Familie Männer an den Herd

Mit »Vätermonaten« heizt die CDU-Familienministerin Ursula von der Leyen in ihrer Partei einen Kulturkampf an – und scheint ihn zu gewinnen

Vielleicht wird man die Elterngeld-Debatte später einmal an einer kleinen Sonderkonjunktur für Verhütungsmittel erkennen – oder an einem kleinen Geburtenknick. Für Paare, die ohnehin Eltern werden wollen, ist es vernünftig, den Nachwuchs ein paar Monate aufzuschieben, bis Januar 2007. Dann gibt es das Elterngeld, das jungen berufstätigen Eltern maximal 12 Monate lang 67 Prozent des Einkommens einbringen soll, im Höchstfall 1800 Euro monatlich.

Das ist inzwischen Konsens. Gestritten wird über ein Detail, das es in sich hat, die »Vätermonate«: Paare müssen sich die Erziehungszeit teilen, um die Förderung 12 Monate lang zu erhalten. Bleibt nur ein Elternteil zu Hause, fließt das Elterngeld höchstens zehn Monate lang. Greift der Staat damit zu weit ins Privatleben der Bürger ein? Wenn männliche Unionspolitiker Kritik am Elterngeld-Konzept vortragen, klingt das meist sehr liberal. In Wahrheit steuert der Staat an vielen Stellen, Beispiel Ehegattensplitting, die Frage ist also eher: Wie und wohin steuert er?

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Die CDU-Bundestagsabgeordnete Michaela Noll, lange Zeit alleinerziehende Mutter, findet den Streit um die Vätermonate gut. Noch besser hätte sie es allerdings gefunden, wenn die Regierung die Vätermonate anders verkauft hätte, als zusätzlichen Bonus statt als Verpflichtung. »Jetzt kommt es bei den meisten so an, dass bestraft wird, wer sie nicht nimmt«, sagt Noll. Sie selbst lebt inzwischen in einer Patchworkfamilie, ihr neuer Ehemann brachte zwei Kinder mit. Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das wird nach ihrer Erfahrung eben immer noch fast ausschließlich als Frauenthema betrachtet. »Wie kriegen Sie das denn hin?«, diese Frage begleitet Noll, anders als berufstätige Väter, ständig.

Neu an der Debatte, meint auch Ursula Männle (CSU), sei die Diskussion über die Rolle der Männer, die mit den Vätermonaten ins Rollen gebracht worden sei. Die Formulierung, dass Männer »Mitverantwortung für die Familienarbeit« übernehmen sollten, so Männle, würden wohl »manche CSU-Prominente nicht ihrer Partei zuschreiben« – dabei steht sie ausdrücklich im Programm der Christsozialen. Männle selbst gehört zu einer Generation, für die Kinder und Karriere oftmals mit einem Entweder-oder verbunden war. Sie selbst habe sich entschieden, Beruf und Politik den Vorzug zu geben, sagt die Professorin, frühere Staatsministerin und heutige Landtagsabgeordnete. »Das bereue ich nicht.« Aber den jungen Frauen wolle sie solche Entscheidungen künftig lieber ersparen. Wie die CSU-Frauen Barbara Stamm, Gerda Hasselfeldt, Maria Eichhorn und Christa Stewens hat Männle einen Brief an Edmund Stoiber geschrieben, in dem sie sich für die Vätermonate stark macht. Nicht nur in der CSU herrsche ein Familienbild vor, das heute kaum mehr verwirklichbar sei, stellt Eichhorn fest. In den Vätermonaten sieht sie auch eine Krücke, die es den Männern erleichtert, sich für Familienarbeit zu entscheiden.

»Wir brauchen emanzipierte Männer«, sagt Eichhorn. Auch die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger sieht in den Vätermonaten »einen kleinen Schutz mit großer grundsätzlicher Wirkung: Vielen Männern, die sich um ihre Kinder kümmern wollen, wird das künftig im Umgang mit Kollegen und Arbeitgebern leichter gemacht.« Männer, die sich für Elternzeit entscheiden, pflichtet die bayerische Ministerin für Arbeit, Soziales und Familie, Christa Stewens, bei, gälten heute oft als »Alugriller und Weicheier«. Dabei seien Vätermonate eine Chance für junge Väter, ihren »Horizont zu erweitern und Kinder als Bereicherung des eigenen Lebens zu erfahren«.

In der Debatte um die Vätermonate vermischen sich liberale Einwände gegen ein Eingreifen des Staates mit konservativen Sorgen um die traditionelle Familie und schlichtem Lobbyismus von Männern, die berufliche Nachteile der Elternschaft weiter großzügig den Frauen überlassen möchten. Das Argument der Kritiker, die Vätermonate seien ein Eingriff des Staates, wollen Befürworter wie die CDU-Abgeordneten Julia Klöckner und Kristina Köhler nicht gelten lassen. »Jede Familienpolitik beinhaltet staatliche Lenkung«, sagt Klöckner, Vorsitzende der Jungen Gruppe der Unionsfraktion. Junge Familien hätten nur dann die Chance, Familie und Beruf wirklich zu vereinbaren, wenn Väter und Mütter sich die Arbeit aufteilten, argumentiert Köhler, mit 29 eine der jüngsten Bundestagsabgeordneten, und verweist darauf, dass auch ihr Landesvorsitzender Roland Koch, als harter Konservativer, zu den Befürwortern gehört.

Leser-Kommentare
  1. Schon wieder so ein eigenartiger, frauenbewegter ZEIT-Artikel. Nur eignet sich das Thema Vätermonate nun wahrlich nicht für einen Geschlechterkampf.
    Die Vätermonate sind eine gelungen Idee, weil sie letztendlich die Wahlfreiheit für Männern erhöhen. Nur die Vermittlung dieses Konzepts ist in der Tat kritikwürdig.
    Die Argumentation Männer sollten zur Mitverantwortung für die Familienarbeit gezwungen werden ist absurd. Wer sagt denn eigentlich, dass vollerwerbstätige Familienväter sich nicht an der Familienarbeit beteiligen? Zunächst ist auch die finanzielle Versorgung der Familie eine aktive Leistung. Wie viele Frauen gibt es eigentlich, die mit ihrer Arbeit Kind UND Mann ernähren? Und selbstverständlich nimmt der erwerbstätige Familienvater auch an der Erziehung teil. Zudem scheint der familiäre Arbeitseifer von Hausfrauen, nach dem neuesten Familienbericht, auch nicht sehr ausgeprägt zu sein.
    Es geht bei dieser Diskussion ausnahmsweise mal nicht vorrangig um die Bedürfnisse von Frauen. Auch wenn es den ZEIT-Jourmnalistinnen schwer fällt, aber nach Erkenntnissen der Familienforschung könnten insbesondere Kinder von einem anwesenden Vater sehr profitieren. Der erziehende Vater wird nicht benötigt um Frauen zu entlasten, sondern um Kindern mehr Stabilität in der Identitätsbildung anbieten zu können. Dafür lässt sich ein staatlicher Bonus rechtfertigen.
    Ein wichtiges Argument haben sie jedoch wohlweislich unterschlagen. Männer bekommen durch den Väterbonus nicht nur eine bessere Argumentationsbasis gegenüber ihrem Arbeitgeber, sondern auch gegenüber ihren Partnerinnen. Viele Frauen wollen nämlich die Mutter-Kind-Einheit nicht so schnell wieder aufgeben und reagieren auf väterliche Erziehungsansprüche eher gereizt. Auch hierzu gibt es Studien, man müsste nur mal etwas weiter recherchieren.
    Warum also die CDU-Männer ausgerechnet bei den Vätermonaten verbalen Widerstand anmeldeten, ist mir nicht einsichtig. Es scheint mir aber, anders als im Text geschildert, kein Generationenproblem der 45-55jährigen zu sein. Schließlich gehörten Koch und Oettinger zu den stärksten Befürwortern.

    Es gäbe aber genügend andere Themenfelder, bei denen Politiker die von ihnen unterstellte Lobbyarbeit für Männer betreiben könnten: Abschaffung der Wehrpflicht, trotz Länderkompetenz bessere Bildungschancen für Jungen etablieren, Reform des Scheidungs- und Sorgerecht.
    Dann würde sich zeigen, ob auch ZEIT-Journalistinnen eine wirkliche Gleichstellung befürworten oder lieber Lobbyismus für Frauen betreiben wollen.

  2. "Für Paare, die ohnehin Eltern werden wollen, ist es vernünftig, den Nachwuchs ein paar Monate aufzuschieben, bis Januar 2007. "

    Wie soll das denn gehen?? JEDES Kind welches jetzt gezeugt wird, kommt nach dem Januar 2007 zur Welt (ausser extreme Frühgeburten). Die bereits gezeugten werden sich aber kaum "aufschieben" lassen!

    • hagund
    • 28.04.2006 um 17:10 Uhr

    Schöne Idee, doch welcher Arbeitgeber macht dies mit, wenn ein ganz normaler Handwerker oder Hilfsarbeiter einfach 2 Monate zu Hause bleiben will.

  3. 4. Herd

    Selbst am Herd sind Männer fähiger als Frauen!

  4. Super Kommentar, sehr objektiv und relevant. Ich hoffe, dass Sie konsequent sind und Kinder gebären, kochen etc. auch selbst übernehmen und nicht nur "cool" daherschreiben.

  5. Die Autorinnen schreiben:
    „Vielleicht wird man die Elterngeld-Debatte später einmal an einer kleinen Sonderkonjunktur für Verhütungsmittel erkennen – oder an einem kleinen Geburtenknick.“
    Hier irren die Damen.
    Die Elterngeld-Debatte wird später einmal an einer dauerhaften weiteren Senkung der Geburtenrate zu erkennen sein.
    Nicht weil das Elterngeld die finanzielle Situation der Eltern verschlechtern würde. Das nicht.
    Die Elterngeld-Debatte wird zu einer weiteren nachhaltigen Senkung der Geburtenrate führen, weil die feministischen Geschwader mit Ursula von der Leyen an der Spitze diese Debatte genutzt haben, um mal wieder ordentlich männerfeindliche Hetze abzulassen. Und durch diese Hetze und auch die Diskussion um diese Hetze ist noch mehr Männern klar geworden, dass sie (zumindest in Deutschland) sich besser keine Kinder zulegen.

    Zur »Mitverantwortung für die Familienarbeit« sollen Männer endlich gezwungen werden. Toll!
    Wird ja auch Zeit, dass die faulen Säcke sich endlich mal um die Familie kümmern und nicht unter dem Vorwand „Arbeit“ vor den Familienpflichten verschwinden.

    Dass in gleichem Maße die Rechte der Männer gestärkt werden, hat man nicht vernommen. Wir wollen ja keine Sonderrechte. Wenn Männer mit Frauen einfach gleichberechtigt würden, wäre schon viel gewonnen.

    Männer müssen mehr Verantwortung übernehmen.
    Rechte am Kind haben sie trotzdem keine.
    Und so lange das sich nicht ändert, wird die Geburtenrate stetig sinken.

  6. Dass es sich unsere Politiker nicht abgewöhnen können, Geldgeschenke zu verteilen, ist wirklich ärgerlich. Genau wie das Kindergled wären diese Mittel besser verwendet, wenn man damit eine flächendeckende Ganztagsbetreuung mit gut ausgebildetem und anständig bezahltem Personal finanzieren würde. Dann käme der Segen auch denen zu Gute, die ihn wirklich brauchen: allein erziehende und/oder bildungsferne Eltern und ihre Kinder.
    Väter zur Erziehung zwingen zu wollen ist Quatsch. Durch die Aufwertung der Erziehertätigkeit würden Männer eher motiviert, sich für Kinder zu engagieren und diese wären ebenfalls vor der totalen Feminisierung der Erziehung gerettet.

  7. Sie haben alles faslch verstanden:

    Die Vätermonate sind nicht Pflicht, sie können nur nicht von der Frau genommen werden. Das ist alles.

    Der Staat mischt sich heute massiv in das Leben von Familien ein, nur fällt das vielen Leuten nicht so auf, weil sie es nicht anders kennen. Gucken Sie mal in die USA: Das mischt sich der Staat wirklich nicht ein und da arbeiten die meisten Mütter. Das Schockierende bei uns ist ja, dass die Mütter sogar aufhören zu arbeiten, wenn sie vorher mehr verdient haben. Verrückt ist das, in der Tat.

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