Essay

Im Zweifel für den Krieg

Demokratien, glauben viele Demokraten, seien besonders friedlich. Das Gegenteil ist richtig – Amerikas Krieg gegen den Irak ist nur ein Beispiel

Eine Angst geht um unter den Diktatoren dieser Welt: die Angst vor der »demokratischen Intervention«. Serbien, Afghanistan und Irak– in allen drei Ländern haben menschenverachtende Despoten ihre Macht verloren. Regimewechsel wurden eingeleitet. Das Ziel ist die Demokratie. Noch ist sie in keinem dieser Länder etabliert, und schon droht die einzig verbliebene Supermacht mit weiteren Interventionen: Iran soll die Möglichkeit verwehrt werden, Atomwaffen zu bauen, Syrien von der Unterdrückung Assads befreit werden. »Wir wollen die historische Aufgabe der Demokratie in Afghanistan und im Irak vollenden, damit diese Nationen den Weg für andere erleuchten können«, kündigte US-Präsident George W. Bush vor zwei Jahren in seiner Rede zur Lage der Nation an.

Zinnsoldaten

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Hinter diesen Worten steht eine von Präsidentenberatern wie Paul Wolfowitz und Richard Perle entwickelte Dominotheorie. Wandele sich der Irak zur Demokratie, dann infiziere er die ihn umgebenden Autokratien mit dem demokratischen Bazillus, und der Nahe und der Mittlere Osten würden zu einer Region der Demokratie und des Friedens werden. Auch ein Regimewechsel in Iran würde demnach dem ins Stocken geratenen Dominospiel neue Dynamik verleihen. Interventionsszenarien gegenüber Teheran zeigen, dass die Misserfolge im Irak Amerikas Demokratisierungsoptimismus kaum gedämpft haben.

Wie realistisch ist eine solche missionarische Erwartung? Was wissen wir überhaupt über den Zusammenhang von Krieg und Demokratie? Zunächst einmal dies: Demokratien führen keineswegs weniger Kriege als Diktaturen, und häufig sind sie die Angreifer. Der norwegische Friedensforscher Johan Galtung hat Demokratien sogar als besonders »selbstgerecht« und »kriegerisch« bezeichnet. Noch nie hat eine demokratische Macht Galtungs Vorwurf auffallender beglaubigt als die USA unter George W.Bush.

Allerdings: Die Kantsche These, dass Demokratien nicht gegen Demokratien zu Felde ziehen, hat sich als außerordentlich robust erwiesen. Das Argument, dies sei alles nur ein Artefakt der bipolaren Ost-West-Konfrontation, ließ sich nach 1989 nicht mehr halten. Grundsätzlich gilt: Kriege zwischen Demokratien sind nicht mit deren grundlegenden Wertmustern vereinbar. Außerdem verfügen Demokratien – anders als autokratische Regime – über mehr institutionelle Kontrollen und höhere prozedurale Hürden vor dem Kriegseintritt. Beide Argumente liefern eine belastbare Begründung für Kants Diktum. Wir alle kennen die spektakulären Demokratisierungserfolge nach dem Zweiten Weltkrieg. Die mörderischen Diktaturen des totalitären Nationalsozialismus und der Militärs in Japan haben sich nach der Kriegsniederlage rasch zu stabilen Demokratien gewandelt. Dies gilt auch für das faschistische Regime Mussolinis. Das Ende der griechischen Obristen 1974 nach dem Zypern-Abenteuer und die Niederlage der argentinischen Generäle im Falkland-Krieg bestätigen die These, dass Kriege häufig Geburtshelfer für Demokratien sind. Gegenbeispiele finden sich freilich auch: Panama 1989, Haiti 1994, Bosnien 1995. Im Kosovo, in Afghanistan und im Irak ist die Demokratiefrage noch längst nicht entschieden.

Dennoch zeigen statistische Analysen, dass von Demokratien geführte Kriege zu einem positiven Ausschlag auf der Autokratie-Demokratie-Skala führen. Dies erklärt sich so: Demokratien gewinnen ihre Kriege häufig. Diktaturen hingegen verlieren sie meist und werden durch Niederlagen häufig destabilisiert und in einen demokratischen Regimewechsel getrieben. Außerdem: Verlieren Demokratien einen Krieg, dann tauschen sie nur ihre Regierungen aus, wechseln aber nicht den Charakter ihres Regimes. Berücksichtigt man zudem, dass Demokratien untereinander keine Kriege führen, löst sich auch das scheinbare Paradox auf, dass eine anfängliche Ausweitung der Kriege mittelfristig zu deren Rückgang führt.

Dies ist allerdings kein Argument für die Weltsicht der kriegswilligen Neokonservativen Nordamerikas. Denn sieht man sich die Demokratisierungsfortschritte nach kriegerischen Konflikten näher an, führen sie in den seltensten Fällen zu stabilen Demokratien wie in Japan, Italien und Deutschland. Zwar entledigen sich viele der Nachkriegsordnungen ihres offen diktatorischen Charakters, bleiben aber meist ein Zwitter zwischen Demokratie und Autokratie. Dieser Unterschied entscheidet nicht selten über Krieg und Frieden. Die Forschung zeigt, dass instabile hybride Regime, die ihren autoritären Charakter mit etwas demokratischem Zierrat verschleiern, mit einer 60Prozent höheren Wahrscheinlichkeit in Kriege verwickelt werden als Demokratien – und auch Diktaturen. Die zentrale Aussage von Kants »demokratischem Frieden« muss also präzisiert werden: Es sind reife Demokratien, die nicht gegeneinander in den Krieg ziehen. Regime, die sich im Wandel befinden, sind dagegen besonders häufig Objekt und Subjekt kriegerischer Auseinandersetzungen.

Dies hat Konsequenzen. Zum einen wären Interventionen, die nur darauf zielen, die Diktatoren zu stürzen, weder für die Demokratie noch für den Frieden vielversprechend. Im Gegenteil: Hybride Regime wie Russland oder Iran erhöhen die Kriegsgefahr nach innen wie nach außen. Dies gilt gerade für multiethnisch und religiös gespaltene Gesellschaften. Deshalb sollten die demokratischen Interventionsmächte auch nach dem Sturz der Diktatur die neue politische Ordnung so lange stützen, bis sie ihren fragilen Zustand verlassen hat. Zum anderen wissen wir, dass die durchschnittliche Lebensdauer regional isolierter Demokratien deutlich geringer ist als in der Nachbarschaft stabiler Demokratien. Die Chancen, mit dem Irak ein leuchtendes Demokratievorbild in einer tief autokratischen Region zu etablieren und andere Autokratien zum Einsturz zu bringen, stehen demnach schlecht.

Damit ist jedoch die Frage keineswegs erledigt, ob demokratische Interventionen gerechtfertigt werden können und politisch klug sind. Die Legitimationsbedingungen sind aber anspruchsvoller. Kriege mit dem alleinigen Ziel, demokratische Verhältnisse herzustellen, sind nicht zu rechtfertigen. Wer wäre denn im Ernst darauf verfallen, 1970 in der Schweiz einzumarschieren, um dort den Frauen endlich zum Wahlrecht zu verhelfen? Wer könnte denn eine bewaffnete Intervention gegen das wohl geordnete autoritäre Regime in Singapur befürworten? Selbst gegen die rassistischen Regime Südafrikas und Rhodesiens stand eine Intervention nie zur Debatte. Demokratische Interventionen können nur dann Legitimität reklamieren, wenn sie als Abschluss humanitärer Interventionen dienen.

Massaker, ethnische Säuberungen, Staatsterrorismus – ob im früheren Jugoslawien, im Kaukasus, im Nahen Osten oder in Afrika – begründen eine moralische Pflicht zur bewaffneten Intervention. Dies ist eine der Grundaussagen der modernen Theorie gerechter Kriege. Die Zurückhaltung gegenüber humanitären Interventionen ist in der politischen Ethik geringer als im internationalen Recht, da Erstere die äußere Souveränität der Staaten unauflöslich an die innere Legitimation des Staates bindet. Nur ein Staat, der nicht zum hostis populi, zum Volksfeind, geworden ist und daher eine ausreichende innere Legitimation hat, kann auch nach außen volle Souveränität für sich reklamieren. Aus dieser Abhängigkeit ergibt sich ein Vorrang des Menschenrechts auf Leben vor dem Rechtsgut der staatlichen Souveränität. Im Falle von flächendeckenden Verbrechen gegen die Menschlichkeit gelangt die Güterabwägung zwischen staatlicher Souveränität und dem Schutz vor Genoziden zu einem eindeutigen Schluss: im Zweifel für die Intervention. Dies ziehen mittlerweile nur noch hartgesottene Positivisten des Völkerrechts in Zweifel.

Nun sind humanitäre Interventionen, vom UN-Sicherheitsrat mandatiert, natürlich vorzuziehen. Was ist aber, wenn sich keine multilaterale Lösung eröffnet? Was, wenn Frankreich nur symbolisch Truppenfragmente nach Ruanda schickt? Was, wenn sich die Westeuropäer zur Beendigung ethnischer Massaker nicht auf ein Eingreifen in Exjugoslawien entschließen können? Was, wenn das menschenrechtsverletzende Mitglied des Sicherheitsrats, die Volksrepublik China, ihr Veto einlegt? Was, wenn UN-Truppen die Deportation und anschließende Exekution von 6000 Männern, Frauen und Kindern aus nächster Nähe in Srebrenica beobachten, aber nicht verhindern? Derjenige, der nicht eingreift, wird sich die Hände schmutzig machen, gleichgültig, ob er aus politischem Kalkül, zynischem Desinteresse oder gesinnungspazifistischer Abstinenz nicht handelt.

Humanitäre Interventionen verlangen nach einem anderen Ende als Verteidigungskriege. Das ius ad bellum muss enger an das ius post bellum gebunden werden. Dies hat Folgen. Zumal für die Pflichten derer, die intervenieren, aber auch für die internationale Gemeinschaft. Denn das Recht zum Kriege, nämlich die Unterbindung schwerster Verbrechen gegen die Menschlichkeit, bedarf zu seiner vollen Rechtfertigung der Ergänzung durch das Recht nach dem Kriege. Die Menschenrechtsverletzungen, die allein den Krieg rechtfertigten, müssen auch nach dem Krieg verhindert werden. Dies geschieht am besten, wenn Rechtsstaat und Demokratie etabliert werden. Humanitäre Interventionen müssen mit demokratischen Interventionen ergänzt und damit zu ihrem erfolgreichen Ende gebracht werden.

Diese Maxime wird durch das geltende Völkerrecht nicht gedeckt. Der Eingriff in die staatliche Souveränität gilt als zu tief. Siegermächte sollen so schnell wie möglich das Land verlassen. Das Recht auf politische Selbstbestimmung der besiegten Nation ist zu achten. Dem kann schwerlich widersprochen werden. Was aber ist, wenn es eine staatsfähige Nation – wie im Irak – gar nicht gibt, sondern nur Völker, Ethnien, Religionsgemeinschaften, die untereinander zutiefst verfeindet sind und ohne die Besatzung durch fremde Truppen rasch in einen Bürgerkrieg verfielen? Ein vorzeitiger Rückzug würde selbst einen legitimen Interventionsgrund im Nachhinein desavouieren.

Der offizielle Kriegsgrund der USA, die Massenvernichtungswaffen im Irak, war eine Selbsttäuschung, wenn nicht, wofür vieles spricht, eine arglistige Täuschung. Falls es einen ethisch haltbaren Grund für den zweiten Irak-Krieg gegeben hat, dann den, dass Saddam Hussein einer der blutrünstigsten Diktatoren des ausgehenden 20.Jahrhunderts war und zukünftige Massaker und Opfer vermieden werden sollten. 400000 Bürger des Iraks ließ Saddam Hussein nach Schätzungen von amnesty international ermorden: Kurden, Schiiten, politische wie persönliche Feinde. Rund eine Million Tote sind in dem – von den USA unterstützten – Angriff der irakischen Truppen auf den Iran Ajatollah Chomeinis zu beklagen. Dies wiegt schwerer, als es der verantwortungsscheue Gesinnungspazifismus wahrhaben will. Das ius ad bellum bleibt für den Angriff auf den Irak dennoch umstritten. Das ius in bello wurde jedoch eindeutig durch das US-Bombardement mit seinen vielen »Kollateraltötungen« verletzt. Diese Kritik entbindet jedoch nicht von der Aufgabe, sich den ethischen Pflichten nach dem Kriege zu stellen.

Ein frühzeitiger Abzug der Amerikaner, Briten und der symbolischen Reste der Kriegskoalition wäre eine Verletzung ihrer Nachkriegspflichten. Der Irak ist ein tief gespaltenes Land. Kurden misstrauen den Arabern, Schiiten den Sunniten, Gemäßigte den Radikalen, Klerikale den Säkularen, Anhänger des Baath-Regimes allen anderen. Alle drei fundamentalen Elemente eines Staates sind im heutigen Irak umstritten: Staatsvolk, Staatsgebiet und Staatsmacht. Die Durchsetzung des Gewaltmonopols liegt in weiter Ferne. Das Gleiche gilt für die Nationsbildung. Ein zu früher Rückzug der Amerikaner würde keineswegs einen ungerechten Krieg beenden, sondern einen nicht hinreichend gerechtfertigten Krieg nur noch ungerechter machen.

Allerdings bedarf es nach humanitären Interventionen einer neutralen Besatzungsmacht, eines »moralischen Agenten«, wie es der Philosoph Michael Walzer formuliert. Die USA können das nach Abu Ghraib nicht mehr leisten. Doch ohne die Stärke und Einsatzbereitschaft der US-Armee ist der Ausbruch eines Bürgerkriegs kaum zu vermeiden. Das ist das Dilemma der gegenwärtigen Situation. Die USA sollten deshalb nicht nur die Kosten des Kriegs mit den UN und den Europäern teilen, sondern auch die politische und militärische Macht. Die Europäer ihrerseits dürfen nicht zynisch abseits stehen, sondern müssen auch die militärischen Lasten mittragen. Arabische und islamische Staaten müssen überzeugt werden, beim multilateralen Aufbau des Landes mitzuhelfen. Aus der feindlichen Okkupation muss eine treuhänderische Besatzung werden. Dies zu begreifen, verwehrte den Amerikanern bisher ihre Arroganz der Macht.

Der Autor leitet die Abteilung Demokratieforschung am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialwissenschaften und ist Professor für Politik an der Berliner Humboldt-Universität

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Leser-Kommentare

  1. Machtgier und Habgier waren schon immer die Gründe für Angriffskriege von Imperien. Sich dafür das demokratische Mäntelchen umzuhängen ist keine Garantie für den Sieg dieser Imperien. Sie werden imnachhinein nichtmehr als Demokratien gesehen sondern als eine Form der Diktatur die sich versucht hat mittels Meinungsmanipulation zu legitimieren, aber durch Massenmord , Entrechtung und Unterdrückung, Folter, versucht hat sich auszubreiten. Hätten die derzeitigen Diktaturen den gleichen technologischen Stand wie wir,würden sie ganz von alleine zu Demokratien, auf die Stufe von Stammes und Sippenstrukturen wie in Kosovo, Afghanistan und Irak zurückgebombt können sie es nie werden, aber auch nie zu WEttbewerbern die ihren wirtschaftlichen und sozialen Aufbau aus ihren Rohstoffeinahmen querfinanzieren können und uns wirtschaftlich irgendwann überlegen sind.

    Es gibt einen ständigen Wandel in der menschlichen Zivilisation, den kann auch der sogenande demokratische Westen nicht aufhalten, deshalb sollten sie in Würde untergehen , und nicht die ganze Welt in einen Strudel der Gewalt ziehen um den Preis dervollständigen zerstörung der menschlichen Zivilisation. Die, die verbraucht sind und ihren Zenit überschritten haben sollten den Stab jetzt friedlich an junge dynamischen Kräfte übergeben. Nur so kann das was vielleicht gut ist am bisherigen System bewahrt werden.

    • 22.04.2006 um 22:15 Uhr
    • GerhardStenkamp

    Wir sind weit entfernt, Demokratien in anderen Staaten etablieren zu koennen!

    Vielmehr ist es so, dass faschistisches Gedankengut in Form von religioesen Ueberzeugungen unser eigenes demokratisches System unterwandert!

    Das Vorbild USA ist auf bedenklichem Wege, Grossbritannien wird klein, wenn es um Menschenrechte geht, der Rest Europas ist uneins!

    Wenigstens hier, in Westeuropa, Demokratie zu verteidigen, wird immer fragwuerdiger: Imame heulen auf, weil man ihren Propheten beleidigt habe, in London rufen Muslime offen und ungestraft zum Mord auf, bomben!

    Es sollen noch mehr kommen!

    Es macht Sinn, Demokratie zu festigen!

    Das geht nicht, indem man das nachplappert, was Saudi-Arabien diktiert!

    • 22.04.2006 um 22:38 Uhr
    • Serrax

    "Die USA sollten deshalb nicht nur die Kosten des Kriegs mit den UN und den Europäern teilen, sondern auch die politische und militärische Macht. Die Europäer ihrerseits dürfen nicht zynisch abseits stehen, sondern müssen auch die militärischen Lasten mittragen. Arabische und islamische Staaten müssen überzeugt werden, beim multilateralen Aufbau des Landes mitzuhelfen. Aus der feindlichen Okkupation muss eine treuhänderische Besatzung werden"

    1. Wir sollen also die Lasten mittragen, die uns die USA durch verbrecherische Angriffskriege mit auflasten?

    Obwohl wir sie gewarnt haben?

    2. Ich würde sagen, der Iran hilft liebend gerne, das Land wieder aufzubauen.

    Nur halt nicht so, wie es sich die USA und der Westen vorstellt.

    3. Es ist absolut egal, wer Truppen in den Irak schickt.

    Sie würden trotzdem als "Besatzer" bekämpft.

    -

    Es ist zwar richtig, daß auch Europa ein starkes Interesse an geordneten Verhältnissen im Irak haben muß. Aber die USA hat wohl die Lektion "Vietnam" vergessen. Es ist ironisch, daß sie sich selbst dran erinnert.

    cu

  2. 4. \N

    Ich empfehle dem Autor mal die Buchreihe 'Krieg in der Geschichte', vorallem Band 13 und 14, 'Wie Kriege beginnen' und 'Wie Kiege enden'(Verlag Ferdinand Schöningh 2002).

    Ich finde die Behauptung, Demokratien seien kriegerischer durchaus gewagt, in Vergleich zu welcher Staatsform? Das republikanische Rom und das kaiserliche führten viele Kriege. In der mehrere Jahrtausende währenden Geschichte Ägyptens waren die Kriege der Pharaonen auch nicht wenige.
    Zur Dominotheorie, gab es die nicht auch schon in leicht abgwandelter Form und mit anderen Vorzeichen als Furcht vor dem Kommunismus? Komischerweise hat es ja da mit dem Effekt auch nicht funktioniert.

    Letztendlich liest sich das Essay für mich nur wie eine nachträgliche Rechtfertigung des Irakkrieges durch moralische Notwendigkeit.
    Es ist schon erstaunlich, was Moral für kriegswichtig hält.

    Wieviele Iraker sind eigentlich insgesammt seit Kriegsbeginn gestorben?

  3. Sagen wir mal so: Auch die Zeit-Autoren scheinen einiges gelernt zu haben, wenn man sich manche Beiträge von vor dieser Intervention mal ansieht.
    Gerade die letzten Forderungen sind im Kern halbwegs richtig. Auch wir sind an diesem Krieg mit schuld, weil wir, also die Bundesregierung und Europa, hier zu wenig gegengesteuert haben. Wo war - und ist - denn z.B. die Abklärung oder auch Anklage der US-Aktion vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag? Dies hätte man vorab schon auch mal tun können - und sollen! Dazu war und ist diese Gerichtshof ja eben auch da! Im Inland wäre man hier längst vor das Verfassungsgericht gezogen.
    Nun weiß man hier aber offenbar bis heute noch nicht, ob der angebliche und falsche Kriegs- bzw. Interventionsgrund nun eher bzw. nur ein Irrtum oder nicht doch ein Lüge war, was ja doch ein gewichtiger Unterschied ist! Sowas muss doch unbedingt und auch weltöffentlich geklärt werden!

    Richtig ist gleichwohl - bzw. das sollte man endlich auch fordern:

    Die UNO muss grundlegend reformiert werden (nach der Devise: Stimmkraft ergibt sich aus der Höhe der gezahlten Mitgliedsbeiträge, die sich aus einer Formel ergeben, welche Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft kombinieren, was dann durch einen Demokratie-Faktor, vielleicht auch noch einen Umweltfaktor, modifiziert wird. Die USA dürfen dann nicht mehr der Weltpolizist sein - das kann und muss nur eine reformierte UNO sein, die also auch eine weltpolizeiliche Funktion übernehmen können muss.

    Für präemptive-strikes, der UNO-Polizeikräfte, muss es dann klare gesetzliche Regelungen geben - nur dann kann es diese auch geben.

    Die USA haben in diesem Krieg nicht gewonnen und werden und können diesen so auch nicht gewinnen.

    All das muss endlich mal klar und offen gesagt werden, von demokratischer EU-Regierung zu US-Regierung und auch den Regierungen der anderen Großmächte und sonstigen Staaten. Mit der Mitbezahlung und einer Beteiligung nur von Europa und einigen anderen Staaten dann auch noch, ist es hier wirklich nicht getan, das ist doch unschwer zu verstehen: Hier müssen wirklich mal alle Staaten ran bzw. angesprochen werden!

  4. Der Kulturenkampf geht weiter, halt mit anderen Namen.

    Die heutigen „Fürsten“ sind die Wirtschaftskapitäne (Ein Kapitän ist auf seinem Schiff der absolute Feudalherr). Hier sind die ehemaligen Fürsten (Geldadel) stark vertreten. Die Regierungen werden immer mehr zu Statisten im Kampf um Arbeitsplätze, öffentliche Versorgung usw. und müssen sich mehr und mehr den Wirtschaftsinteressen einzelner Privatiers beugen (Lobbyarbeit nimmt massiven Einfluss auf nationales Recht, Patentrecht usw.). Und die heutigen „Priester“ sind die Medien, die unterwandert von den alten Priestermonopolen (Kirchen) die Meinungsführerschaft versuchen zu erringen/halten.

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    Warum ist die Sklaverei abgeschafft worden? Aus wirtschaftlichen Gründen. Denn ein Sklave erbringt sehr viel weniger Leistung für seine(n) Herrn(in), einfach weil der Sklave dumm und schwach gehalten werden muss, damit der nicht gegen seinen Herrn aufbegehren kann, um selbst Herr zu werden. Dagegen kann ein sogenannter Freier Bürger durch Motivation/Belohnung normalerweise ein vielfaches Leisten. In der wirtschaftlichen / militärischen Auseinandersetzung ist also die Sklaverei schlicht und einfach unterlegen.

    Ähnlich verhält es sich mit der Demokratie. Freie Menschen verfügen über ein größeres Potential, weil man sie nicht künstlich dumm und schwach halten muss. Während Potentaten ihre eigenen Bürger zumindest „schwach halten“ müssen. Für das „dumm halten“ versichern sie sich der Mithilfe der Priesterkaste.

    Historisch gesehen haben sich über immer neue Reibereien die Nationalitäten/Länder herausentwickelt.

    Heute werden Nationen (die sogenannten Demokratien ebenso wie die Diktaturen) von immer mehr übernationalen und völlig undemokratischen Wirtschaftskräften (Global Player: Konzernen / Trusts / Monopolisten / Private Equity / Banken usw.) beherrscht. Zwar gibt es erste Ansätze einer Arbeitnehmer Mitbestimmung, aber im Kern gehört ein Unternehmen einem Eigner (Boss, Feudalherrn, oder Privaten Aktionären) und hat die Eigenschaften eine(r/s) faschistoiden/undemokratischen Feudalsystems/Diktatur. (Wie auch die Medien/Kirchen, als Meinungsführer/-lenker im Bereich geistige Vorherrscher).

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    Zum Entspannen:

    „Reduktion von Komplexität“

    Wie einfach darf Wahrheit sein?

    »Sagt der König zum Priester: Halt du sie dumm, ich halt sie arm!« – das ist die Kulturgeschichte der Menschheit auf den Punkt gebracht. Die zwei Arten von Machthabern, wie sie sich die Macht teilen. Sehr reduziert.

    Intelligenz ist die Fähigkeit, Komplexität reduzieren zu können, soll der Soziologe Niklas Luhmann gesagt haben, demnach wäre dieser Satz sehr intelligent. Ist er auch wahr? In seiner reduzierten Art, die unvermeidlich eine Vereinfachung und Übertreibung ist, scheint er mir nahe genug an der Wahrheit zu sein.

    Aus Wolfs Schneiders Tagebuch ([ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ])

  5. Ja schon, nur warum haben sich denn Leute erstmals zum Sklaven machen lassen - warum konnten sich andere zum Sklavenhalter werden bzw. machen?! Der Denkfehler dieser Theorie liegt m.E. darin, dass es eben dümmere und klügere, für die Bewältigung des Lebens fähigere und unfähigere Menschen gab und gibt, das ist die tiefere Ursache, die biologische Basis der hierarchischen Diversifizierungen der menschlichen Gesellschaften, die, das ist wahr, hier dennoch eine stetige Weiterentwicklung erfahren haben, weil von unten her eben stets doch auch kluge Köpfe nachgewachsen sind – die dann wiederum andere als Anhänger hatten... Und nicht alle Neuen waren, wenn man z.B. an die NS-Zeit denkt, ja soviel bzw. in allem klüger und besser als ihre Vorgänger.
    Fürsten werden gemacht, gerade auch der Geldadel, in diesem Falle durch den Kunden. Ich kann ja auch beim Kleinhändler kaufen – oder eben im Supermarkt, beim benachbarten Bauern - oder von irgendwoher, auch beim kleinen Handwerker, oder anderswo. Kaufen alle im Supermarkt – wählen sie sich eben einen neuen Wirtschaftskapitän – ganz freiwillig, von sich aus, solange wie er ihnen halt gefällt und was bietet. Und das, also der Markt der diese Kapitäne hervorbringt, ist als solcher dann schon demokratisch, auch wenn es innerhalb dieser Strukturen, der Betriebe, nicht immer so zugehen muss. Wenn wir nun, im Konsum, alle von den Vorteilen der wilden Globalisierung profitieren wollen, den niedrigen Preisen hier eben auch, wenn wir so kurzfristig klug sein wollen, bzw. sind, dann müssen auch wir den langfristigen Preis zahlen – oder uns eben für eine bessere Marktaufsicht, den demokratischen Weltstaat hier eben, einsetzen. Da beißt die Maus keinen Faden ab, und das Internet zeigt ja, dass es auch heute noch sehr gute Möglichkeiten gibt, sich auszutauschen und nicht nur das vorgesetzte zu Fressen bzw. Nachzukauen., auf dass dann eben auch dieser Schritt, diese Weltreform, zustande kommt. Aber auch da, muss man dann, wie im demokratischen Nationalstaat immer auf der Hut sein, von einem anderen nicht übers Ohr gehauen zu werden, das kam und kommt bei und unter gewöhnlichen und kleinen Leuten genauso vor bei den großen Tieren. Da es hiervon halt mehr gibt, kommt dies hier sogar häufiger vor, bei den großen sind halt nur die Dimensionen größer.
    Um auch dieses also mit zwei Sätzen zu formulieren: Es stets Bewegung im Spiel, auch auf Seiten der Fürsten und Priester, die von Nachfolgern abgelöst werden. Und es war und ist schon auch eine Situation möglich, wo ein jeder mit Gott selbst kommuniziert und auf den Fürsten verzichtet. Umgekehrt brauchen Fürsten und Priester ja eben auch Anhänger, ohne diese können sie das ja nicht sein, sie müssen also schon einen Bedarf befriedigen.

    Gut, das Leben war schon immer und ist ein Kampf, es kann aber dennoch sein, dass diese Kampf eines Tages zu einem Ende kommt, dass diesen Kampf sozusagen keiner mehr kämpfen will bzw. kann, nach den Endkämpfen quasi. So haben uns das manche "Priester" der christlichen Religion zumindest in der Bibel voraussgesagt - und dies auch eingedenk dessen, dass sie selbst und alle Fürsten dann ja auch nicht mehr da sind und also mit untergehen werden. Gerade die "Könige der Welt" soll es nach dem "priesterlichen" End-Szenario der "Offenbarung des Johannes" dann ja sogar besonders schlecht gehen. Dann, also hernach, herrscht der himmlische Frieden auf Erden - nach dem wir uns ja wohl alle so sehr sehnen...

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  • Von Wolfgang Merkel
  • Datum
  • Serie -
  • Quelle DIE ZEIT 20.04.2006 Nr.17
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