Hiermit verkünde ich: Die Debatte über Männer und Frauen geht weiter. Vor einigen Wochen schrieb eine Frau in der ZEIT, dass es praktischer sei, die Kinder mit 20 oder 25 zu kriegen statt mit 35 oder 40, wie heutzutage üblich. Auf diese Weise ließen sich Beruf und Familie leichter miteinander vereinbaren, weil die Frauen in der wichtigsten Karrierephase, welche angeblich zwischen dem 35. und dem 45. Geburtstag liegt, schon aus dem Gröbsten heraus sind. Ich habe einen Gegenvorschlag. Er ist ernst gemeint. Ich muss dies ausdrücklich sagen, weil man bei mir immer den Verdacht hegt, dass ich es satirisch meine, bloß weil ich gerne lustige Wörter und Aperçus verwende. In meinem Kern bin ich ein viel ernsthafterer Mensch, als ihr alle glaubt.

Warum zeugen die Rentner keine Kinder? Ich spreche von den Männern über 65. Es gibt genug Rentner in Deutschland. Sie sind fit, sie brauchen eine Aufgabe. Wenn die alten Männer massenhaft Kinder zeugen, sind drei gesellschaftliche Probleme mit einem Schlage gelöst oder gemildert. Erstens gibt es mehr Kinder. Zweitens können die Frauen Beruf und Familie miteinander vereinbaren, weil zu Hause der alte Herr herumtüttelt, Breichen für sich und das Baby kocht und aus der Nibelungensage vorliest. Alte Männer sind bessere Väter, das sieht man auf jedem Spielplatz. Die jungen Väter wedeln auf dem Spielplatz mit ihrem Brusthaar und fassen am Klettergerüst die Au-pair-Mädchen an. Die alten Väter bauen mit ihren altersfleckigen Händen Sandburgen im Stile des Architekten Behnisch. Alte Männer basteln gerne, sie sind gelassener, sie brauchen weniger Schlaf, aber auch weniger Sex. Sie haben also nachts, wenn das Baby schreit, eine Menge Freizeit. Ein bisschen gesunken ist der Testosteronspiegel halt doch, dies ist eine große Gnade, die unserem Geschlecht von der Natur gewährt wird. Drittens bekommen die alten Väter Kindergeld, denn ihre jungen Frauen haben das Kindergeld nicht nötig. Auf diese Weise sind die Senioren gegen Altersarmut gefeit.

Ein 65-jähriger Vater kann heutzutage, im Gegensatz zu früher, seine Kinder sehr wahrscheinlich aufwachsen sehen. Wenn er stirbt, ist seine Frau 50, hat einen Topjob plus erwachsene Kinder und kann sich einen jungen Liebhaber nehmen. Statt im Alter von 25 mit einem jungen Mann ins Bett zu gehen, tut sie es eben mit 50, da hat sie doch sowieso mehr davon. Dann ist mir aber aufgefallen, dass junge Frauen sich sexuell nur von erfolgreichen alten Männern angezogen fühlen. Ohne eine gewisse erotische Anziehung funktioniert diese Reform ja nicht. Wenn aber die jungen Frauen Karriere und Kinder mühelos miteinander vereinbaren können, dank ihrer alten Männer, werden sehr viel mehr Frauen in Führungspositionen gelangen, das heißt, es gibt schon bald deutlich weniger erfolgreiche Männer, die, wenn sie erst einmal alt sind, mit den dann jung seienden Frauen Kinder zeugen könnten, mit anderen Worten, mein Modell der Gesellschaftsreform funktioniert nur eine einzige Generation hindurch. Aber das ist immer noch mehr, als die Große Koalition mit ihren Reformvorschlägen zu bieten hat.