GleichberechtigungHaben wir die Emanzipation verspielt?

Wir jungen Frauen hielten die Gleichberechtigung für selbstverständlich. Dann kokettierten wir mit altmodischen Rollen. Und nun leben wir plötzlich wieder in einer Männerwelt von 

Wann habe ich eigentlich angefangen, mich wieder an den Feminismus zu erinnern? Es muss im letzten Jahr gewesen sein, nachdem mir ein Mann enttäuscht mitteilte, er habe sich das mit mir anders vorgestellt, ich sei eine Karrierefrau, warum ich plötzlich von Familiengründung rede? Ich hatte nicht gewusst, dass diese Art von Apartheid noch existiert. Ich hatte geglaubt, es sei mittlerweile gesellschaftlich akzeptiert, dass Frauen (auf eigene Gefahr) beides zu verbinden versuchen. Das Wort Karrierefrau, ohne Ironie verwendet, hatte ich zuletzt in den achtziger Jahren gehört, bei einem Elternabend, nach dem die versammelten Hausmütter meiner Mitschülerinnen unsere Cosmopolitan lesende, bodybuildende, ständig an ihrem Ehemann nörgelnde Französischlehrerin so bezeichneten.

Als aus der Beziehung nichts wurde, habe ich mich wieder auf die Welt der Karriere und des Berufs konzentriert. Es war das Jahr, in dem ich meinen sechsten männlichen Chef in Folge bekam. Nein, das stimmt nicht, eine hatte es gegeben, eine Stellvertreterin, die kurz darauf in Mutterschaftsurlaub ging. Dann kam sie zurück. Halbtags, wie so ziemlich alle deutschen Mütter.

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Es war das Jahr, in dem meine Freundin, eine sehr gut verdienende Investmentbankerin, heulend von einer Betriebsfeier kam, auf der ein neuer Kollege betrunken vor anderen zu ihr gesagt hatte: »ich möchte dich demütigen«, und am nächsten Tag nicht - in Worten: nicht - von seinem Chef gefeuert wurde oder auch nur zur Rede gestellt, obwohl seine Probezeit Tage später ablief. Es war das Jahr, in dem einer anderen Freundin, einer Art-Direktorin, nahe gelegt wurde, denselben Job auf Tagessatzbasis zu machen. Vielleicht war sie einfach nicht gut genug. Vielleicht dachten ihre Vorgesetzten ja auch: Sie hat doch einen Mann, wozu braucht sie das Geld?

Es war das Jahr, in dem ich mir selbst dabei zusah, wie ich mir die Haare wachsen ließ. Das Jahr, in dem eine Sendung namens Desperate Housewives zum Fernsehhit wurde. In dem meiner Freundin ein Teil des Unterhalts für ihre Tochter verweigert wurde, mit der Begründung des Mannes, er bezahle sie nicht dafür, Mutter zu sein.

Vielleicht bin ich auch etwas überspannt in letzter Zeit. Vielleicht hat das alles auch nichts mit den Geschlechterverhältnissen zu tun. Vielleicht ist es bei mir so wie bei meinem schwarzen Mitbewohner, mit dem ich Anfang der neunziger Jahre in Amerika eine Wohnung teilte. Immer wenn ihm etwas Schlechtes widerfuhr, dachte er, es sei wegen seiner Hautfarbe. Wenn er eine Wohnung oder einen Auftrag nicht bekam oder wenn eine Frau ihn nicht toll fand, dann schob er das auf die abstrakte Ebene (Hautfarbe), statt auf der konkreten (seine Person) nach Gründen zu suchen. Das war für ihn weniger verletzend, und kämpfen musste er dann auch nicht. Das war sein Vorteil und gleichzeitig sein Nachteil. Weiße, heterosexuelle Mittelklassemänner können es nur auf sich selbst schieben, wenn sie Probleme kriegen, vielleicht bringen sich deshalb mehr Männer um als Frauen. Wir Angehörige historisch benachteiligter Gruppen können uns notfalls in die Opferecke zurückziehen und uns über die Welt ärgern. Es kann also sein, dass ich etwas verallgemeinere, was in Wirklichkeit nur mein Problem ist. Vielleicht war es einfach nur ein schlechtes Jahr.

Immerhin gibt es jetzt eine Bundeskanzlerin! Ein starkes Signal für die Frauen in Deutschland, wie der Bundestagspräsident nach der Wahl sagte. Damit hat er vermutlich etwas in der Art gemeint wie: Ihr habt's geschafft, alles ist möglich, krempelt euch die Ärmel eurer schultergepolsterten Karrierefrauenblazer hoch. Oder vielleicht wollte er sagen: Seht doch, geht doch, was wollt ihr denn? Jetzt muss aber mal Schluss sein mit dem Klagen.

Leserkommentare
    • DrNoa
    • 20. April 2006 9:47 Uhr

    Hier werden einige interessante Fragen aufgeworfen, aber auch einige nicht gestellt.
    <br />Gleichberechtigung bedeutet auch gleiche Verpflichtung. Der Gegenpart von Macht ist Verantwortung.
    <br />Viele Frauen die ich traf gaben sich solange emanzipiert, solange es ihnen Vorteile brachte und nicht emanzipiert, wenn dies ebenfalls Vorteile brachte.
    <br />Selber eine Reifen wechseln zu müssen, ist nun mal auch schmutzig, aber es ist einfacher einen hormongesteuerten und daher cerebral unterversorgten Mann zu finden, der auf archaische Reize gut reagiert, um ihn diese Arbeit tun zu lassen.
    <br />Wie Frau Faller hier schreibt, man hat gerne kockettiert weiblich zu sein, natürlich unter der Prämisse emanipiert zu sein.
    <br />Männer sind archaisch - unser Gehirn hat sich in den letzten 30.000 Jahren nicht wirklich weiterentwickelt - Frauen sind es aber auch, sie geben es lediglich nicht gerne zu.
    <br />Männer suchen eine vitale, junge, gebärfähige Frau (was nicht heisst, das hierbei auch Kinder das gewünschte Ergebnis wären), Frauen einen guten Versorger und Genspender. Oder kürzer: Männer suchen Schönheit und Jugend, Frauen reagieren auch Status, Reichtum und soziales Prestige.
    <br />Wäre dies anders, hätten Schauspielerinnen über 40 in Hollywood bessere Beschäftigungschancen und Frauen würden nicht tendenziell versuchen, sozial nach oben zu heiraten.
    <br />Ärzte heiraten durchaus Krankenschwestern, aber Ärztinnen recht selten einen Krankenpfleger.
    <br />Dies soll aber keinesfalls rechtfertigen in überkommene Verhaltensmuster zu verfallen.
    <br />Wir haben auch ein Gehirn zum Denken, wichtig ist lediglich sich bewusst zu machen, das wir auch archaische Wesen sind, aber ich denke nicht, dass wir gleichzeitig gezwungen sind, dem zu folgen.
    <br />Mann/Frau muss erst die Form in der sie stecken erkennen, um sie verlassen zu können.
    <br />Aber solange wir es uns in unserer Steinzeit-Attitüde bequem machen, wird jegliche Form der Emanzipation stets gefährdet sein.
    <br />Es gilt ja nicht nur für Frauen, sich zu emanzipieren. Emanzipation ist auch ein Thema für Männer - der Aufbau einer neuen sozialen Identität/Rolle, der bisher leider nicht wirklich statt gefunden hat.
    <br />Auch stelle ich in den letzten Jahren fest, das Frauen und Männer sich eher in ein Gegeneinander verstricken, statt ein neues Miteinander zu entwickeln.
    <br />Vorwürfe, Schuldzuweisungen und Angriffe unter der Gürtellinie sind da auch nicht hilfreich.
    <br />Wer aggressive Forderungen stellt, muss mit Widerstand rechnen, selbst wenn sie/er recht hat.
    <br />Was das Berufsleben angeht, das ist ein schwieriges Thema.
    <br />Das es immer noch Männer gibt, die hier chauvinistisches oder machohaftes Gehabe an den Tag legen ist ein Armutszeugnis - insbesondere wenn sie dies, wie im Artikel geschildert, praktisch straffrei tun können.
    <br />Anstand und Menschlichkeit sollten die Regel und nicht die Ausnahme sein (ist derzeit leider utopisch).
    <br />Aber in einer Welt in der nur zählt, was materiell direkt messbar ist (vielen Dank unserer von der BWL durchtränkten Welt) und Menschen allenfalls als Kostenfaktor darstellbar sind, darf man/frau sich nicht wundern, wenn jede berufliche Nichtverfügbarkeit (z.B. Elternzeit) zu materiellen Einbußen führt.
    <br />Wenn es im Wettbewerb um eine Stelle darum geht, wer wie viele Stunden vorweisen kann - sich also (möglichst total) einbringt - und wer die Firmenziele höher über sein Privatleben stellt, dann kann Familie, soziales Engagement dabei nur verlieren. Solange Karrieren nur auf diesem Weg beschritten werden können, kann Mutterschaft nur ein Hemmschuh sein, bzw. Vaterschaft, wenn man die Verantwortung und Arbeitsteilung ernst nehmen möchte.
    <br />Insgesamt kann ich nur feststellen, das eine echte Emanzipation bisher nicht stattgefunden hat, denn die Gleichberechtigung der Frau kann nur ein Schritt dabei sein. Eine Emanzipation die diese Bezeichnung verdient, müsste unsere Gesellschaft sehr viel tiefgreifender verändern.
    <br />Aber im Augenblick sehe ich leider kein Programm oder eine Vision bzw. eine Interessengruppe, die dies herbeiführen könnte.
    <br />Was ich persönlich sehr schade finde, denn ich denke wir alle könnten dabei gewinnen.

  1. Setzen Sie sich doch mal mit der Biologie, die dahinter steckt wirklich auseinander. Die Interpretationen des ganzen sind auch nicht in Stein gemeisselt.
    <br />
    <br />Ein detaillierteres Verständnis vom Menschen würde uns allen sehr viel bringen. Auch wenn es auf den ersten Blick durchaus erschreckend wirkt. Man darf eben nicht vergessen, dass immer gelten wird:
    <br />
    <br />nur weil etwas ist, heisst es noch lange nicht, dass es sein soll.

  2. An dieser Stelle mag die Frage erlaubt sein, was denn die Emanzipation im Wesen ist und welches Ziel sie hat. Der Fremdwörter-Duden sagt dazu: 1. Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit; 2. Verselbstständigung.
    <br />Aha. Die Frau befreit sich also aus einem Abhängigkeitsverhältnis. Sehr schön. Auf denn, Schwestern, lasst uns unsere Leben selber gestalten und frei entscheiden!
    <br />
    <br />Nach Lektüre des Artikels und eigenen Beobachtungen bin ich allerdings versucht zu glauben, dass viele Frauen in Wirklichkeit darauf warten, von Männern befreit zu werden, was die Emanzipation ad absurdum führt, weil es die Verselbstständigung ad absurdum führt.
    <br />Besagte Investmentbankerin zum Beispiel, deren Vorgesetzter einen ausfallend gewordenen Kollegen nicht maßregelt, scheint zu glauben, die Emanzipation hätte den Mann dazu bringen sollen, für die Frau einzustehen. Das aber hat mit Emanzipation so viel zu tun wie die Kuh mit dem Sonntag. Sicherlich hätte der Vorgesetzte den Kollegen eingehend zu dem Vorfall befragen sollen, weil er Mobbingcharakter besitzt, aber das Nicht-Eingreifen als Versagen der Emanzipation zu werten, ist kleingeistig und unemanzipiert.
    <br />Nicht die Ehrenrettung durch einen Mann hätte die Emanzipation hervorbringen sollen, nein – die Ehrenrettung der Frau durch sich selber! Paroli bieten, laut sein, sich wehren! Aber nein, stattdessen läuft das Mäuschen weinend zur Freundin und jammert darüber, dass die Emanzipation ihr nicht geholfen hat. Und damit ist sie selber der beste Beweis dafür, dass die Emanzipation tatsächlich versagt hat.
    <br />
    <br />Nebenbei frage ich mich auch, was jene Frauen, die Kind und Karriere vereinen wollen, eigentlich verlangen. Einen zweijährigen Mutterschaftsurlaub bei voller Bezahlung (die alte Stelle wird so lange natürlich frei gehalten) und anschließend wieder Vollzeit in den alten Job zurück? Beim besten Willen und größten Entgegenkommen kann sich dieses Vorgehen kein einziges mittelständisches Unternehmen leisten.
    <br />Es gibt in der Natur des Menschen nun einmal einen Umstand, den viele Frauen nicht akzeptieren wollen: Kinderkriegen ist nicht wie Aufs-Klo-Gehen. Das ist kein Vorgang, der sich auf den Tag der Geburt beschränkt, die Arbeitskraft der Mutter aber davor und danach nicht weiter beeinflusst. Viele Frauen haben während der Schwangerschaft Beschwerden, die das Befinden und die Leistungsfähigkeit sehr wohl einschränken. Eine ehemalige Kollegin von mir kippte beispielsweise während der Schwangerschaft wegen schwerer Kreislaufprobleme beinahe täglich ohnmächtig um. Eine andere klagte über Wasser in den Beinen und konnte sich kaum bewegen. Sind solche Mitarbeiterinnen für ein Unternehmen wirklich tragbar?
    <br />Ich muss gestehen, dass ich vollstes Verständnis für einen Firmenchef habe, der bei einer Bewerberin Anfang 30, die noch keine Kinder hat, misstrauisch ist und sie nicht mit offenen Armen empfängt. Schließlich muss er einkalkulieren, dass die Frau wenige Monate nach der Einarbeitung schwanger wird, kündigt und er abermals in eine Neueinstellung investieren muss.
    <br />Das ewige Zerren der Frauen um die Gleichstellung mit dem Mann lässt meines Erachtens eines außen vor: Männer und Frauen sind nicht gleich. Manchmal beschleicht mich der Eindruck, für die Familie+Karrierefrauen sei das Kinderkriegen das Gleiche wie etwa das Runterbringen des Mülls: mal eben nebenbei. Und, bitte schön, ohne Auswirkungen auf andere Lebensbereiche. Hat ja keinen Einfluss auf ihre Leistungsfähigkeit. Sie wollen alles und das zu 100%.
    <br />Und beschweren sich dann über antiquierte Sichtweisen, wenn jemand der Meinung ist, dass das so nicht funktioniert. Ein Kind zu bekommen, ist wohl die komplexeste Entscheidung, die ein Paar treffen kann. Die Folgen, die sich daraus für die nächsten 15-20 Jahre ergeben, sind kaum abzuschätzen. Und dennoch tun diese Frauen so, als sei alles ein Spaziergang.
    <br />
    <br />Ich als Frau bin durchaus der Meinung, dass es den Frauen leichter gemacht werden sollte, einen Beruf auszuüben und trotzdem ihre Rolle als Mutter wahrzunehmen, aber das kompromisslose Herumkeifen halte ich für kindisch und egoistisch.
    <br />Eine Frau, die ein Kind will, muss bereit sein, Abstriche zu machen und Kompromisse einzugehen.
    <br />
    <br />Für einen Mann ist es dagegen ungleich einfacher, sich für ein Kind zu entscheiden, weil er während der Schwangerschaft nur indirekt involviert ist. Er muss nicht mit hormonellen Schwankungen und Ohnmachtsanfällen kämpfen. Er ist – vorausgesetzt, es treten keine Komplikationen auf, die ihn zur Anwesenheit bei seiner Frau zwingen – voll leistungsfähig. Die Mutter ist und bleibt die erste und wichtigste Bezugsperson im Leben eines Säuglings. Daraus ergibt sich automatisch eine Verantwortung, die sich auf andere Lebensbereiche auswirken muss. Und solange Frauen sich weigern, diese Verantwortung zu übernehmen, wird es keinen Fortschritt in der Vereinbarkeit von Kind und Beruf geben.

  3. Merkt es endlich einmal eine ... Vor ca. 20 Jahren sagte ein spanischer Bekannter, der mich lange nicht gesehen hatte, ganz verblüfft "te veo muy feminista " (du bist ja sehr feministisch) und ich antwortete: "Natürlich, ich bin eine Frau". Wie es dann dazu kam, hingedreht wurde, dass das Wort "Feministin" zum Schimpfwort wurde (Alice Schwarzers schlimmste Eigenschaft damals war, wie ich mich erinnere, "hässlich" zu sein), so dass die nachfolgenden Mädels bitte bitte alles aber nicht feministisch (=hässlich) sein wollten, das war schon ein genialer Schachzug.
    <br />
    <br />Feministin zu sein und attraktiv und Männer zu mögen, absolut unmöglich ab einem gewissen Zeitpunkt. Ich habe nie verstanden, wie man als Frau KEINE Feministin sein kann (sprich sich für die eigenen Interessen, die Hälfte vom Kuchen, einzusetzen) und mich immer gewundert, dass all die gut ausgebildeten Mädels mit den interessanten Jobs noch nicht mal wach wurden, als ich ihnen sagte, ihr Kollege verdiene aber mit Sicherheit 30% mehr als sie selbst. Das perlte irgenwie ab, sonst hätte man ja auch vielleicht Forderungen stellen (= feministisch = keifen) müssen. Soviel Harmonie war nie - und mir wurde immer mulmiger ob dieser naiven Annahme, was einmal erkämpft/zugestanden wurde sei von nun an da wie die Luft zum atmen.
    <br />
    <br />Es werden in jeder Beziehung unruhige Zeiten kommen. Margaret Atwood's "Report der Magd" ist mir lange nicht aus dem Sinn gekommen

  4. Dem ersten Teil dieses Kommentars, in dem es darum geht, dass die Investmentbankerin ihre Emanzipation durch eine Beschwerde selber in die Hand hätten nehmen sollen, kann ich durchaus zustimmen.
    <br />
    <br />Den zweiten Teil, in dem es um die angeblichen Erwartungen der Frauen geht, finde ich offen gesagt etwas weltfremd, anmaßend und erstaunlich frauenfeindlich, sorry für das harte Wort. Anmaßend und am Leben vorbeigehend ist es natürlich - gute alte Butler-Wahrheit - immer, wenn man von "den Frauen" spricht, denn derer gibt es so viele, dass daraus auch völlig unterschiedliche Lebenssituationen und Verhaltensmuster entstehen. So ist es in meinem Milieu der Geisteswissenschaftlerinnen kaum mehr üblich, überhaupt das Glück (?) zu haben, in ein Angestelltenverhältnis einzusteigen, was ja auch einem allgemeinen Trend auf dem Arbeitsmarkt entspricht. Die angebliche Forderung, dass Frauen sich wünschen, nach 2 Jahren Erziehung wieder in das kuschelige Nest des Angestelltenverhältnisses einzusteigen, kenne ich deshalb schlicht nicht. Und um diese Form der Sicherheit, die sich im übrigen auch Männer wünschen, die sich Erziehungsurlaub nehmen (Stichwort: Angst vor dem berühmten Karriereknick, den sie auch nicht in Kauf nehmen wollen), geht es bei der Frage Kind+Karriere meiner Meinung nach im Kern auch nicht.
    <br />Genausowenig glaube ich, dass irgendeine "Karriere"- oder anderweitige Frau so naiv ist zu denken, dass Kinderkriegen eine Nebenbei-Angelegenheit sei - denn sonst würden ja die Dummchen viel mehr Kinder kriegen als das der Fall ist. Was für ein finsteres Frauenbild!
    <br />
    <br />Der Punkt ist doch: nicht "die Frau" kriegt das Kind, sondern ein "Paar" (zumindest anfangs, im besten Fall lange). Nur ein einziges Mal ist in Ihrem Kommentar dieser Begriff auch gefallen. Ansonsten scheint für Sie das Kinderkriegen wie für viele andere eine reine Frauenangelegenheit zu sein. Klar ist die Schwangerschaft und das Stillen Sache der Frau, aber erstens gibt es auch hier erhebliche Unterschiede: So hat meine schwangere Kollegin bis kurz vor der Geburt mindestens genauso schwer geschuftet wie ich Nicht-Schwangere, wenn nicht sogar noch mehr, um ihr Gefühl, bloß nicht unangenehm als leistungsschwach aufzufallen, loszuwerden. Zweitens haben Väter von Anfang an die Möglichkeit, die glücklicherweise auch immer mehr wahrnehmen wollen, sich die sonstigen anfallenden Aufgaben zu teilen und so eine Beziehung zu dem Kind aufzubauen. Denn Kinderkriegen besteht eben nicht nur aus Schwangerschaft und an-die-Brust-Legen, sondern hat viel mit Verantwortlichkeit und vor allem emotionaler Nähe zu tun. Gerade Letzteres haben Generationen von Vätern nie gelernt und unglaublich viele Familien kranken und krankten ja an dem "abwesenden Vater". Es ist wirklich zu wünschen, dass die Väter, die angeblich mit ihrem Kind erst ab dem x-ten Lebensjahr etwas anfangen können, oder sich als Väter immer nur in einer distanzierten Ernährer-Nebenrolle sehen, langsam aber sicher aussterben. Nur weil Männer nicht schwanger werden können und nicht stillen (letzteres tun übrigens sehr viele Frauen ebenso wenig), heißt es noch lange nicht, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für sie ein Klacks ist. Mal davon abgesehen, dass auch das Kind die Bezugsperson Vater möglichst von Anfang an braucht. Erstaunlicherweise wird das aber bei Männern nie als problematisch diskutiert. "Vater" zu sein ist in diesem Land leider eine Sache, die nebenbei passiert, nicht Mutter-Sein. Ich spreche hier von der fehlenden gesellschaftlichen Diskussion und nicht von den realen Vätern, die sich dann tatsächlich abmühen müssen, nach der Arbeit noch ein Stückchen Kind mitzubekommen, worunter auch sie zum Teil leiden. Es sind also die Väter, die allmählich um ihre Befreiung kämpfen müssen, bzw. sollten gesellschaftliche Bedingungen so verändert werden, dass auch das Vater-Sein möglich wird.
    <br />Aber da dies wohl kaum oder nur äußerst langsam passieren wird, gibt es eigentlich nur die Alternative aus Frankreich, wo auch mehr Kinder geboren werden, obwohl die Väter dort sicher nicht emanzipierter sind: mehr Kinderbetreuung und weniger Klischee "Rabenmutter", wenn diese Betreuung schon früh in Anspruch genommen wird.
    <br />

    • Samm
    • 20. April 2006 20:48 Uhr

    Zum x-ten Male: Der Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen hat mit Diskriminierung nichts zu tun. Ist das denn so schwer zu verstehen?
    <br />
    <br />www.warrenfarrell.com/videos/tuckervideo.html
    <br />www.warrenfarrell.com/videos/2020video.html
    <br />www.cato.org/realaudio/cbf-02-01-05.ram
    <br />
    <br />Und was die Väter betrifft:
    <br />Frauen verfügen in allen den Nachwuchs betreffenden Fragen über eine beispiellose Machtposition. Von weitaus wirksameren Verhütungsmitteln über die alleinige Abtreibungsentscheidung bis hin zu einer skandalösen und grundgesetzwidrigen Exklusivmacht im Familienrecht:
    <br />
    <br />www.bverfg.de/entscheidungen/ls20030129_1bvl002099.html
    <br />
    <br />Mit der Macht kommt die Verantwortung. Dass zahlreiche Frauen damit hoffnungslos überfordert sind, zeigt ein Blick in die deutschen Familiengerichte. Vor diesem Hintergrund ein stärkeres Engagement der Väter zu fordern, sie gar - wie von Frau von der Leyen geplant - zum Zwecke der Frauenförderung "in die Pflicht zu nehmen", ohne ihre katastrophale Rechtsposition auch nur zu erwähnen, ist zynisch und verlogen.

    • DrKohl
    • 21. April 2006 10:43 Uhr

    Liegt nicht der tiefere Grund für die Situation in verinnerlichten Vorstellungen von Karriere darin, daß man dazu
    <br />..."die richtige Balance aus Strategie und Opportunismus...
    <br />und bisweilen auch Brutalität"... braucht? Mich wundert dann weniger, wenn die Ergebnisse eines solchen Vorgehens individuell und kollektiv unbefriedigend sind.
    <br />Ich dachte, wir würden in unseren Schulen und Universitäten zu
    <br />freien und aufrechten Menschen erzogen und Opportunismus
    <br />war etwas, das man z.B. DDR-Bürgern vorgeworfen hat? Sie sagen
    <br />jetzt deutlich, es würde aktuell dazugehören. Gut, dann
    <br />sprecht es doch offen aus: Opportunismus und Brutalität
    <br />gehören dazu. Dann können wir uns das Verwundert sein
    <br />sparen

  5. Ich = MittZwanzigerin, promoviere in einem naturwissenschaftlichen Bereich und stehe in den besten Startlöchern für eine Karriere. Das Problem ist nur: Ich will eigentlich gar keine. Denn die Emanzipation hat uns belogen. Man kann Familie und Beruf nicht vereinbaren. Das geht nicht. Ich bin wütend über diese Erkenntnis, aber sich davor verschließen, geht auch nicht. Famile kostet Zeit. Viel Zeit, vor allem für Frauen. Denn wer ist denn derjenige in Beziehungen, der ausgleichend und harmonisierend wirkt? Warum kochen wir denn?? Doch nicht, um die Nahrungsversorgung von uns und unseren Männern zu sichern, sondern damit abends gemeinsam am Tisch gesessen und geredet wird. Männer würden diese SItuation nur selten herstellen. Reden ist wichtig, das gemeinsame Essen ist wichtig - und das "Essen" ist nur ein kleines Bespiel für die vielen KLeinigkeiten, die Frauen in Beziehungen einbringen damit diese funktionieren. Kinder kosten Zeit. Kinder brauchen Familie. Die Oma wäre auch OK, aber wir leben doch in dieser verdammten globalisierten Welt, wo meine Eltern 300 km wegwohnen. Tagesmütter? Ganztagskindergarten? Ganztagsschule, Hort, .... ??? Sind wir denn verrückt? Kinder brauchen ihre ELtern, keine Erzieherinnen. Familie kostet Zeit. Kraft, Nerven. Das läßt sich nicht damit vereinbaren, Karriere zu machen. Zumindest dann nicht, wenn nicht die eigenen Kinder, die Beziehung (hat sich schon mal einer Gedanken über die hohen Scheidungsraten gemacht) und vor allem die Frau selbst darunter leiden sollen. Denn neben Beruf und Mann und Kind möchte ich auch mal Zeit für ein Buch haben.
    <br />
    <br />Ich möchte natürlich nicht völlig aufhören zu arbeiten. Aber Karriere?? Nein. Das will ich nicht, Nicht um diesen Preis.
    <br />
    <br />Hausfrau, aber um Annerkennung kämpfend? Es wäre schön, wenn wir Familenarbeit anerkennen würden.
    <br />
    <br />Karrierefrau, aber allein? Seien wir ehrlich - das ist die wahrschienliche Variante.
    <br />
    <br />Seid ich das erkannt habe, geht es mir persönlich besser. Ich werde meine Dissertation abschließen, mich beruflich einrichten und eine Familie gründen. Ich werde mich um meine Familie kümmern, sie umsorgen und meinem Mann und KIndern die Zeit, die Aufmerksamkeit und die Liebe schenken, die ihnen gebührt. Ich lasse mir von der EManzipation nicht vorschreiben, was ich zu sein wünsche und welche Rechte ich gerne hätte. Ich will nur sein, was ich bin - eine Frau.

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