Die Beschäftigungsquote von Frauen in Ostdeutschland geht seit der Wende zurück. Frauen verdienen - in denselben Berufen! - immer noch zwischen 30 und 40 Prozent weniger als Männer, je nach Studie. Alle Frauen, die ich kenne, die Kinder bekommen, kommen gar nicht mehr auf die Idee, dass die Erziehung und Arbeit auf beide verteilt werden könnten. Denn immer verdienen die Männer mehr (weil sie meistens vier, fünf Jahre älter sind, das ist in dem Alter entscheidend, oder weil sie besser bezahlte Berufe haben; und wenn das alles immer noch nicht hilft bei der Rollenverteilung, auch in derselben Branche im selben Alter sowieso die statistischen 30 Prozent mehr verdienen). Also bleibt sie zu Hause. Das ist nicht neu, aber vor 20 Jahren, so stelle ich mir das vor, war es zumindest ein bisschen peinlich. Heute muss man es nicht mal mehr erklären, und irgendwann gehen die Kinder in den Kindergarten, und die Frauen sind 35 und nicht mehr in der Situation, sich fest anstellen zu lassen. Mr. Right ist in der Zwischenzeit schon zum Operierenden Thetanen aufgestiegen, klar, dass er da nicht mehr Teilzeit arbeiten kann.

Während wir uns wieder entscheiden müssen. Eine TV-Werbung für Vorwerk-Staubsauger zeigt das sehr schön. Zwei Frauen begegnen sich auf einer Party, die eine gibt, karrierefrauenmäßig, mit ihren Managementaufgaben an, natürlich ist sie ohne Begleitung da. Und was machen Sie so, fragt sie sinngemäß die andere (ihr Mann steht an ihrer Seite). Schnippische Antwort: Ich manage ein sehr erfolgreiches Kleinunternehmen mit drei Kindern, einem Mann und fünf Haustieren.

Warum kriege ich bei dieser Werbung immer - ganz untypisch für eine Postfeministin - schlechte Laune? Nicht weil ich Hausfrauen verachte, ich schwöre, das tue ich nicht. (Manchmal stelle ich mir so ein Leben sogar ganz schön vor.) Aber weil diese Werbung das alte Apartheidssystem wieder aufmacht, als müsste man sich eben entscheiden. Hausfrau (aber um Anerkennung kämpfend) oder Karrierenuss (aber allein).

Heute sehen die Frauen wieder aus wie 1955

Man sieht das auch in der Mode. Die Werbeflächen sind tapeziert mit nackten Brüsten. Vor dieser Fotowand bewegen sich Frauen, die sehen aus wie aus dem Jahr 1955. Sie tragen Halstüchlein, knielange Röcke, Blusen und die Haare wieder lang. Das ist natürlich kein Zufall. Der Subtext ist, halb im Ernst, halb im Spiel: Ich bleibe zu Hause, versprochen, und wenn's in Neu-Ulm ist. Und kochen kann ich auch. Wenn der Chef meines Mannes zum Essen kommt, verblüffe ich ihn mit Toast Hawaii! In den fünfziger Jahren hatten diese Frauen immerhin noch ein Privatleben. Heute verkleiden sie sich nur noch so als seien sie jemandes Ehefrau, als gäbe es im Hintergrund einen Mann, der nicht will, dass sie arbeiten muss. Im Zweifelsfall haben sie weder die Karriere noch die Familie. Harald Schmidt hat das in einem ZEIT-Interview sehr brutal auf den Punkt gebracht: »Ach, nehmen Sie doch nur mal die meisten der kinderlosen Frauen in meiner Branche, dieses sexuelle Medienproletariat. Die haben mit Glück einen One-Night-Stand mit einem Beleuchter, sozusagen Last Minute in Sachen Kinderwunsch. Da rücken jetzt die 25-Jährigen nach, und es wird ganz bitter. Das ist die Wahrheit - und die wird gerade von Frauen, die früh Kinder bekommen haben, unverblümt ausgesprochen.«

Aua. Da erwachen sogar Postfeministinnen aus ihrem 15-jährigen Wachkoma. Die Frage ist nur, was fieser ist, die Verhältnisse oder der Ton, in dem sie beschrieben werden.