Geldanlage Seht, ich kann es mir leisten!Seite 3/3

ZEIT : Das klingt so, als könne man mit Kunst leichter Geld verlieren als Geld verdienen?

Claaßen : Da lässt sich schon auch viel Geld verdienen, man muss aber sehr genau wissen, worauf man sich einlässt. Die Kunstmesse Art Basel etwa muss man als eine Art ästhetisches Imperium begreifen, wo eine bestimmte Clique sich ausdrückt und abgrenzt von den Cliquen, die nur auf der Art Karlsruhe kaufen kann oder auf dem Art Forum Berlin.

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ZEIT : Und welche Clique ist die mächtigste?

Claaßen : Getragen wird der Markt von den Kleinsammlern, die nur einige tausend Euro ausgeben. Sie machen 95 Prozent des Umsatzes aus. Prägend aber sind die obersten 5 Prozent, die viel Geld für Kunst ausgeben. Die Eliten leben vor, was die Masse haben möchte, das ist auch in der Kunst so. Dann will jeder einen Damien Hirst haben, und sei es nur als Druckgrafik.

ZEIT : Und deshalb ist Hirst heute auf Auktionen teurer als ein Bild von Max Beckmann?

Claaßen : Wenn Beckmann plötzlich als altbacken gilt und wenn sich die Eliten lieber eine von Damien Hirsts Schallplatten leisten, die mit Farbe bespritzt sind, dann bestimmt das auch die Preise. Da geht es weniger um Kunst und mehr um Selbstdarstellung: Seht, ich kann es mir leisten, eine beschmutzte Platte an die Wand zu hängen, ich kann es mir leisten, für Dinge ohne Nutzwert viele Millionen zu bezahlen!

Die Fragen stellte Hanno Rauterberg

Marek Claaßen ist Kunstmarktanalyst und Betreiber des Internet-Portals artfacts.net

 
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