Fussball »Ich stehe allein da«

Er beherrscht den Weltfußball und polarisiert wie kein Zweiter. Fifa-Chef Joseph Blatter über seine Herrschaftsmethoden und den Ärger der Fans

DIE ZEIT:Herr Blatter , sobald Sie ein deutsches Fußballstadion betreten, werden Sie ausgepfiffen. Wie fühlt sich das an, allein gegen 60.000?

Joseph Blatter: Angenehm ist es nicht. Das Motto der Weltmeisterschaft in Deutschland lautet ja: »Die Welt zu Gast bei Freunden«. Und ausgerechnet die Nummer eins der Fußballwelt wird unfreundlich behandelt.

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ZEIT: Die Deutschen sind schlechte Gastgeber?

Blatter: Nein. Es pfeifen ja auch nicht alle 60000 Menschen im Stadion. Die Fans, die pfeifen, sehen nur das Feindbild Blatter, das seit Jahren von den Medien aufgebaut wurde. Da ist es nur logisch, dass sie auf diese Weise reagieren. Ich kann nur versuchen, den Leuten klar zu machen, dass ich nicht der Buhmann bin.

ZEIT: Sie gelten als letzter Diktator Europas…

Blatter: …das ist mir neu.

ZEIT: …weil Sie den Weltfußballverband vom Stammsitz Zürich aus wie ein Alleinherrscher führen. Karl-Heinz Rummenigge, der Präsident des FC Bayern München hat das vor kurzem so zusammengefasst: Blatter dient dem Fußball nicht, aber der Fußball dient Blatter.

Blatter: Es verletzt mich, wenn ein Fußballer, den ich sehr gut kenne, so etwas sagt. Er sollte es besser wissen. Die Fifa hat 207 Mitgliedsländer, mehr als die Vereinten Nationen, und jeder Landesverband vertritt seine eigene Meinung. Da gibt es keine allgemein gültige Doktrin. Es ist doch vielmehr so: Der Präsident der Fifa wird von der Generalversammlung gewählt, die anderen Mitglieder des Exekutivkomitees – meiner Regierung, wenn Sie wollen – werden aber von den verschiedenen Konföderationen gewählt. Die vertreten ihre Meinung, und ich stehe allein da. Da muss man ab und zu eine Entscheidung treffen. Soll das diktatorisch sein?

ZEIT: Am Ende setzt sich Ihre Meinung durch.

Blatter: Nicht immer, aber meine Meinung setzt sich durch, wenn es um etwas Wesentliches geht. An der Spitze muss eben jemand stehen, der ja sagt oder nein.

Leser-Kommentare
  1. Die FIFA füllt ein Machtvakuum, welches sich durch den organisierten Fussballsport entwickelt hat. Herr Blatter hat es perfekt verstanden, dieses Machtvakuum auszunutzen und auszuweiten. Da demokratische Staaten kein Monopol auf Sportorganisationen festgelegt haben, konnte sich dies entwickeln, bis letztendlich auch nicht-demokratische Staaten, welche Monopolstellungen ausüben könnten, ein Interesse haben, sich dem Monopol der FIFA anzuschliessen.

    Soweit zur Situation. Was neu ist, ist die Ausweitung auf demokratische Monopolstellungen, wie das Finanz- und Gewaltmonopol. Dass ein demokratischer Staat wie Deutschland an die FIFA das Recht auf Steuern abtritt und gleichzeitig Schutzleistungen für private Zwecke auf eigene Kosten liefert, ist aus einer Gesellschaftssicht kaum zu akzeptieren.

    Die FIFA geriert sich wie ein Staat ("Präsident", "Regierung", "Fussballvolk" etc.) und möchte alle Rechte eines Staates annehmen, ohne jedoch die Pflichten zu übernehmen. Würden Sie dies tun, so müsste es bspw. ein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und der FIFA geben, was völkerrechtlich unsinnig ist.

    Hierbei zieht sich die FIFA i.a. auf den Standpunkt zurück, dass Deutschland nicht hätte anbieten müssen - und hier liegt genau der Knackpunkt. Durch die Bewerbung für die "FIFA World-Cup 2006 (C)&(TM)" legitmierte Deutschland quasi die Beziehung zur FIFA, weswegen sich ein Wehklagen ex post lächerlich ausmacht.

    Folglich bleibt die offene Frage des Rechtsstatus der FIFA zu klären. Die FIFA - ähnlich wie das IOC oder UEFA - hat neue Türen aufgestossen, welche mit einem herkömmlichen Rechts- und Staatsverständnis nur unzureichend begriffen werden können. Es muss die Aufgabe eines Staates oder Staatengemeinschaft, wie beispielsweise der EU sein, sich der Frage zu stellen, ob sie der FIFA und ihrem Vereinsvorsitzenden ein derartiges Machtvolumen zugestehen möchte.

    Mir scheint, dass es nicht jedem deutschen Staatsbürger recht ist, in einem Land zu leben, welches seine Besucher an der Grenze mit FIFA-Logo und Copyright-Zeichen begrüsst. Es ist Zeit einer solchen ausserstaatlichen Machtposition Grenzen zu setzen.

  2. Wie gross muss die Stortbegeisterung der Deutschen Männer gehen, das sie sich von der FIFA "einen Ring in die Nase" machen lassen? Und dafür auch noch ein Vermögen pro Karte ausgeben.

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    Verdient "Blatter" gleichzeitig auch noch an den dann vernachlässigten Frauen? Lt. Artikel (Spiegel) werden die dt. Frauen grossformatig umworden, in dieser Zeit Wellnessurlaub in der lieben Schweiz zu machen. Geworben wird mit abenteuerlustigen halbnackten jungen Männern in Verführerpose. Ein Fake?

    Die Herde mit dem Ring in der Nase befindet sich dann zur gewünschen Zeit fälschungssicher identifiziert im heimischen Stadium.

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