Energie Spezial Angst vor der zweiten Halbzeit
Die Welt ist süchtig nach Erdöl. Die Förderung nähert sich ihrem Maximum. Und dann?
Das Wattenmeer ist eine besondere Gegend. Kinderstube von Scholle und Hering, Zwischenstation des internationalen Vogelzuges, Lebensraum von Seehunden – und Lagerstätte von Kohlenwasserstoff. Von Erdöl, jenem Saft, der so kostbar ist wie nie zuvor. Mitten aus dem flachen Wattwasser ragt deshalb eine künstliche Insel auf, eine Fabrik, dazu bestimmt, den heimischen Vorrat anzuzapfen. Zwei- bis dreitausend Meter unter dem Grund der See lagert die schwarze Flüssigkeit, eingeschlossen in mikroskopisch feinen Poren einer Schicht aus Sandstein. Auf ein Gewicht von weit mehr als 100 Millionen Tonnen sollen es die unzähligen Tropfen bringen. Das Vorkommen namens Mittelplate sei »bedeutend«, ein »Ölfeld mit Zukunft« – und zwar das einzige in Deutschland, sagen RWE Dea und Wintershall, die Unternehmen mit der Lizenz zum Ölbohren. Wo Energie verbraucht wird, entsteht Wärme. Eine Infrarot-Kamera macht sie sichtbar. BILD
Zwei Autostunden östlich der Ölquelle, in Hamburgs öder City Nord, hat die RWE Dea Aktiengesellschaft, die Betriebsführerin des Konsortiums, ihre Zentrale. In der großzügigen Eingangshalle flimmert eine elektronische Schrifttafel. Sie zeigt den aktuellen Dax, den Kurs der RWE-Aktie und den Preis der Ölsorte Brent. Weit mehr als 60 Dollar kostet ein Fass à 159 Liter; RWE holt die Menge für weniger als ein Drittel aus dem Gestein unter dem Meeresgrund. »Für 15 bis 20 Dollar sind wir in der Lage, wirtschaftlich zu fördern«, sagt Thomas Rappuhn, Vorstandsmitglied des Unternehmens.
Das Wattenmeer – für RWE ist es ein Öldorado. Tatsächlich ist es insgesamt nicht mehr als ein Tröpfchen, was Deutschlands größte Quelle dazu beiträgt, Deutschlands Öldurst zu stillen. Mehr als 100 Millionen Tonnen verbrannten im vergangenen Jahr vor allem in Automotoren und Heizungen; aus Mittelplate kamen knapp 2,2 Millionen Tonnen. Und das ist schon erstaunlich genug. Denn nur modernste Technik erlaubt es überhaupt, Öl aus dem Wattenmeer zu fördern – und das bisher ohne Verschmutzung des sensiblen Ökosystems.
Vom sieben Kilometer entfernten schleswig-holsteinischen Festland aus und von der stählernen Kunstinsel im Wasser ist das Vorkommen erschlossen worden. Spezialisten lenkten den Bohrmeißel senkrecht und horizontal, trieben ihn durch den Büsumer Salzstock, um schließlich jene Gesteinsschicht zu erreichen, deren Minihohlräume den Schmierstoff der Moderne bergen. Mehr als neun Kilometer lang sind die ausgedehntesten Bohrungen, ein weltweiter Spitzenwert. Die Ölmänner im Wattenmeer sind an die Grenze des technisch Machbaren gegangen; auf natürliche Grenzen sind sie trotzdem gestoßen.
Als Mitte der achtziger Jahre die Förderung im Wattenmeer begann, war es noch Eigendruck, der das Öl zum Bohrloch und nach oben trieb. Doch diese Zeiten seien längst vorbei, sagt Uwe Rudolphi, der Fördermeister auf der Bohrinsel. Nun müssen Spezialpumpen den begehrten Saft zutage fördern. Schon länger lässt Rudolphi auch Wasser in das ölführende Gestein injizieren; es soll die Öltropfen in Richtung Bohrloch drücken. Kein Wunder, dass in Rudolphis Bohrkeller, dort, wo das Flüssige aus der Tiefe die Plattform erreicht, auch wieder Wasser ankommt. Selbst die beste Bohrung, A11, enthält bereits 30 Prozent davon. »Leider«, sagt Rudolphi – aber A11 sei immer noch besser als andere Bohrungen, denen Öl nur als »Fettauge« auf einer wässrigen Flüssigkeit entströme.
Trotzdem: 16 Millionen Tonnen Öl haben RWE Dea und Wintershall bereits gehoben, weitere 40 Millionen Tonnen sollen es noch werden. Nur zwei Kleinigkeiten trüben die schöne Aussicht: Trotz aller Raffinesse beim Bohren wird das meiste Öl bleiben, wo es ist, nämlich im Boden. Und die jährliche Förderung wird sinken, laut Produktionsprognose schon bald. Von 2008 an geht es bergab. Offen ist nur, wie schnell.
Das Schicksal, das Deutschlands vermeintlicher »Ölquelle mit Zukunft« bevorsteht, haben die Ölquellen anderer Länder schon hinter sich. Die argentinischen und die kolumbianischen, die ägyptischen und die tunesischen, die norwegischen, die britischen, die der USA und einer Reihe anderer Länder. Sie alle haben ihr Fördermaximum überschritten – und es ist nur eine Frage der Zeit, bis Peak Oil, so der neudeutsche Begriff für die unvermeidliche Zeitenwende, die weltweite Ölförderung ereilt. Erdöl, die weltweit wichtigste Energie, wird es zwar auch danach noch geben. Aber die jährliche Förderung, eine ganz neue Erfahrung, wird nicht mehr steigen, sondern sinken. Erdölgeologen behaupten, dass es so weit ist, wenn ungefähr die Hälfte der weltweiten Ölvorräte ausgebeutet ist: Depletion mid-point läutet den Anfang vom Ende der Öl-Ära ein.
Die Forschungsabteilung der Deutschen Bank, nicht bekannt für Alarmismus, widmete den »Energieperspektiven nach dem Ölzeitalter« schon eine eigene Untersuchung. »Die Zeichen mehren sich«, heißt es in der Studie, »dass bereits sehr viel früher als bisher erwartet mit einer physischen Verknappung bei Erdöl gerechnet werden muss.« Sehr viel früher? Bisher suggeriert die Ölreichweite, der Quotient aus Reserven und jährlicher Förderung, Versorgungssicherheit für rund 40 Jahre. Tatsächlich werde Öl bereits vorher »drastisch knapp«, heißt es in der Deutsche-Bank-Studie, tatsächlich seien schon vorher »Verteilungskämpfe« zu erwarten, »starke Preisreaktionen und volkswirtschaftliche Verwerfungen« inklusive. Die schönste Zeit der »Ölparty« sei vorüber, sagt Josef Auer, Autor der Studie.
Bisher folgte die weltweite Erdölproduktion nur einer Logik – der des Wachstums. Gerade einmal 20 Millionen Tonnen Öl wurden im Jahr 1900 aus dem Boden gepumpt. Mehr als zwei Milliarden waren es 1970, heute sind es mehr als vier Milliarden, und in 25 Jahren sollen es rund sechs Milliarden Tonnen Öl sein, wie die Internationale Energie Agentur (IEA) voller Zuversicht prognostiziert. Doch was, wenn die Auguren sich irren? Wenn sich jene bedrohlichen Trends verschärfen, die Beobachter des Ölmarktes, einschließlich des Pariser Think Tanks, längst registrieren?
Rund zwei Drittel der weltweiten Ölförderung entstammen nur 116 Riesenfeldern. Die meisten davon sind älter als 20 Jahre, die 14 größten Felder werden sogar schon seit mehr als 40 Jahren ausgebeutet. Die Produktion vieler dieser Felder sinke »mit wachsender Geschwindigkeit«, hieß es im World Energy Outlook 2002 der IEA.
Laut PFC Energy, einem Washingtoner Consulting-Unternehmen, fördern die Mitglieder des Opec-Kartells schon seit 1980 mehr Öl, als sie neu entdecken. In den nicht der Opec angehörenden Ländern ist das spätestens seit 1990 der Fall. Logischerweise müsse diesem Umstand ein »schwindendes Ölangebot« folgen, so PFC Energy.
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), eine dem Bundeswirtschaftsministerium nachgeordnete Behörde, hält immerhin die Frage für berechtigt, »wie lange Zuwächse im Erdölangebot noch mit den Marktbedürfnissen einhergehen können«. Das klingt zwar reichlich technisch, ist aber in Wirklichkeit alarmierend. Denn der in Hannover ansässigen Behörde schwant der Förderhöhepunkt bereits »in der zweiten Hälfte der kommenden Dekade«.
Peter Gerling kommt aus einer Gegend, deren Bewohner Autos mit dem Kennzeichen EL fahren, Emsland. Gerling buchstabiert das anders: Emirat Lingen. Früher, bevor die Quelle im Wattenmeer angezapft wurde, kam das meiste deutsche Öl aus diesem Landstrich. Gerling ist mit dem Öl aufgewachsen – und er ist dem Stoff treu geblieben. Heute ist er der Ölexperte der BGR.
Das Universum der Ölkenner teilt Gerling in drei Gruppen ein: in Pessimisten, in Optimisten und in Realisten.
Zur Gruppe der Pessimisten zählt Wolfgang Blendinger, Deutschlands einziger Professor für Erdölgeologie. Blendinger sagt, an die Berliner Regierung gerichtet und in Hinblick auf die weltweit maximal mögliche Ölförderung: »In dieser Legislaturperiode wird es ernst.« Blendingers Sorge teilt eine wachsende Gruppe von Erdölgeologen, die sich zur Association for the Study of Peak Oil zusammengeschlossen haben. Zu den Optimisten gehören die Vertreter der Ölwirtschaft, hierzulande vereint im Mineralölwirtschaftsverband. Es sei nicht zu erwarten, ließ der Verband kürzlich verlauten, »dass das Fördermaximum in den nächsten Jahrzehnten erreicht wird«. Zu den Realisten zählt Gerling, natürlich, sich selbst. Gut zehn Jahre gibt er dem Wachstum der Ölproduktion noch.
Erstaunlich, dass sich Experten über eine so fundamentale Frage derart uneinig sind. Bei genauerem Hinsehen leuchten indes die Gründe dafür ein: Nicht nur ist ungewiss, wie viel Öl noch zu finden ist; selbst die Menge der im Prinzip bekannten Ölvorräte ist umstritten. In der Branche, sagt Gerling, herrsche ein »Drang zur Geheimhaltung«, besonders die Daten der Staatsfirmen in den ölreichsten Nationen seien »intransparent«. Da obendrein jeder nach seiner Fasson Öl anders definiert – einmal mit und einmal ohne »unkonventionelle« Vorkommen –, ist der Spekulation Tür und Tor geöffnet. Zumal auch niemand weiß, in welchem Maß neue Fördertechnik in Zukunft die bessere Ausbeutung von Ölfeldern erlaubt. Bisher gelingt es nur, durchschnittlich 35 Prozent des in einer Lagerstätte vorhandenen Öls zu fördern.
Unstrittig ist, wie viel Öl bisher gefördert wurde: rund 140 Milliarden Tonnen. Doch schon der angeblich penibel definierte Begriff Ölreserve, jene Menge Öl, die mit heutiger Technik und zu heutigen Preisen rentabel zu fördern ist, sorgt für Verwirrung. Die Angaben schwanken zwischen 159 und 176 Milliarden Tonnen. Noch erstaunlicher ist, dass – trotz steigender Förderung und obwohl kaum größere Vorkommen neu entdeckt worden sind – die Ölreserven in den vergangenen 20 Jahren gestiegen sein sollen.
Tatsächlich entspricht nicht jeder statistisch erfassten Tonne zwangsläufig auch eine Tonne physischen Öls. So meldete eine Reihe von Opec-Ländern – Abu Dhabi, Iran, der Irak, Saudi-Arabien und Venezuela – Ende der 1980er Jahre zusätzliche Reserven in Höhe von insgesamt 36 Milliarden Tonnen, obwohl sie neues Öl in nennenswerten Mengen nicht gefunden hatten. Der Grund: Die Opec-Förderquoten werden in Abhängigkeit von den Reserven festgelegt – ein Anreiz, die Reservenangaben zu schönen. Gleichwohl, in der Ölstatistik schlägt sich das Tun der Ölpotentaten als Reservenerhöhung nieder. Sollten sie gemogelt haben, beliefen sich die Reserven auf bestenfalls noch 140 Milliarden Tonnen. Die Hälfte des bisher nachgewiesenen und förderbaren konventionellen Öls hätte die Menschheit also schon verbraucht.
Allerdings soll es noch viel mehr Öl geben – riesige Mengen, die mit besserer Technik aus schon bekannten Feldern zu pumpen sind oder aus bisher noch unbekannten Lagerstätten. Das US-Bundesamt für Geologie (USGS) beruhigte die Öffentlichkeit vor sechs Jahren mit der Nachricht, dass mehr als 300 Milliarden Tonnen des Rohstoffs nur darauf warten, von cleveren Ölmännern gehoben zu werden. Die Wahrscheinlichkeit, so viel Öl tatsächlich noch zu finden, geben die amerikanischen Geologen allerdings mit nur fünf Prozent an. Mit 95-prozentiger Sicherheit schrumpft die Menge dagegen auf nur 80 Milliarden Tonnen. Sogar Leslie B. Magoon, einer der Autoren der Ölprognose, prophezeit jenen einen »wilden Ritt«, die sich auf viel neues Öl verlassen, statt sich umgehend auf ungemütliche Zeiten vorzubereiten.
Selbst unkonventionelle Ölvorkommen sind vermutlich weit weniger ergiebig, als die Ölwirtschaft gern glauben macht. Ihr großer Hoffnungsträger ist vor allem der Ölsand, der in großen Mengen im kanadischen Boden lagert. Allerdings hat das zähe, mit Sand verklebte Gemisch mit herkömmlichem Öl fast nichts gemein. Vor allem taugt es nicht zur Benzinherstellung – es sei denn, es wird mit viel Wasserstoff angereichert. Wasserstoff wird aus Erdgas gewonnen. Kanada besitzt davon genau 0,9 Prozent der weltweiten Reserven.
Merkwürdig, während die Zahl jener wächst, die das Ende der Öl-Ära nahen sehen, predigt die Ölwirtschaft unverdrossen Optimismus. Das Schlüsselproblem der Branche sei nun wahrlich nicht die »Grenze der geologischen Ressourcen«, heißt es in einer viel beachteten Studie der IEA, die in den Schubladen sämtlicher Regierungszentralen liegt. Ihr Hauptautor, Christian Besson, steht hauptberuflich in Diensten von Schlumberger, dem weltweit größten Zulieferer der Öl- und Gasindustrie.
Rechnet die Branche sich ihre Zukunft etwa schön? »Schwätzt nicht, macht«, rät den Ölmanagern Wolfgang Blendinger, der Pessimist, der an der Hochschule in Clausthal Erdölgeologie lehrt.
Dass die Optimisten Recht hätten, würde er zu gern glauben, sagt Robert L. Hirsch. Er versicherte es neulich auch Abgeordneten des amerikanischen Repräsentantenhauses, den Mitgliedern des Unterausschusses für Energie und Luftqualität. Hirsch ließ sie aber auch wissen, die Risiken eines Irrtums lägen » beyond imagination« – jenseits menschlicher Vorstellungskraft.
Hirsch ist ein alter Hase im Energiegeschäft. In den 1970er Jahren leitete er das Fusionsenergieprogramm der US-Regierung, später stand er unter anderem in Diensten der Ölfirma Arco und war für den Think Tank RAND tätig. Heute ist er Energieberater von SAIC, einem Forschungskonzern mit weltweit mehr als 43000 Mitarbeitern.
Vor gut einem Jahr lieferte Hirsch dem US-Energieministerium einen Bericht über den bevorstehenden Höhepunkt der weltweiten Ölförderung ab. Seine Botschaft: Peak Oil markiert nicht einfach die nächste Energiekrise; es verursacht eine Megakrise. Irgendwann, »bald«, vielleicht in 20 Jahren, so genau weiß Hirsch das auch nicht. Er glaubt aber zu wissen, dass viel Zeit braucht, wer sie entschärfen will. 20 Jahre vorher sollten die Vorbereitungen schon starten, meint Hirsch.
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- Datum 20.04.2006 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 20.04.2006 Nr.17
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Den Fehlinformationen bezüglich einer schlechten, oder gar negativen Energiebilanz regenerativer Energiequellen muß ich hier entgegentreten.
Immer noch halten sich diese Märchen, die entweder aufgrund von Unkenntnis, Dummheit oder Absicht immer noch anzutreffen sind.
Hier gibt es eine umfangreiche Liste über die aktuellen Energiebilanzen:
[ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ]
Kaum jemand wird bestreiten, daß die Photovoltaik die zweifellos teuerste Methode der regenerativen Energiegewinnung ist. Zumal, da ca. 40-50% des Gesamtenergieverbrauches zum Heizen verwendet wird, was viel effizienter von Solarthermie bedient werden könnte.
cu
"Unzweifelhaft ist jedoch, dass es noch längst keine Alternative gibt. Der große Irrweg Photovoltaik vernichtet zwar zum Glück nur einen kleinen Teil der Energie (PV verschluckt 20 mal mehr Energie, als sie zurückliefert), weil zum Glück weltweit nur Wenige dem Irrtum unterliegen,
Solarenergie sei ein Ausweg,
Windkraft schafft man eben 1:1, produziert also knapp die Menge an Energie, die hineingesteckt worden ist (immerhin aber mit guten Aussichten, dieses Verhältnis zu verschieben),
auch die Umwandlung von Biomasse in flüssige oder gasförmige Energie verschlingt immer noch weit mehr Energie, als wieder nutzbar ist,
alle weiteren Spielereien dito.
(alles anhand der Preise kalkulierbar)."
Genau das wird in solchen Debaten von den Befürwortern gerne unterschlagen. Wir brauchen Alternativen zu Öl und Gas, gar keine Frage. Aber im Moment sind wir noch unglaublich weit davon entfert. Wenn eine Solarzelle mehr Energie kostet, als sie jemals wieder einbringen kann, und nur durch Subventionen wieder z.T. refinanziert wird, dann sehe ich da keinen Unterschied zu den Steinkohlesubventionen - beides ist ineffizient.
Besser wäre da schon das Subventitionsgeld in Forschung umzuleiten, um Technologien zu entwickeln, die wirklich das bringen, was sie sollen, nämlich Energie.
Leider ist das Thema ideologisch viel zu vermint, dass man hier eine ernsthafte Kosten-Nutzen Diskussion starten könnte.
Auch Sie träumen von der angeblich billigen Solarenergie?
Dann erklären Sie doch bitte, warum diese Energieform seit vielen Jahrzehnten hochsubventioniert werden muss - ohne dass ein Ende absehbar ist!
Die elt. Kilowattstunde aus einer Solaranlage kostet 1 Euro,
und zwar schon (fast) immer.
Vergleichbarer konventioneller Strom kostet nur 5 ct.
(Und, wohlgemerkt: Die Solaranlage wurde genau mit diesem billigen und umweltschädlichen Strom fabriziert!! Ergo: Die Umweltverschmutzung ist bei PV 20fach höher bereits geschehen, BEVOR die Anlage Strom produzieren kann!)
Die TU-Berlin lügt (ganz simpe+frech), wenn sie der PV eine positive Energiebilanz bescheingt:
Sie betrachtet nur den reinen Materialanteil einer Solarzelle,
nicht jedoch all die Energie, die zusätzlich investiert werden muss (Gebäude, Maschinen, Arbeit fff).
So ähnlich lügt auch die Atomindustrie, wenn sie behauptet, Atomkraft wäre sauber.
Tatsache ist:
In Photovoltaik wird in größerem Maßstab NUR noch da investiert, wo sie hochsubventioniert wird (also praktisch nur noch in Deutschland),
in ärmeren Staaten mit sehr viel Sonne (z.B. Afrika) wird PV als viel zu teuer NUR da eingesetzt, wo noch kein Großkraftwerk bzw. Leitungsnetz existiert.
Mit der PV-Subvention in Deutschland wird nicht die deutsche Industrie unterstützt, sondern PV-Fabriken in Südostasien.
Da werden PV-Zellen nämlich wegen billigerer Arbeit billiger produziert und hier verkauft.
Wie gesagt: ein Milliarden verschlingender technologischer Irrweg. Nicht ohne Grund von der Atomindustrie gesponsort.
Ich meine, der Ölpreis sei immernoch deutlich zu niedrig. Deshalb, weil ein grosser Teil der Bevölkerung zwar über die Preise meckert, aber nur wenig Änderung im Verhalten zeigt. Die Preise müssen weiter steigen, um eine Änderung im Verhalten zu bewirken, gleichzeitig werden Alternativen (außer den regenerativen leider auch kanadischer Ölsand) attraktiver, so dass sich die Diskussion um Subventionen erübrigt.
Meine persönlichen Eindrücke zum Verhalten:
1. Die Effizienzsteigerungen in den Automotoren werden vorwiegend in zusätzlichen PS umgesetzt und weniger in reduziertem Verbrauch. Die Industrie könnte auch sparsame Autos bauen, die sind aber anscheinend schwer abzusetzen.
2. Von sparsamer Fahrweise kann trotz gestiegener Benzinpreise kaum eine Rede sein. In einer Fahrstunde kann man beim ADAC lernen, wie man ohne Schleichfahrt über 15% sparen kann. Wird wenig nachgefragt und ist nicht im Pflichtprogramm der Führerscheinausbildung.
3. Strom wird in zentralen Anlagen erzeugt, dabei bleiben thermodynamisch unvermeidbar je nach Temperatur ein Grossteil (meist mehr als die Hälfte) der Energie als Abwärme übrig. Die werden zu oft einfach in die Luft geblasen.
Die Idee, Strom in vielen dezentralen Häuserkellern zu erzeugen und die Abwärme zur Heizung zu nutzen setzt sich gegen das Gezeter der Stromindustrie erst allmählich durch. Dabei ist Strom viel leichter zu transportieren als Fernwärme.
Auch wenns noch in der Zukunft liegt: Die Abwärme von PKW Motoren schiesst hinten durch den Auspuff. Stiege die Leistungsfähigkeit von Batterien bzw der Brennstoffzelle, könnte man die Autos elektrisch antreiben und durch Kraftwärmekopplung selbst diese Abwärme zum Heizen nutzen.
4. Ein Teil meiner Bekannten hat nichtmal Energiesparlampen montiert.
5. In fast jeden elektrischen Gerät sitzt der Schalter hinter dem Trafo, so dass der trotz Ausschalten weiter seine Blindleistung durch die Hysterese zieht. Völlig sinnlos, spart wenig bei der Herstellung und kostet viel im Betrieb. Der Käufer selektiert jedoch vorwiegend nach dem Anschaffungspreis, daher wenig Besserung in Sicht.
6. Kaum einer setzt Wärmepumpen ein. Dabei kann dieser umgekehrt laufende Motor aus einer Kilowattstunde mechanischer Energie ein Vielfaches and Wärmeenergie erzeugen, denn hier wirkt sich die Inneffizienz von Punkt #3 als Effizienz aus. Zudem braucht man warmes Abwasser nicht einfach ablaufen zu lassen, sondern könnte mit einer Wärmepumpe ihm vorher die Wärme entziehen.
7. Ein Grossteil meiner Bekannten ist nicht in der Lage, aus dem Stand seinen jährlichen Strom-, Wasser- und Ölverbrauch zu beziffern. So können sie schlecht Sparpotentiale entdecken.
Anstatt das gewaltige Potential der physikalisch möglichen Effizienz auszureizen, durch die man zum guten Teil sogar mehr als an Investition nötig einsparen könnte, verheddert sich die Diskussion lastig in Glaubenskriege um die beste Energieversorgung. Die eine beste wird es vermutlich nie geben, sondern eine Mischung von unterschiedlichen Technologien, bei der jede ihre Berechtigung hat.
Wären wir sparsamer, hätten wir bis zum Ausbrennen der konventionellen Quellen mehr Zeit, bei gleichzeitig reduzierten Kosten wegen reduzierter Kapazität. Wir könnten physikalisch und technisch deutlich sparsamer sein ohne unseren Lebensstil wesentlich zu ändern.
Kaum einer wirtschaftet an der Grenze des physikalisch und technisch Möglichen. Und deshalb sind die Preise auch heute noch deutlich zu billig. Obwohl mich die Steigerungen auch persönlich treffen freue ich mich auf das Ende der billigen Energie, denn sie ebnet endlich den Weg für intelligentere Lösungen auf breiter Front.
FR
Den Gedanken, dass die Verknappung des Öls eine wirtschaftliche Megakrise auslösen kann, halte ich für unbedingt richtig. Fast unser gesamter Wohlstand beruht auf der Automobilindustrie, die wie keine andere vom Erdöl abhängig ist. Es wäre einmal interessant herauszufinden, was passieren würde, wenn unsere Automobilindustrie zusammenbricht. Arbeitslosigkeit in zweistelliger Millionenhöhe, Staatsbankrott, soziale Verelendung usw. .
Die Gesellschaft sollte sich am besten schon jetzt Gedanken darüber machen, wie man ein Zusammenleben ohne grenzenlose Mobilität bewerkstelligt. Von den letzten 50 Jahren abgesehen ist die Menschheit in ihrer Geschichte bisher gut ohne Autos ausgekommen. Das automobile Zeitalter geht seinem Ende entgegen und das muss nicht unbedingt schlecht sein. Es kommt bloß darauf an, ob man es schafft, sich auf dieses Ende vorzubereiten.
Hallo
Genauso wie heute niemand mehr mit Kohle sein Wohnhaus heizt wird dies in 30 Jahren wohl keiner mehr mit Heizöl machen. Auch dies hätten unsere Eltern in den 60 Jahren wohl kaum erwartet.
Ob nun Öl und Gas nach 40 oder 80 Jahre zu ende geht ist unerheblich.
Wenn mann alles zurückführt geht alle Energie (ausgenommen Uran-Atom) auf die Sonne zurück, also kann es doch nur am sinnvollsten sein dies direkt zu nutzen.
Diese Diskussionen über Energierücklaufzeiten und Wirkungsgrade sind doch 2-rangig wenn keine andere Versorgung da ist, wird sich jeder über günstigen PV Strom freuen.
Es muss umgesteuert werden und zwar möglichst schnell.
Mfg Ralf Sparwel
Ich bin mir nicht sicher wohin das führen soll? Ich sagte bereits, das es völlig unmöglich ist, Erdöl UND Atomkraft durch Nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen und jetzt möchten Sie auch noch die Kohle ersetzen!
Bis die Fusionsreaktoren kommen, ist die Deutsche Volkswirtschaft schon längst Geschichte, und selbst wenn das doch schneller gehen sollte, wird die Erdöl-Lobby den Bau verhindern, ganz zu schweigen von der Frage ob wir das Geld für den Bau noch hätten. Ich muss Ihnen noch etwas sagen, die Wertschöpfung beim Erdöl findet zum großen Teil beim Deutschen Staat statt. Glauben Sie wirklich, unsere Politiker hätten ein Interesse sich diese Einnahmequelle kaputt zu machen? Nein, so gut wie alles, was getan wird, ist reine Augenwischerei. Ein bisschen Kernkraft wird durch ein bisschen weniger Nachwachsende Rohstoffe ersetzt. So etwas geht leicht und stört die Erdöl-Lobby natürlich auch gar nicht. Unter Rot-Grün sind die Erdölimporte gestiegen und nicht gefallen, obwohl eine Menge Geld in angebliche Alternativen gesteckt wurde. J.S.
JdotSdot, Sie haben folgendes geschrieben:
"JS:Ich bin mir nicht sicher wohin das führen soll? Ich sagte bereits, das es völlig unmöglich ist, Erdöl UND Atomkraft durch Nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen und jetzt möchten Sie auch noch die Kohle ersetzen!"
Der einzige Streitpunkt ist nicht ob, sondern wann wir diese Energiequellen ersetzen müssen. Das ist Fakt, alleine aufgrund der Endlichkeit fossiler und atomarer Energieträger.
Das dies nicht in den nächten 50 Jahren der Fall sein wird, ist imho unstrittig. Das bedeutet, daß wir auch 2050 noch Kraftwerke haben werden, die Kohle und Öl, aber vor allem Gas verfeuern.
Und im übrigen bin ich durchaus der Meinung, daß wir Atomenergie UND Erdöl durch regenerative Energie ersetzen könnten. Aber nicht innerhalb der nächsten 20 Jahre und nicht mit hier und da mal ein Bauernhof mit Biogas-Anlage. Dies erfordert deutliche Kraftanstrengungen.
Und wie ich schrieb, werden wir nicht unseren gesamten Energiebedarf aus Regenerativen Energien decken können, selbst wenn wir große Erfolge in Sachen Energiesparen feiern könnten.
Diese Lücke kann - und sollte - die Fusionsenergie decken.
Ferner haben Sie geschrieben:
"JS:Unter Rot-Grün sind die Erdölimporte gestiegen und nicht gefallen, obwohl eine Menge Geld in angebliche Alternativen gesteckt wurde."
Bei gestiegenem Gesamtenergieverbrauch ist das nicht verwunderlich.
Es ist auch nicht verwunderlich, da im selben Zeitraum andere Kraftwerke (KKW Stade, alte Stein - Braunkohlekraftwerke) vom Netz genommen wurden.
Es ist nicht verwunderlich, da das Gesamtverkehrsaufkommen steigt.
cu
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