch in -- fuer europaeische Massstaebe -- astronomischen Geschwindigkeiten, allerdings ist nicht alles Gold, was glaenzt. Der sogenannte "grosse chinesische Markt" ist letztlich gar nicht so gross, da praktisch nur der Osten des Landes soweit entwickelt ist, dass er fuer westliche Unternehmen als Arbeits- oder gar Absatzmarkt ueberhaupt interessant ist. Der Markt ist also von der Groesse her mit der EU zu vergleichen.

    Es stimmt, dass in China sehr viele junge Menschen mit Universitaetsabschluessen in den Beruf starten. Aber ist Quantitaet auch gleich Qualitaet? Wie kommt es, dass eine studierte Betriebswirtin als Empfangsdame in einem Unternehmen arbeitet? (Bitte nicht als Arroganz meinerseits werten, aber nach meinem Verstaendnis beginnen Betriebswirte in Europa in anderen Positionen ihre Karriere). Oder, um es anders auszudruecken: Eine Mercedes S-Klasse baue ich nicht mit 10000 mittelpraechtig ausgebildeten Ingenieuren, sondern mit 100 hochkaraetig ausgebildeten Leuten. Nach meiner bisherigen Berufserfahrung in China fehlt es selbst Absolventen mit Masters Abschluss noch an vielem, was ein Europaeer fast schon selbstverstaendlich mit in den Job bringt. Die universitaere Ausbildung hat noch grosses Verbesserungspotential.

    Die Umweltverschmutzung in China ist, wie kohlchristoph schon richtig geschrieben hat, enorm. Sie stellt in der Tat ein grosses Problem dar. Beispiel: Chinesen essen i.d.R. sehr gerne Fisch. Dieser kommt jedoch zumeist aus stark belasteten Gewaessern. Von daher ist die Leberkrebsrate in China eine der hoechsten weltweit. Und es wird nicht besser.

    In einem Punkt muss ich allerdings widersprechen: Die Ein-Kind-Politik in China sorgt nicht dafuer, dass die Bevoelkerung vergreist. Zum einen laesst sich diese Politik praktisch nur in den entwickelten Gegenden (Staedten) verwirklichen (auf dem Land ist es kaum zu kontrollieren), zum anderen gibt es genuegend Ausnahmen, die z.B. auch zwei Kinder gestatten. Das Problem ist weniger demographisch zu sehen, als viel mehr aus sozialen Gesichtspunkten. Die Konzentration aller elterlichen Hoffnungen auf ein Kind belastet die Kinder hier sehr. Zum einen werden sie in einer Art und Weise behuetet, die sie vollkommen konfliktunfaehig macht, zum anderen unter Druck gesetzt, dass fuer eine ausgewogene Kindheit mit Spielen und Freizeit kaum Platz bleibt. Die Phantasie der Kinder ist oft voellig unterentwickelt. Grosse chinesische Entdecker und Erfinder hat es in den letzten 50 Jahren nicht gegeben und wird es nach meiner Einschaetzung auch in den naechsten 50 Jahren nicht geben.

    Womit ich bei der Wirtschaft waere... Man muss sich fragen, in welchen Bereichen die chinesische Industrie richtig stark ist. Die High-Tech-Betriebe lassen sich an maximal zwei Haenden abzaehlen. "China als Werkbank". Ja. Stimmt. Innovationen: Fehlanzeige. Hier wird extrem viel manuell gefertigt, montiert, geprueft. Wo in Deutschland eine Maschine mit zwei qualifizierten Mitarbeitern steht, ist in China ein Fliessband mit 10 (minder qualifizierten) Mitarbeitern. Das rechnet sich. Noch. China hat jedoch das Problem, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinandergeht. Moechte man das vermeiden, muss man zwangsweise das Lohnniveau heben. Wie lange das noch gut geht, bleibt abzuwarten. Aber irgendwann will auch "der kleine Mann" am Wohlstand der Nation teilhaben und nicht nur von aussen durch's Fenster schauen.

    Die sich aufbauenden sozialen Spannungen in diesem Land sowie auch die meiner Ansicht nach ungewisse wirtschaftliche Entwicklung (mehr Automatisierung in Zukunft, mehr High-Tech, oder mehr billige Arbeitskraefte?) machen dieses Land sicherlich spannend, aber Voraussagen, die ueber mehr als fuenf Jahre gehen, sind nicht mehr als Kaffeesatzleserei.

  3. Sicher führt die lineare Projektion aktueller Entwicklungen nicht immer zu einer verläßlichen Aussage für zukünftige Entwicklungen. So hat sich schließlich die Annahme in den 50-er Jahren, daß die Sowjetunion augrund militärischer Entwicklung, Energieverbrauch und Stahlproduktion den Westen abhängen wird, nicht bewahrheitet. Die wahren Bedürfnisse der Menschheit orientierten sich letztendlich am Konsum und deshalb hatte die militärische Rüstung in den 80-ern im Westen durch die Finanzierung durch die Konsumwirtschaft den besseren Rückhalt.

    Derzeit laufen die USA, durch immer höhere hegemoniale Ansprüche und die Verteidigung der Rohstoffvorkommen mit militärischen Mitteln Gefahr, wie seinerzeit die Sowjetunion, zu einem militärischen Dinosaurier zu verkommen. Andererseits scheinen Indien und China durch Industrieproduktion und Informationstechnologie auf das richtige Pferd zu setzen. Und angesichts der hohen Potentiale der internen Märkte wird sich daran in nächster Zeit auch nichts ändern.

    In der "alten Welt", womit man inzwischen Nordamerika und Westeuropa zusammenzählen kann, zeichnen sich in diesen Bereichen allerdings deutliche Sättigungstendenzen ab. Die Konsumgüterindustrie hat die wichtigsten Bedürfnisse weitgehend befriedigt und der Marketingaufwand für weitere Entwicklungen wird immer höher. Auf jeder Cebit werden neue Mobilfunkprodukte und die Integration von Computer- und Unterhaltugsindustrie gepriesen, der Markt scheint sich allerdings angesichts des Bedürfnisses, einfach nur mobil zu telephonieren und 50 verfügbaren Fernsehkanälen nicht mehr ganz so wie gewünscht zu interessieren.

    Angesichts von Reallohneinbußen weiter Teile der Bevölkerung katalysiert sich der Kreislauf, den reinen Ersatzbedarf durch Billigprodukte aus Asien zu decken.

    Der Bereich Informatisierung von Unternehmensprozessen ist hier ebenfalls weitgehend abgeschlossen, Wachstumsraten wie in den vergangenen beiden Jahrzehnten sind wohl nicht mehr zu erwarten.

    Wer letztlich in den nächsten 50 Jahren den Wirtschaftswettlauf gewinnen wird, wird derjenige sein, der die Herausforderungen der Zukunft am besten meistert. Und diese heißen eindeutig:

    Abkopplung der Wirtschaftsleistung von Rohstoffen und fossilen Energieträgern, angesichts des sich verschärfenden Verteilungswettkampfes.

    Sicherstellen der elementaren Grundlagen wie Trinkwasserversorgung und Schutz vor Naturkatastrophen.

    Erzielen einer echten Kreislaufwirtschaft, die das, was der Erde entnommen wird auch wieder angemessen zurückgibt

    Bekämpfung von Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Allergien, Bluthochdruck.

    Angesichts der Tendenz, daß Chinesen und Inder erst einmal die gleichen Umweltsünden wie Amerikaner und Europäer vor hundert Jahren begehen, sind die Ölemirate am Persischen Golf in ihrem Denken schon etwas weiter. Diese denken tatsächlich schon über eine Energieversorgung durch Solar-Wasserstoff-Farmen, Meerwasserentsalzung und Bepflanzung von Wüstengebieten nach.

    Wer heute noch ideologisch über Öko-Spinner spottet, wird u.U. morgen tatsächlich schon "verschrottet"...

  4. Der Artikel scheint mir doch auch ein wenig naiv. Natürlich haben beide Länder zurzeit die höchsten Wachstumsquoten und ein großes Potenzial. Wenn man die Werte hochrechnet, dann werden in zwei, drei Jahrzehnten diese Staaten auf gleicher Augenhöhe sein. Wenn! Allerdings sind solche Hochrechnungen recht schwierig, in den siebziger Jahren rechnete auch noch keiner mit dem PC oder dem Scheitern der UDSSR. Die Probleme werden vollkommen ausgeklammert: Sowohl China, als auch Indien sind Bauernstaaten und die Bauern nehmen am Aufschwung überhaupt nicht teil. Allein in China gibt es 750 Millionen Menschen auf dem Land, die nicht alle in die Städte ziehen werden. Das Kastensystem in Indien, v.a. auf dem Land, verhindert ebenfalls einen sozialen Aufstieg. Die sozialen Spannungen werden stark zunehmen. 2005 gab es über 10.000 Aufstände der Bauern (!!!), da dies in den heimischen Medien natürlich keine Rolle spielt, ist der Optimismus im Land entsprechend groß. Die Leute hören ja nur die guten Nachrichten. Vielleicht eine Lösung für Deutschland, dann würden die Menschen auch nicht so pessimistisch denken (nicht ganz ernst gemeint...). Desweiteren steht China auch vor einem demographischen Problem (ein-Kind-Politik), das Land wird vergreisen bevor es reich wird. Man darf nicht vergessen von welchem Level wir reden: BIP in China ca. 1200 Dollar und Indien 650. Nach der Def. der UN lebt man unterhalb der Armutsgrenze, wenn man weniger als 2 Dollar am Tag zur Verfügung hat, sprich ca. 730 Dollar / Jahr. Das mit solchen Zahlen hohe Wachstumsraten zu erzielen sind, ist jedem ersichtlich, hoffe ich...Und zu guter letzt: die Umwelt, wenn hier nicht gegengesteuert wird, werden sowohl China, als auch Indien hier hohe ökonomische Kosten zu bewältigen haben (verschmutztes Trinkwasser, Krankheiten, etc.). Potenzial ist da, aber die Kirche sollte man auch im Dorf lassen. Bis diese Länder die Lebensqualität Deutschlands erreicht haben (Demokratie in China?) wird es noch lange, sehr lange dauern...

  5. Danke, danke, danke für diesen längst überfälligen Artikel!!!

    Wo bleiben wir? Drei Antworten aus der jüngsten Vergangenheit - auch in dieser Zeitung zu finden:

    1. Wir diskutieren mit Kurt Beck über Steuererhöhungen
    2. Wir diskutieren mit Frau von der Leyen über Elterngeld
    3. Wir diskutieren mit Frau Allmendinger über Akademiker

    Nein, wir finden keine Antworten auf die Herausforderungen in Fernost. Ein Blick in deutsche Zeitungen genügt: provinziell, borniert, zukunftsblind.

    Die Globalisierung ist in den Köpfen der Menschen noch längst nicht angekommen. Am wenigsten in den Köpfen der Politiker. Anders sind die Diskussionsthemen unserer Tage nicht zu verstehen.

    Jede Schulklasse sollte verpflichtend zu einer Klassenfahrt nach Shanghai, Peking, Bombay, Neu Delhi ... geschickt werden. Jeder Lehrer sollte in den Ferien zu einem Aufenthalt in den blühenden Zentren des Fernen Ostens verpflichtet werden.

    Geographie- und Wirtschaftskundeunterricht nicht aus den verstaubten Büchern des vergangenen Jahrhunderts. Unterricht auf der Grundlage der Erfahrungen einer atemberaubenden Gegenwart.

    Das Ergebnis? Entweder Panik oder die Aufbruchstimmung, die wir brauchen.

    In jedem Fall die Erkenntnis, daß es nicht mehr so weitergehen kann und Deutschland schon lange nicht mehr der Nabel der Wohlstandswelt ist.

    korfstroem

    korfstroem

  6. Ein hervorragender, informativer Bericht mit vielen neuen Details. Chindia? Wohl doch vorerst noch nicht. Der letzte Krieg zwischen diesen beiden mit Atomwaffen ausgeruesteten Laendern liegt ja noch nicht lange zurueck. Immerhin mehren sich die Verbindungen. China plant eine Verlaengerung der Tibetbahn ueber die Himalajas bis nach Indien. Einstweilen sind die USA freilich noch der weitaus groesste Handelspartner Chinas wie auch Indiens. Der "Exportweltmeister" rangiert gar erst an 6. Stelle. Die beiden Nationen leben relativ isoliert voneinander. Nur wenige Inder leben in China, nur wenige Chinesen leben in Indien. Eines aber haben die beiden Laender gemeinsam: sie sind die beiden groessten Oelkunden Irans!

    • secura
    • 11.06.2011 um 17:54 Uhr

    Charles Kupchan stellt China als "Diktatur" dar und Indien als "Demokratie" und erklärt den grösseren Entwicklungserfolg Chinas mit dessen autoritären Strukturen.

    Indien ist natürlich keine Demokratie, weil zur Demokratie mehr gehört als ein Westminster-Parlament, z.B. eine gebildete Wählerschaft. China ist keine Ein-Mann-Diktatur wie Rußland unter Stalin oder Spanien unter Franco. Die chinesische KP kennt immerhin unterschiedliche Strömungen.

    Warum ist nun China tatsächlich erfolgreicher als Indien? Eine Grundvoraussetzung von Entwicklung ist die Abschaffung von feudalen Strukturen. Überall da, wo Großgrundbesitzer grosse Landflächen extensiv bewirtschaften und grosse Masssen von Menschen als Landlose oder kleine Landbesitzer vom Zugang zum Boden ausgeschlossen werden, liegt ein entscheidendes Entwicklungshemmnis vor.

    Die USA haben 1945 in Japan die Grossgrundbesitzer enteignet. Mao hat fast gleichzeitig das gleiche in China getan. Damit wurde der Grundstein für den Aufstieg Japans und Chinas gelegt. In Indien herrscht eine "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen": Feudale Strukturen pägen das Leben auf dem Lande, sogar "Schuldknechtschaft" hält Tausende gefangen, während Wissenschafler an moderner Software, Atombomben und Raketen arbeiten.

    Wenn China weniger autoritär wäre, wäre es nicht erfolgloser im Vergleich zu Indien, sondern noch erfolgreicher.

    Hans-Peter Oswald
    http://www.domainregistry.de

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