Deserteure Auf der Flucht vor AmerikaSeite 4/4
Im März, sie sind gerade mal zwei Monate unterwegs, wird Brandi wieder schwanger, das vierte Kind. Sie muss den Job aufgeben, und nun muss Key raus, sie haben keine andere Wahl. Er findet einen Job als Schweißer in einer Fahrstuhlfabrik, er muss seine Sozialversicherungsnummer angeben, aber zu seinem Glück gibt die Fabrik sie nicht weiter. Key rechnet trotzdem täglich damit, dass die Militärpolizisten auf seine Steuernummer stoßen und ihn abführen. Sieht er Polizisten auf der Straße, dreht er ab und fährt in die nächste Auffahrt, schaltet das Licht aus und wartet, bis sie verschwunden sind. Jeden Tag nimmt er einen anderen Weg zur Arbeit, er kennt 38 verschiedene Routen.
Ob die Fahnder je intensiv nach Joshua Key gesucht haben, ist fraglich. Zwar haben FBI-Agenten seine Spur verfolgt, »aber für eine längerfristige Verfolgung fehlt uns die Kapazität«, sagt Dee McVitt, Armeesprecherin für Fort Carson. »Anfangs suchen wir aktiv, danach können wir die Namen nur noch durch den Computer laufen lassen.« Martha Rudd, eine Sprecherin im Pentagon, sagt, dass die Sache mit den Desertionen ohnehin von den Medien hochgespielt sei. Ende April 2005 seien 1432 Soldaten fahnenflüchtig gewesen, 1000 weniger als im Jahr zuvor, der Krieg im Irak erhöhe die Zahl nicht im Geringsten, im Gegenteil, die Soldaten stünden hinter dem Krieg. Die meisten Deserteure würden ohnehin nach Tagen oder maximal Wochen zurückkehren. Joshua Key und die paar anderen in Kanada seien Ausnahmen.
Am 27. Dezember 2004 kommt Anna zur Welt. Brandi ist allein in einem Krankenhaus im Nordosten Philadelphias und gibt als Familienstand ledig an. Das Sozialamt trägt die Kosten für die Geburt. Doch Anna hat eine schwere Infektion. Sie soll drei Monate in der Klinik bleiben. Key ist kurz davor, aufzugeben. Er sucht Hilfe, kauft sich einen Laptop. »Hilfe« und »Deserteur« sind die ersten Wörter, die er ins Internet eingibt, und es kommen Antworten. Er ist nicht der einzige Deserteur. Es gibt viele, sieben befinden sich in Kanada und werden von einem Anwalt namens Jeffrey House vertreten. House führt Klagen gegen die US-Armee und argumentiert, dass die Soldaten in einen gegen internationales Recht verstoßenden Krieg geschickt wurden. Der erste Fall ist mittlerweile in Berufung, »und Berufung gibt es nur mit Aussicht auf Erfolg«, sagt House. Er selbst ist im Vietnamkrieg desertiert und nach Kanada geflohen. Den Keys rät er: »Kommt nach Kanada, ich helfe euch, aber lasst erst euer Baby gesund werden.«
Wieder tauschen sie das Auto, den Sportwagen gegen einen Minivan und packen ihn voll. Am 8. März 2005 erreichen sie in einem Schneesturm die kanadische Grenze. Brandi sitzt am Steuer. Wohin wollen Sie?, fragt der Beamte. Nach Toronto, zu Freunden. Wie lange? Knappe Woche. Warum haben Sie so viel Gepäck? Sie sehen doch, wir haben vier Kinder. Der Beamte winkt die Familie durch, ohne auf die Papiere zu schauen.
Im Morgengrauen des 8. März erreichen sie mit abgefahrenen Sommerreifen das eisige Toronto am Lake Ontario. »Es gibt hier so viele Autobahnen«, sagt Joshua. »Und Hochhäuser«, sagt Brandi. »Das Wasser da rechts, ist das ein Meer oder ein See?« Sie irren herum. Michelle Robidoux, eine Aktivistin der War Resisters Support Campaign, der Kampagne zur Unterstützung von Kriegsdienstverweigerern, erklärt ihnen zwei Stunden lang am Handy den Weg zur bereitgestellten Wohnung, anderthalb Zimmer, ein Bad. »Wie die die Straße raufgeschlittert sind auf ihren Sommerreifen, und es lag hoch Schnee, das vergesse ich nie«, sagt Robidoux, eine schmale blonde Frau, die sich seit 20 Jahren für Bürgerrechte einsetzt. »Ich habe schon viele Leute unterstützt, die in der Klemme saßen. Aber wir haben hier eine sechsköpfige Familie, es wirft mich immer wieder um, dass die es im Untergrund geschafft haben.«
Nach 14 Monaten endlich ein eigenes Zuhause und ein geregeltes Leben. Sie ziehen wieder die Gardinen auf, wie Menschen das tun, sie gehen wieder Einkaufen, wie Menschen das tun, die Kinder gehen wieder zur Schule, wie Kinder das tun. Doch seinen argwöhnischen Blick legt Key nicht ab. Wieso gucken mich die Leute an? Wer sind die Nachbarn, warum blicken sie streng, und warum steigt der Polizist auf der anderen Straßenseite nicht aus seinem Wagen? In einem Supermarkt am Stadtrand von Toronto – die Einkaufszentren in der Innenstadt sind ihm zu voll – hat Key zum ersten Mal Wahnvorstellungen: Er glaubt, er befinde sich in einem Basar in Bagdad.
»Joshua ist ein anderer Mann geworden«, sagt Brandi mit ernstem Gesicht, »und das wird so bleiben. Du kannst lernen, mit einem Trauma umzugehen, aber ablegen kannst du es nicht.« Flashback, Trauma, Begriffe, von denen sie vor wenigen Monaten noch nie gehört haben, gebrauchen sie nun genauso selbstverständlich wie ihre Mikrowelle. Endlich gibt es Hilfe, Normalität, einen Therapeuten, Michelle Robidoux organisiert alles. Nur auf die Arbeitsgenehmigung warten sie bis heute. Fragt man sie nach der Höhe ihrer Sozialhilfe, antwortet Key: »Wir reden nicht gerne darüber, dass wir unterstützt werden müssen. Wir sind jung, wir könnten arbeiten.«
Joshua und Brandi Key leben fortan von Spenden und Vorträgen, die Key hält. Vor Gewerkschaftern, Schülern, Studenten. Er spricht von seinen Erlebnissen im Irak und von der Schuld, die er empfindet, aber dass man ihn nicht verdammen möge, er sei Teil eines Systems gewesen, von dem er sich distanziere und das er für falsch halte. Er tritt selbst in Moscheen auf und entschuldigt sich für das Unheil, das er und seine Männer angerichtet hätten. So sieht er das. Da steht dann ein junger vierfacher Familienvater, der aus der Unterschicht kommen mag, der unpolitisch gewesen sein mag, aber nun packend erzählt und scharf analysiert. Und manchmal weint.
Nach sechs Monaten in einem Szeneviertel von Toronto zieht Joshua Key mit seiner Familie auf eine kleine Insel vor Vancouver, zurück aufs Land, wohin sie wieder wollten, er, der Schweißer, und sie, die Kellnerin. Key kann viel aushalten, aber nicht gerade das Szeneviertel einer Metropole. Er hofft auf einen legalen Status als Kriegsflüchtling, auf Einbürgerung, auf einen Job als Schweißer. Laut Gesetz könnte Kanada ihm dies gewähren, aber das würde zu einem großen Streit mit den USA führen. Er wirft die Frage auf: Ist der Krieg falsch? Es ist die Frage, die die Bush-Regierung vehement dementiert.
Ist eine Rückkehr in die USA je vorstellbar? »Ja. Ich gehe sogar in den Knast«, sagt Joshua Key, »aber erst, wenn auch Bush angeklagt wird. Wegen Vaterlandsverrat und Meineid und Völkermord.«
- Datum 20.04.2006 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 20.04.2006 Nr.17
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Hat die Frage beantwortet welche schlicht und einfach war: Was können Sie mit Ihrem Gewissen vereinbaren ?
Wenn man schon von Werten spricht und das tun ja die Republikaner unentwegt, sollte man sich denn auch fragen lassen ob das sechste Gebot denn jetzt über dem fünften stehen soll.
Das Töten ist das Schlimmste was es gibt, aber es ist fast das einzige Gebot was Jesus ergänzte, das heisst es kann noch weiter gedacht werden:
Du sollst nicht einen zum Töten auffordern
Du sollst keinen erniederiegen und foltern, das ist Mord
Du sollst keinen Menschen vergewaltigen das ist auch Mord
Du sollst keinen Menschen zum Selbstmord mobben,das ist Mord
Du sollst den Namen Gottes nicht für Morde missbrauchen.
Du sollst keine vergiftete Nahrung und Wasser zulassen.
Du sollst Dich nicht als mehr einschätzen als das was DU bist: Ein Mensch ! und nur ein Mensch !
haben doch die meisten Europaer vom Verhaeltnis der US Buerger zur Army ,Navy,Marines oder Airforce,also sollten die sich mit den Kommentaren ein bischen zurueck halten.
Es stimmt nicht dass NUR Arme oder Minderheiten sich freiwillig melden.Was aber stimmt ist dass durch ein paar Jahre bei der Army viele Leute ein kostenloses Studium machen konnten,viele konnten einen Beruf lernen und weil sie in ihrer Vitae Erfahrungen in der Fuehrung von Menschen sammeln konnten haben sie auch Vorteile bei der Arbeitssuch denn viele Arbeitnehmer ziehen es vor ehemalige Soldaten einzustellen. Sicherlich gibt es auch Leute,die,da sie sich nicht genuegend informieren dann mit den Realitaeten der Army nicht klar kommen,aber die gibt es auch bei anderen Berufszweigen.
Ich verstehe sie immer besser, aber es ist mir ein Rätsel warum gerade im Vietnamkrieg die Reichsten flüchteten, zb Clinton Bush und Cheney? Wieso wenn kein Zwang besteht muss man dann von Vornerein Zwang abwehren?
Nun stellt sich die Frage denn, ob die wirklich im Krieg involviert waren und jetzt in den USA Senatoren sind auch bei den Republikaner, und den Krieg verfluchen. Der eine ist Kerry und der andere Mc Quain glaube ich, wenn ich mich im Namen nicht zuviel vergriff.
Nun müssen sie das ja als Frau mit sich ausmachen ob sie Abu Ghraib gutheisseen und mitgemacht hätten oder nicht und welche Konsequenzen sie daraus gezogen hätten?
Was denken sie denn wenn ihr Präsident sie belügt? Finden sie das mit der amerikanischen Idee vereinbar ist?
Aber dass ihr Mann in der Army ist erklärt viel von ihrem eigenen Wesen, ich dachte sie wären freier!
Nun was der andere Herr sagte der wohl auch in der Armee ist, ist auch seine Sache. Ich denke nähmlich dass beim Verrat einer Ideals es keine Desertion geben kann, und dass die UNO dementsprechend ein Stataut schaffen könnte.
Das könnte ja mal so Massaker wie Szebrenica und den Konflikt zwischen Hutus und Tutsis vereiteln hilfen weil das Militär eine Tür auflassen müsste für eben Menschenrechte !
Viele US Buerger melden sich freiwillig zur Army oder wo immer um die Vorteile die man dort hat in Anspruch zu nehmen.Leider ignorieren sie dabei dass dafuer eventuell auch mal was tun muessen,nicht nur alle Monate mal eine Uebung ( National Guard) sie bekommen jeden Monat ein Gehalt, haben Einkaufs Privilegien,Berufssoldaten zahlen auch fuer die Familie keine Krankenhassen Beitraege auch nicht nach der Pensionierung) und wenn sie ploetzlich tatsaechlich Soldat sein muessen kommen die Probleme.Es waere besser wenn die Leute sich vorher ein bischen besser informieren.
ihre Kommentare kommen bei mir so an:
Es ist oft falsch, was wir machen. Aber wir bekommen dafür viele Vorteile.
Ob diese Einstellung die Welt verbessert, wage ich zu bezweifeln.
ich habe vergessen Ihnen zu erklaeren warum Clinton,Bush undsoweiter sich beim Wehrdienst gedrueckt haben...zu der Zeit herrschte noch die Wehrpflicht -aber es gab Ausnahmen wie fuer Leute,die im Ausland studieren oder die sich in der National Guard verpflichten---und Bush kommt aus einer Familie die Geld hat..Clinton hatte eine Scholarship gewonnen ...es gibt andere Beispiele...
es heisst nicht umsonst 'war is hell' .Der Irakkrieg ist keine Ausnahme..aber es gibt auch genuegend sogenannte Konflikte die Kriege sind wenn man es mit der Wahrheut genauer nehmen wuerde.Mein Mann war Soldat zur Zt.des Vietnam Krieges -er kann also mitreden und er hat mit Maennern wie diesem Deserteur weder Mitleid noch hat er fuer ihn Verstaendnis.In USA muss niemand fuerchten eingezogen zu werden,alle sind Soldaten sind Freiwillige.
meine hochachtung!
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