Hamburg

Im Prinzip kann ein Artikel über Ivar Buterfas keinesfalls weniger Platz beanspruchen als, sagen wir, eine Seite in dieser Zeitung. Eine angemessene Würdigung hätte mit seiner Kindheit als Sohn eines Juden in Nazi-Deutschland zu beginnen. Sie müsste eine Vielzahl von Verdiensten um Hamburg und insbesonder die Erinnerung an die NS-Verbrechen aufzählen. Sie könnte den Weltfriedenspreis streifen, dessen zweiter Träger der Dalai Lama ist, wie der erste Weltfriedenspreisträger Ivar Buterfas gelegentlich bemerkt. Und sie würde einen Moment lang bei den zahlreichen Gratulationsurkunden im Keller seines Hauses bei Hamburg verweilen und bei den zahllosen Fotos prominenter Zeitgenossen gemeinsam mit ihm, Ivar Buterfas.

Aber womöglich wäre am Schluss eines solchen Artikels noch immer nicht klar, warum 32 Mitglieder des Förderkreises Rettet die Nikolaikirche e. V. nun ihren Vereinsvorstand aus dem Amt drängen wollen. Darum sei die Geschichte in aller Kürze zusammengefasst: Ein Mann wird öffentlich geächtet - weil er etwas Seltsames tut. Buterfas hatte einem Bekannten eine große Zahl von Losen einer Tombola verkauft, die er selbst für einen guten Zweck organisiert hatte. Seltsam daran war, dass die Lose mehr wert waren, als sie kosteten.

Dafür wiederum gibt es eine plausible Erklärung: Es waren viele Preise gestiftet und wenige Lose verkauft worden - so wenige, dass der Organisator, um Kosten zu sparen, einige Lose gar nicht erst hatte drucken lassen, die Nieten nämlich. Daran sei nicht viel auszusetzen, heißt es bei der Finanzbehörde, die den Vorgang prüfte.

In der Lokalpresse aber geriet der Vorgang unversehens zur Affäre Buterfas.

So dreist war Buterfas, titelte eine Zeitung - worauf dieser seine Vereinsämter aufgab und sich ins Privatleben zurückzog, bis ... Ja, nun kommt die Geschichte doch noch zu einer Pointe. Niemand schiebt einen Weltfriedenspreisträger ungestraft ins Privatleben ab. In Buterfas' Verein, in dem Rivalen zwischenzeitlich die Macht erobert hatten, formiert sich die Opposition. Der neue Vorstand solle zurücktreten, heißt es in einem Fax, das die ZEIT gerade erreichte. Der Absender ist Ivar Buterfas.