Studium : Studiert, was ihr wollt!

Warum es nützlich ist, bei der Fächerwahl seinen Neigungen zu folgen

Jetzt müssen wir da durch: Dieser Satz beschreibt die Haltung, mit der in Deutschland viele Reformprozesse angegangen werden. Unter Rot-Grün lautete so das Motto bei Hartz IV – als ginge es nicht anders. Die Tarifpartner gehen derart die Notwendigkeit an, flexiblere Arbeitszeitregelungen zu entwickeln. Und viele Universitäten stülpen sich so schicksalergeben angelsächsische Studienstrukturen über.

Jetzt müssen wir da durch: Die deutschen Universitäten haben letzthin großflächig ihre Studiengänge in Bachelor- und Masterstufen unterteilt und sich von einem Prüfgremium bestätigen lassen, dass es damit seine Ordnung hat. Sie haben, in der neuen Fachsprache, ihr System modularisiert und das Ganze dann akkreditiert.

Da mussten sie durch. Mitte 2005 zählte die deutsche Hochschullandschaft schon 2925 Bachelor- und Masterstudiengänge, zur Jahreswende dann sogar 3797. Wie in den anderen deutschen Reformfällen atmet man vielerorts auch hier durch, denkt, das meiste sei geschafft.

Doch am anderen Ende des Weges mag sich das gelobte Land nicht recht abzeichnen. Viele Arbeitgeber zögern, die neuen Abschlüsse zu umarmen. Ihr begründeter Verdacht: Geändert haben die Präsidenten und Rektoren, die Dekane und Bildungsplaner zumeist nur die Hülle ihres Studienangebots, aber nicht den Inhalt. Auch nicht die Haltung, nicht die Motivation, nicht die Perspektive ihrer Professoren und Studenten. Auf die kommt es aber an.

Aus dem Arbeitsmarkt ist eine Achterbahn geworden

Reform nach Vorschrift sozusagen. Und vielleicht haben Uni-Verantwortliche auch geglaubt, was die öffentlichen Reformer ihnen versprachen. Doch die eigentliche Aufgabe, nämlich die neue Struktur mit Leben zu füllen, bleibt vielerorts ungelöst – und zu oft sogar unerkannt.

Wo sind denn die zusätzlichen Investitionen des Staates und privater Geldgeber? Ernsthaft nicht zu erblicken. Wo hat sich die vielleicht wichtigste Zahl, die Betreuungsrelation, deutlich gebessert? In den Geisteswissenschaften jedenfalls ist sie von 1999 bis 2003 von 75 auf 93 Studierende je Professor noch gestiegen. An den führenden Universitäten in den USA kommen etwa zehn Studierende auf einen Hochschullehrer.

Nicht dass die Reformanstrengung wirkungslos bliebe: Rektoren können einige Fragen freier entscheiden, einige Universitäten haben sogar insgesamt deutlich an Entscheidungsfreiheit gewonnen. Doch das reicht anscheinend nicht. Die ersten Erfahrungen mit den Bachelors am Arbeitsmarkt zeugen von Skepsis. Man erkennt große Zurückhaltung auf beiden Seiten, die Studierenden wollen sich weiterqualifizieren, die Unternehmen warten ab. Einstweilen bemühen sich Verbände, den Bachelor bekannter zu machen.

Was hat die formelhafte Reform noch erreicht? Sie hat teilweise echte Reformer in die Opposition getrieben. Viele Geisteswissenschaftler waren bisher gegen die neue Struktur, auch die Ingenieure gehören zu den Opponenten, ebenso Leiter von Lehramtsstudiengängen. In der Ecke der Kritiker haben sich viele Kräfte versammelt – die Verteidiger ihrer Nischen ebenso wie Neuerer, die ihren Studenten und ihren Forschern eine viel bessere Leistung bieten wollen als bisher. Doch alle werden sie als Antireformer gebrandmarkt, als wenn sich die Zukunft allein daran entschiede, ob man die alte Magister- und Diplom-Hülle abnehme und die Bachelor-Master-Hülle überziehe.

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