Fußball Die Klinsmann–Debatte (3)
Haben wir den richtigen Bundestrainer? Unsere beiden Autoren sind sich auch nach der Torwartentscheidung nicht einig. Das Contra von Stephan Lebert
Oliver Kahn hätte einen besseren Feind verdient gehabt. Da war zum Beispiel Klinsmanns Auftritt im Aktuellen Sportstudio: Warum hat er (und sein Jogi Löw) nicht einfach gesagt, ja, stimmt, er habe immer schon eine gewisse Präferenz für Lehmann gehabt und, ja, die Fehler von Kahn im Spiel gegen Köln hätten nun den letzten Ausschlag gegeben. Wäre das so schwer gewesen?
Stattdessen sagte Klinsmann allen Ernstes, er sei vom FC Bayern zu dieser Entscheidung in diesem Moment getrieben worden, und nannte als Beweis eine zufällige, einminütige Begegnung mit Karl-Heinz Rummenigge am Flughafen. Peinlicherweise hat Rummenigge sogar diese Version inzwischen dementiert. Da saß also ein Mann im Sportstudio, immerhin ein Bundestrainer, kurz vor der Weltmeisterschaft, der nicht die Wahrheit sagte. Der Zeitpunkt der Entscheidung hat Klinsmann verraten. Er glaubte, die Fehler von Oliver Kahn zu brauchen, um ihn öffentlich abzuservieren. Wie gesagt, hätte er das gesagt, wäre es hart, aber offen gewesen. Aber die Ausrede via FC Bayern war erbärmlich.
Klinsmann hatte schon als Spieler verschiedene Gesichter, für die Kameras gab er den ewigen, unkomplizierten Sonnyboy, der einfach gern Fußball spielte, in Wahrheit war er immer ein unnahbarer Einzelgänger und harter Geschäftsmann. Das war auch völlig in Ordnung, das Produzieren von passenden Bildern gehört zum Geschäft. Für sich allein konnte er das gut, als Egoist. Als Trainer muss er aber ein Gemeinschaftsgefühl entstehen lassen. Dabei versagt er.
Auch Bundestrainer wie Helmut Schön, Franz Beckenbauer, Berti Vogts, Rudi Völler mussten schwierige Personalentscheidungen treffen. Sie taten das auf eine Weise, dass kein Makel an ihnen selbst haften blieb. Diesmal wird das anders sein. Wörns hat es zum ersten Mal gesagt. Jetzt wird es geglaubt: Klinsmann spielt falsch. Diesen Satz wird er von nun an nicht mehr los.
Der falsche Trainer auf der Bank: Noch ist allerdings nicht ganz auszuschließen, dass man auch auf diese Art Fußballweltmeister werden kann.
- Datum 20.04.2006 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT 20.04.2006 Nr.17
- Kommentare 4
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Wieso lese ich ausgerechnet hier so einen Unsinn?
Wenn ich Polemik will, lasse ich mir von einem beliebigen BILD-Redakteur in einer beliebigen Talkshow erzählen, was unser Bundestrainer für ein schlimmer Finger ist.
...die Welt keine wichtigeren Probleme hätte als diesen unwichtigen Sch****. Pardon.
... also Rummenigge ist das Wort. Yeah!
Und wenn Trickspieler Wörns, den nie jemand mochte, gegenüber der Bild behauptet, Klinsmann sei link, dann stimmt das und muss so auf ewig gelten?
Schade, dass sich manichäisches Schwarzweiß-Denken, wie beim Tier, auch immer öfter beim Menschen beobachten lässt.
Endlich mal ein treffender und ehrlicher Kommentar zum Klinsmann-Theater. Warum denn nicht in der ZEIT? Sport ist Kultur und ZEIT ist Kultur also passts.
(Lieber Gondorf, kauf Dir Cicero, das hat genug intellektuelle Tiefe, die in der ZEIT ja so wenig vorhanden ist!)
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