Lebenszeichen Rentenkinder
Harald Martenstein löst ein paar gesellschaftliche Probleme
Hiermit verkünde ich: Die Debatte über Männer und Frauen geht weiter. Vor einigen Wochen schrieb eine Frau in der ZEIT, dass es praktischer sei, die Kinder mit 20 oder 25 zu kriegen statt mit 35 oder 40, wie heutzutage üblich. Auf diese Weise ließen sich Beruf und Familie leichter miteinander vereinbaren, weil die Frauen in der wichtigsten Karrierephase, welche angeblich zwischen dem 35. und dem 45. Geburtstag liegt, schon aus dem Gröbsten heraus sind. Ich habe einen Gegenvorschlag. Er ist ernst gemeint. Ich muss dies ausdrücklich sagen, weil man bei mir immer den Verdacht hegt, dass ich es satirisch meine, bloß weil ich gerne lustige Wörter und Aperçus verwende. In meinem Kern bin ich ein viel ernsthafterer Mensch, als ihr alle glaubt.
Warum zeugen die Rentner keine Kinder? Ich spreche von den Männern über 65. Es gibt genug Rentner in Deutschland. Sie sind fit, sie brauchen eine Aufgabe. Wenn die alten Männer massenhaft Kinder zeugen, sind drei gesellschaftliche Probleme mit einem Schlage gelöst oder gemildert. Erstens gibt es mehr Kinder. Zweitens können die Frauen Beruf und Familie miteinander vereinbaren, weil zu Hause der alte Herr herumtüttelt, Breichen für sich und das Baby kocht und aus der Nibelungensage vorliest. Alte Männer sind bessere Väter, das sieht man auf jedem Spielplatz. Die jungen Väter wedeln auf dem Spielplatz mit ihrem Brusthaar und fassen am Klettergerüst die Au-pair-Mädchen an. Die alten Väter bauen mit ihren altersfleckigen Händen Sandburgen im Stile des Architekten Behnisch. Alte Männer basteln gerne, sie sind gelassener, sie brauchen weniger Schlaf, aber auch weniger Sex. Sie haben also nachts, wenn das Baby schreit, eine Menge Freizeit. Ein bisschen gesunken ist der Testosteronspiegel halt doch, dies ist eine große Gnade, die unserem Geschlecht von der Natur gewährt wird. Drittens bekommen die alten Väter Kindergeld, denn ihre jungen Frauen haben das Kindergeld nicht nötig. Auf diese Weise sind die Senioren gegen Altersarmut gefeit.
Ein 65-jähriger Vater kann heutzutage, im Gegensatz zu früher, seine Kinder sehr wahrscheinlich aufwachsen sehen. Wenn er stirbt, ist seine Frau 50, hat einen Topjob plus erwachsene Kinder und kann sich einen jungen Liebhaber nehmen. Statt im Alter von 25 mit einem jungen Mann ins Bett zu gehen, tut sie es eben mit 50, da hat sie doch sowieso mehr davon. Dann ist mir aber aufgefallen, dass junge Frauen sich sexuell nur von erfolgreichen alten Männern angezogen fühlen. Ohne eine gewisse erotische Anziehung funktioniert diese Reform ja nicht. Wenn aber die jungen Frauen Karriere und Kinder mühelos miteinander vereinbaren können, dank ihrer alten Männer, werden sehr viel mehr Frauen in Führungspositionen gelangen, das heißt, es gibt schon bald deutlich weniger erfolgreiche Männer, die, wenn sie erst einmal alt sind, mit den dann jung seienden Frauen Kinder zeugen könnten, mit anderen Worten, mein Modell der Gesellschaftsreform funktioniert nur eine einzige Generation hindurch. Aber das ist immer noch mehr, als die Große Koalition mit ihren Reformvorschlägen zu bieten hat.
- Datum 20.04.2006 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT 20.04.2006 Nr.17
- Kommentare 6
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Das war eine Sartire, Herr Martenstein, die zu schreiben sicherlich genauso viel Spass machte wie sie zu lesen.
( Satire: kritische, mit Humor vermischte Betrachtung einer besonderen Situation mit dem Ziel, menschliche Einichtungen oder die eigene Spezie zu korregiern oder zu verbessern. ) Es steckt also immer eine gute Absicht hinter der Satire. Besonder schoen an Ihrem Artikel war aber, dass Sie der von vielen Zeit -online Lesern verbissen gefuerhten Debatte zum Thema "stirbt das deutsche Volk aus, weil die Frauen keine Kinder mehr kriegen ( wollen )" mal so etwas den Wind aus den Segeln genommen haben. Die werden sich noch alle wundern, wenn das System "Rentenkinder" mal so richtig in Fahrt kommt.
Ich erklaere mich hiermit zu einem feurigen Verfechter ihrer Theorie " Rentenkinder" und trete in Ihren Verein hinein. Ich muss jetzt nur noch sehen, wie ich das alles meiner Frau erklaere. Die ist auch ueber 60 und wuerde wahrscheinlich beim Anblick einer knackigen 25- jaehrigen
bei uns zu Hause gewisse Einwaende haben.
Uebrigens: natuerlich stirbt "das deutsche Volk" aus. Was nicht ausstirbt und wohl immer bei ca. 75 Millionen liegen wird, ist die Bevoelkerung, die "auf deutschem Gebiet" lebt.
Wie dieser gemischte Salat dann eines Tage aussehen wird und welcher Prozentsatz auf "das deutsche Volk" faellt, muss ich mir nicht mehr ansehen. Dann bin ich schon weg.
"Die Sache hat nur einen Haken; worüber rede ich mit den Mädels, wenn wir aus dem Bett aufgestanden sind? "
Ja worüber denn schon: Über die Kinder, deren Entwicklung und Probleme, über die Arbeit der Frau und deren Problematik, und über die hohe Komplexität Gesellschaft, in der diese Kinder leben (müssen). Darüber wissen Sie ja eben aufgrund ihrer größeren Erfahrungen mehr als die junge Frau, dass isses doch...!
Das Problem könnte hier doch eher sein, dass "sie" viel zu selten gemeinsam aus dem Bett aufstehen würden, als dies bei einem jüngeren Partner der Fall wäre. Weshalb sich Frau dann eben doch für diesen entscheiden wird, beide sich dann aber eben eher gegen Kinder entscheiden werden.
Funktionieren könnte dies m.E. höchstens dann, wenn Sie denen ihr Geld und Wissen auch so rübergeben,,,
Wenn dies wirklich eine Satire sein sollte, wie man sicher denken kann und will- warum dann nur diese eindrückliche und gegensätzliche Einleitung?
Ich kenne keine weiteren Beiträge dieses Autors, es wäre aber sicher gut, wenn er hier deshalb doch noch mal für wirkliche Klarheit sorgen würde: Kann man soetwas wirklich ernst meinen...?
Eine sehr gewichtige "Gegen-"Gruppe hat er ja eben vergessen bzw. nicht genannt: Die jungen Männer. So leicht, ja wohl überhaupt, werden diese sich hier nicht zurücknehmen, das dürfte ja klar sein.
Und von daher wird es schon eher zu einem Aussterben der Deutschen kommen. Ob dieses nun aber, auf Dauer, wirklich nur auf "die" Deutschen beschränkt bleibt, ist m.E. massiv zu bezweifeln - wir sind ja eben nicht anders als alle anderen Menschen und Völker, nicht besser, aber auch nicht schlechter. Wir könnten hier höchstens die ersten sein, das Vorbild, die Vorgeher, dann wohl eher...
tja, hmmm?? wenn sie es wirklich ernst meinen und nicht satirisch, dann sollten wir diesen vorschlag mal näher betrachten:
1. die rentner müssten single sein oder die mehrehe, wie im islam und judentum, müsste erlaubt werden.
d.h. der rentner hat eine rentnerin und gleichzeitig eine jüngere frau. sauber. damit werden sich viele rentner einverstanden zeigen, allerdings die frauen sicher weniger.
verständllich.
2. weniger sex für den rentner bedeutet auch durchaus dsyfunktionale störung, also müssen die die rautenförmigen pillen und runde pillen von bestimmten herstellern zur steigerung der kraft kostenfrei verteilt werden.
3. dies erhöht allerdings die infarktquote um locker 43%
4. bestattungsunternehmen würden sich aber freuen
5. bin ich ein bedenkenträger???
wir sollten es einfach mal versuchen. bitte aber erst in 31 jahren, dann komme ich mit 70jahren in die rente. ob es dann mit allem klappt???? :)
aber trotzdem ein sehr kreativer vorschlag und mehr als die politiker auf die beine stellen können!!!
Satire hin oder her, der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf: Nicht in erster Linie die aktuell niedrige Geburtenrate bereitet uns demographische Kopfschmerzen. Schon die Generation der heute 40- 55jährigen hat zu wenig Kinder bekommen, die jetzt als potenzielle Eltern fehlen. Das könnten sie ja eigentlich noch nachholen, die lieben Baby-Boomer.
Aber warum denn bitte nur die Männer? Die Medizin vollbringt heute wahre Wunder. Wenn Viagra möglich war und den Männern einen späten Frühling schenkt, warum dann nicht auch die Spätgebärende von 55 Jahren zur Regel machen? Das Nach-Karriere-Kind, sozusagen.
Dass die Deutschen aussterben, wie auch hier in einzelnen Kommentaren behauptet, ist übrigens schlicht lächerlich. Dazu müsste der Trend zum Wenig-Kinderkriegen noch für Jahrhunderte fortgeschrieben werden. Trends brechen aber irgendwann, selbst wenn sie einige Jahrzehnte Bestand haben mögen. Genauso gut hätte man vermuten können, dass die Deutschen ausstürben, als die Bevölkerung zwischen 1618 und 1648 um rund ein Drittel gesunken war; und zwar von 21 auf 13 Millionen. Aber irgendwann war halt auch der 30jährige Krieg vorbei.
Wir haben in meinen Augen überhaupt kein Bevölkerungsproblem. Wir haben ein Problem mit unserem Sozialversicherungssystem, das sich ganz simpel lösen lässt. Die Baby-Boomer-Generation hat weniger Kinder aufgezogen als ihre Vorgängergeneration. Deswegen wird sie mit sinkender Rente leben müssen. Das ist kein Beinbruch - das ist nur fair. Nur traut sich bisher kaum ein Politiker, dass offen zuzugeben.
Die Generation Golf, zu der auch ich zähle, rechnet derweil schon gar nicht mehr mit üppiger Rente sondern stellt sich aufs Arbeiten bis mindestens 70 ein. Ich seh's gelassen.
Endlich habe ich als langsam alternder Mann die glückselige Perspektive auf junge Frauen bis zum Lebensende.
Die Sache hat nur einen Haken; worüber rede ich mit den Mädels, wenn wir aus dem Bett aufgestanden sind ?
Ansonsten sicherlich der genialste Text, den ich zum Thema Geschlechterkampf bis heute gelesen habe.
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