GeldanlageSeht, ich kann es mir leisten!

Der Analyst Marek Claaßen über das risikoreiche Investment in Kunst von H. Rauterberg

DIE ZEIT : Taugt Kunst als gute Aktie?

Marek Claaßen : Im Moment ist der Markt schon sehr heiß, und das scheint die Kunst für viele lukrativ zu machen. Man muss allerdings aufpassen, denn anders als bei der Aktie eines Pharmakonzerns gibt es bei der Kunst keinen realen Gegenwert. Es gibt nur einen imaginären Wert, und der hängt allein davon ab, ob den Menschen ein bestimmtes Kunstwerk etwas bedeutet. Kunsthandel ist ein Handel mit Geschmackswerten.

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ZEIT : Dennoch wird von manchen Banken die Kunst als gute Geldanlage empfohlen.

Claaßen : Als reines Investment würde ich das ablehnen. Das hieße ja, dass ich mein Geld im Zweifel auch für ein Bild ausgebe, das mir nichts bedeutet. Was mache ich aber damit, wenn der Künstler unmodern wird und niemand ihn mehr sehen will? Dann sitze ich da mit dem Bild.

ZEIT : Aber der Markt boomt doch wie verrückt.

Claaßen : Das stimmt, die Auktionshäuser fahren derzeit viele Rekorde ein. Dennoch gehen etliche Bilder an den Besitzer zurück, weil sich zum geforderten Preis kein Käufer findet. Von Gerhard Richter zum Beispiel, der ja zu gigantischen Summen gehandelt wird, geht jedes fünfte eingereichte Werk bei den Auktionen zurück. Bei anderen Künstlern geht jedes zweite Bild zurück.

ZEIT : Woran liegt das?

Claaßen : Das Angebot ist groß, und von den sehr reichen Sammlern gibt es nur wenige.

ZEIT : Wie kann es dann sein, dass Investmentfonds für Kunst 6 Prozent Rendite versprechen?

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