Ach so: Wie in jedem ordentlichen Diskurs gibt es jetzt sogar ein intellektuelles Fundament für das alles, damit die Kittelschürzenfantasien nicht allzu haltlos wirken. Biologistische Erklärungen für geschlechtsspezifisches Verhalten sind schon seit Jahren wieder in Mode. Bislang ging es dabei aber eher um Unterschiede beim Einparken oder Fremdgehen. Im vergangenen Jahr sagte dann Larry Summers, der damalige Präsident von Harvard (also, symbolisch betrachtet, das Gehirn der Welt), dass er sich langsam Gedanken mache, ob es nicht vielleicht doch auch einen angeborenen Unterschied zwischen Männern und Frauen geben könnte, der verhindere, dass Frauen in naturwissenschaftlichen Fächern Spitzenleistungen brächten. Denn schließlich habe jahrzehntelange Frauenförderung seiner Eliteuni keine Spitzenkräfte hervorgebracht. Natürlich ist es erlaubt, über alles nachzudenken, es ist auch interessant, sich die alte Frage nach den biologischen (und deshalb: schwer oder gar nicht veränderbaren) Unterschieden neu vorzulegen (den Afroamerikanern passiert gerade dasselbe). Aber ist es ein Zufall, dass es in einem Moment geschehen ist, in dem die Postfeministinnen den Feminismus aus den Augen verloren haben?

Vielleicht müsste man sich wieder - wie war das Wort? - engagieren

Davon abgesehen, was soll man erwarten? Larry Summers hat gerade seinen Job verloren, was auch damit zusammenhängt, dass zumindest an amerikanischen Universitäten der Feminismus in der Ausprägung old school & deeply unsexy nie ausgestorben ist. Man kann es Summers auch nur begrenzt vorwerfen, auch er will ab und zu was Neues sagen, das ist wahrscheinlich das akademische Äquivalent zum Revival der knielangen Röcke. Und er ist Wissenschaftler und kein Aktivist. Er muss sich für die Wahrheit einsetzen, nicht für die Frauen.

Aber vielleicht ist es eine gute Gelegenheit, als Frau noch mal zu überdenken, ob es wirklich so eine gute Zeit ist, um Neue Bürgerlichkeit zu spielen oder bei der Hochzeit den Familiennamen des Mannes anzunehmen. Und ob man sich nicht vielleicht langsam mal wieder, Sekunde, wie hieß das noch mal, für die Gleichberechtigung engagieren müsste.

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