Sozialdemokraten Vorwärts, wohin?
Der designierte SPD-Chef Kurt Beck gilt als provinziell – seine Partei ist es. Nun suchen beide nach einem neuen Anfang
Berlin
"Wir sind die Kraft der Erneuerung in Deutschland"
(Aus den Leitsätzen zum neuen Grundsatzprogramm der SPD)
Nun gut, Klappern gehört zum Handwerk. Sobald Parteien sich selbst darstellen, nehmen sie den Mund etwas voll. Und wenn sie in der öffentlichen Meinung gerade auf dem Abstieg in den Keller sind, pfeifen sie besonders laut. Also sollte man die oben zitierte programmatische Selbstauskunft der SPD, die bis vor sechs Monaten immerhin noch den Kanzler der Innovation gestellt hatte, nicht auf die Goldwaage legen, vielleicht auch deshalb, weil das Gegenprogramm – das gesammelte Schweigen der populären Kanzlerin – auch nicht von Originalität und Lösungskompetenz zeugt. Dröhnen oder Säuseln – gibt es keinen dritten Weg?
Am kommenden Montag wollen die Sozialdemokraten versuchen, in Berlin eine Route dazwischen zu finden. Es wird der erste Auftritt Kurt Becks, des Mainzer Regierungschefs, in seiner neuen Rolle als designierter Parteivorsitzender sein. Er will die Diskussion um das Grundsatzprogramm der SPD neu eröffnen, dazu Leitsätze vorlegen (die freilich längst formuliert wurden). Und dabei soll er, der neueste, aber auch letzte Hoffnungsträger, von dem vor wenigen Wochen noch keine Rede war, der SPD das Selbstbewusstsein und die Orientierung wiedergeben, die sie irgendwo auf der Strecke ihrer sieben Kanzlerjahre unter Gerhard Schröder verloren hat (wenn nicht schon lange davor).
Sie wollen also die Steuern erhöhen? Aha!
Anknüpfen will Beck, so hat er selbst angekündigt, an dem, was sein Vorgänger, der tragische Brandenburger Matthias Platzeck, begonnen habe. Er sei ja selbst Mitglied der Programmkommission gewesen, sagte Beck, da falle ihm das nicht schwer. Wenn er sich das nur nicht zu einfach vorstellt. Immerhin hat er sich einiges vorgenommen. Vor allem will Kurt Beck kein Übergangskandidat sein, vielmehr möchte er der Partei eine Phase der personellen Kontinuität bescheren, was bestimmt eine gute Idee ist. Dann wird er aber wohl ein wenig mehr anbieten müssen als die Verlesung eines Textes, den die hauptamtlichen Programmautoren und Redenschreiber dem wackeren, aber ausgebrannten Platzeck vorbereitet hatten. Altes neu sagen – das ist schwierig, und womöglich reicht es auch nicht. Und das Praktische, was Becks Stärke ist, theoretisch so einzukleiden und abzusichern, dass es nicht gleich zerredet wird, ist mindestens so mühsam.
Und gefährlich obendrein. Das hat Kurt Beck gerade erlebt. Eine kleine Interviewbemerkung im Spiegel über den Finanzbedarf des aktiven Staates, der Strukturinvestitionen plant, schon öffnet sich die älteste aller Fallen, mit der man seit Beginn der Neuzeit Sozis fängt: »Sie wollen also Steuern erhöhen?« Aha! Viele Antworten hätte der Pfälzer darauf geben können, ohne sich dem vertrauten Verdacht auszusetzen, den Sozialdemokraten falle nichts Besseres ein, als wieder einmal den gut verdienenden Mittelstand zu plündern. Aber da war es ihm schon passiert, er verhaspelte sich mit dem Hinweis auf die dreiprozentige Mehrwertsteuererhöhung, die ja »schon beschlossen« sei, als wäre das an sich ein schlagendes Argument, und schon war er in der Defensive, erklärte, was mit »vorsorgendem Sozialstaat« keineswegs gemeint sei, nämlich, herrje!, das alte Schreckgespenst Umverteilung. Und als müsse er sich als Sozialdemokrat dafür entschuldigen, dass seine Partei einen »starken Staat« wolle, versicherte er, dass er die »Leitsätze« für die Grundsatzdebatte »noch überarbeiten« werde, womit er, der Leutselige aus der Mitte, vermutlich eine beruhigende Grundbotschaft transportieren wollte: Fürchtet euch nicht. Wie man sieht, sind Grundsatzfragen also keineswegs ungefährlich. Wer nicht aufpasst, kommt ins Stolpern.
Kurt Beck ist allerdings, bei allem Sinn fürs Praktische und Konkrete, kein Feind der Theorie. Antiintellektuelle Affekte, die man anderen führenden Sozialdemokraten gelegentlich nachsagt, manchen nicht zu Unrecht, fallen bei ihm nicht ins Gewicht. Er trifft sich mehrmals im Jahr mit Sozial- und Politikwissenschaftlern, der Mainzer Wissenschaftsminister gehört zu seinem engeren Beraterkreis, und aus dem politikwissenschaftlichen Diskurs hat er sich das Konzept der »Bürgergesellschaft« angeeignet. Auch hier bleibt er Praktiker: Der Debatte über das Neben- und Miteinander vom Engagement der Bürger und der Tätigkeit des Staates nähert er sich, ähnlich wie der sozialdemokratische Schnelldenker Peer Steinbrück, über das Vereinswesen und die Ehrenämter.
Vom Schröder/Blair-Papier hat sich die SPD bis heute nicht erholt
Einer der Wissenschaftler aus dem Beraterumfeld der SPD zieht hier einen kritischen Vergleich zu dem Interesse, das Gerhard Schröder – auch er umgeben von zeitgenössischen Dichtern und Denkern – als Kanzler zeitweilig für das Konzept der »Zivilgesellschaft« gehegt hatte: »Das war konjunkturell und reichte für eine Rede und einen Aufsatz«, den seinerzeit übrigens Schröders intellektuelle Edelfeder, der früh verstorbene Reinhard Hesse, verfasste. Bei Beck sei das Interesse anhaltend. »Bürgergesellschaft ist für ihn der politische Alltag«, da, wo der »starke Staat« auf dem Miteinander beruht. Im Optimalfall.
Die Grundsatzdebatte braucht aber mehr als das Vertraute und Lokale. Unverzichtbar wird für die SPD bei dem neuen Anlauf zu einem modernen Grundsatzprogramm die Verknüpfung mit der europäischen Debatte sein. Kurt Beck, dessen Thema das bisher nicht war, hat seit seiner Nominierung als Platzeck-Nachfolger mehrfach auf das Netz der europäischen Sozialdemokratie hingewiesen. Ob er gemerkt hat, wie provinziell seine Partei im Lauf der Jahre geworden ist? Von der SPD gehen seit langem international keine Impulse mehr aus, wie viel Impulse sie selbst aufnimmt, ist ungewiss. Der Kreis derer, die sich an Diskussionen außerhalb des Landes beteiligen, ist klein. Seit Willy Brandt verfügte kein Parteivorsitzender mehr über nennenswertes außenpolitisches Profil, Rudolf Scharping war keine Ausnahme, obwohl er Vorsitzender der europäischen SP war. Die Vorsitzenden Schröder und Müntefering hatten die internationale Dimension ihrer Position schlichtweg ignoriert. So wurde die SPD, gemessen an dem Engagement anderer Parteien des Kontinents, regelrecht hausbacken, versammelt um den eigenen Rathausturm.
- Datum 20.04.2006 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 20.04.2006 Nr.17
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Was man bisher von Beck hört ist leider weder neu noch originell sondern das alte "Robin Hood Prinzip" der SPD. Nur sind der Mittelstand und die arbeitende Bevölkerung - also diejenigen von denen es etwas bringt sie zu schröpfen - schon ausgepowert. Auch ein Herr Beck wird nicht darum herumkommen die Leistungen des Staates zu kürzen.
Karl Marx war ein vorzüglicher Analyst, aber er unterschätzte die Fähigkeit des Kapitalismus, sich zu verändern, als er dessen Untergang voraussagte. Die Marktwirtschaft wird sich vor allem in Deutschland - um den Preis ihres eigenen Unterganges - an die Gegebenheiten der Globalisierung anpassen müssen, denn sie lebt von Gewinnen und nicht von Steuern wie der Staat. Es gehört zu den bitteren Wahrheiten vor allem für die SPD, dass die Zeiten der Verteilung von Geschenken und ordnungspolitischen Gesellschaftsanpassungen vorbei ist. Die Zukunft der SPD liegt darin, die gesellschaftlichen Realität so auszugestalten, dass die Mehrheit der Menschen ein besseres Leben führen kann. Und dies bedeutet Reform des Arbeitsmarktes, Reform des Gesundheitssystems, Reform des Rentensystems hin zu mehr Einzelverantwortung des Bürgers.
die spd hat einen großen fehler gemacht.
die staatsverschuldung. der beck hat sie in seiner regierungszeit in RLP verdoppelt.
der Haushalt ist nicht verfassungsgemäß und nicht nachhaltig.
ehrlichkeit zum wähler und mit dem geld der bürger auskommen
stattdessen in die Tasche gelogen und das geld der kinder für wählerstimmen der alten verjuchst.
dazu noch den besitzlosen und das sind knapp 50% imn diesem land die in ihrer bilanz nur auf wenige tausend euro vermögen kommen, ihr Gemeinschaftsvermögen genommen, über die privatisierung für die Zinsen der Staatsschulden.
dekadenter gehts nimmer.
wer unter www.staatsverschuldung.de schaut sieht die verwerflichkeit dieser Verschuldung.
zuerst nicht die Steuern zahlen für die dinge die sich politiker und wähler wünschen.
wer leiht ? die geld haben und diese steuern eigentlich zahlen sollten.
nun werden zins und zinseszins kassiert.
und dann privatisiert um zinsen zu zahlen.
1250 milliarden euro echte kredite, 1300 milliarden zinsen
und durch zinseszins jetzt 1450 Milliarden schulden, die zu weiteren zinsen und zur zusatzrente von zur zeit 70 Milliarden Euro für die Geldgeber werden.
legale enteignung von 50% der bevölkerung ist die folge und mit steigender staatsverschuldung werden immer mehr defakto vermögenslos und das vermögen konzentriert sich immer mehr auf ackermann und co.
wie will der schuldenmacher Beck mit moralischer Autorität wirken, der zusammen mit seinen kollegen aus SPD und CDU das Volk systematisch zum wohl der "konjunktur" enteignet ?
70000 Euro pro kind ist das paket. Wer also seinen kindern nicht mindestens diesen Betrag vererben kann, hat seine eigenen Kinder bestohlen.
nicht jeder realisiert wie ich mit Fakten die Dekadenz und Unredlichkeit der großen Parteien. Im Gefühl wird dies im Volk voll wiedergespiegelt.
Dies hat Beck realisiert, seine Politik und die Lügen der Vergangenheit will er jedoch nicht revidieren.
Lieber soll der Arme und Arbeitslose des Jahres 2030 betteln, bevor im fetten Wählerkaufsozialstaat sich etwas ändert.
Wer in Montabaur, Rheinland-Pfalz lebt, wundert sich dass wir ein Beispiel werden könnten.
Warum guckt Deutschland fast immer nach unten ?
Warum ist der Kleinste Nenner der " Patrioten " unser Grenze.
SO GEHT ES NICHT WEITER.
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