»Dieses Wort gilt nicht für mich. Ich fühle mich da nicht angesprochen. Ich denke, ich kann sehr gut Fuß fassen. Ich bin ja auch ziemlich früh hierher gekommen und hatte keine Sprachprobleme.«

»Aber wie war das damals, als du hergekommen bist, das war doch schon eine Umstellung?«

»Umstellen… ich kann mich nicht großartig daran erinnern. Ich weiß auch nicht, wann das weggegangen ist. Vielleicht fehlt mir dieses Integrationsproblem. Wir waren immer angepasst.«

»Und woran denkst du, wenn du dieses Wort in den Zeitungen liest?«

»Ich finde, ein gesunder Mensch, wenn er freiwillig in ein anderes Land geht, dann muss er versuchen, deren Leben zu leben. Dass man auch mitreden kann. Mitlaufen kann.«

»Vielleicht ist das Integrationsproblem in Deutschland ja in Wirklichkeit viel kleiner, als viele denken.«

»Ich schätze schon, dass es genügend türkische Familien gibt, die sich nicht integrieren, die kein deutsches Fernsehen gucken, wo den Kindern gar nicht bewusst gemacht wird, wo sie leben. So, wie sie immer waren: das wird weitergeführt. Es gibt sicherlich viele davon. Aber es gibt auch die anderen. Leute wie mich, mit deutschem Pass. Die Integrierten sieht man nicht mehr. Und du musst bedenken: Es ist ein Riesenunterschied, ob jemand aus der Osttürkei kommt oder aus der Westtürkei wie wir.«

»Wie ist es dann bei euch?«

»Wenn ein Mann zu streng ist, dann lassen sich die Frauen halt scheiden. Ich habe drei Nichten, die machen, was sie wollen. Meine Mutter trägt nur deshalb Kopftuch, weil sie es komisch fände, es heute abzulegen. Sie sagt, die Leute würden dann denken, sie wolle damit etwas ausdrücken.«

»Dein Bruder? Was sagt dein Bruder zu deinem Leben?«