Energie Wo bleibt Deutschland?

Die Öl- und Gaspreise schießen empor, die Lieferstaaten werden immer mächtiger – und die Bundesrepublik findet sich in der Hand zweifelhafter Partnerländer wieder

Fantastische Gewinne und wachsende Angst– auf den Rohstoffmärkten passt das bestens zueinander. Energiekonzerne und Petrostaaten füllen ihre Kassen mit einer Geschwindigkeit wie nie zuvor. Und in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland fragen sich Bürger und Unternehmen, wie lange sie sich Öl und Gas noch leisten können. Mehr als 70 Dollar für ein Barrel Öl, das klang noch vor wenigen Jahren wie ein apokalyptisches Szenario. Heute richtet sich die Welt darauf ein, dass der Preis pro Fass sogar weiter steigt.

Parallel explodieren die Preise für Erdgas. Die Produzenten wissen um ihre gewachsene Macht – und nutzen das aus. »Wir machen uns mit neuen Märkten in Nordamerika und China bekannt«, erklärte Alexej Miller, Chef des russischen Gasprom-Konzerns, vorige Woche den EU-Botschaftern in Moskau. »Die Konkurrenz um Energieressourcen wächst.« Der russische Ölpipeline-Betreiber Transneft droht ebenso. Die kaum verklausulierte Botschaft lautet: Wenn die EU sich in der Energiepolitik nicht nach Moskaus Geschmack verhält, verkaufen die Russen ihre Energie eben an China.

Anzeige

Erpressung, Preistreiberei, Machtpoker – das alles gehört zu den Gepflogenheiten auf dem Energiemarkt. Nicht dass es unter Ölbaronen je höflich zuging. Im Öldorado Baku gehörte es vor 100 Jahren zum guten Ton, den Konkurrenten mit dem Revolver aus dem Feld zu schlagen. Doch welche Möglichkeiten hat ein Land wie Deutschland heute, um sich die ausreichende Versorgung mit Öl und Gas zu sichern? Schon ist in Berlin von einer neuen »Energieaußenpolitik« die Rede. Am Donnerstag dieser Woche trifft Kanzlerin Angela Merkel im sibirischen Tomsk den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Das künftige Verhältnis zum rohstoffreichen Russland wird für das rohstoffarme Deutschland zur Schlüsselfrage – politisch und ökonomisch.

60 Prozent der deutschen Energienachfrage werden heute durch Mineralöl und Erdgas gedeckt. Doch ausgerechnet von diesen beiden Energieträgern besitzen die Deutschen fast nichts. Die Erdgasvorräte in Niedersachsen, die immerhin noch 15 Prozent zur Versorgung beitragen, gehen zur Neige. Und Deutschlands größte Ölquelle, Mittelplate im Wattenmeer, steuert gerade einmal zwei Prozent zum Ölaufkommen bei. Was bleibt, sind schmutzige Braunkohle und teure Steinkohle.

Analysten wie Pete Stark, Vizepräsident des Consulting-Unternehmens IHS Energy, rufen bereits das »Zeitalter der Energieversorgungsangst« aus. Und der eigentlich für die Sicherheit der Versorgung zuständige EU-Energiekommissar Andris Piebalgs sagt: »Wir werden immer verwundbarer.«

Es sind vor allem Staatsunternehmen, die beim weltweiten Geschäft mit Öl und Gas das Sagen haben. Auch das führt zu deutlichen Verzerrungen beim Preis. Gemessen am Marktmodell, sehe es bei den weltweit wichtigsten Energien »nicht gut aus«, sagt Friedemann Müller, Ökonom und Energieexperte der regierungsnahen Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Tatsächlich sind die hierzulande bekannten – und wegen ihrer vermeintlichen Abzocke berüchtigten – Multis geradezu Zwerge im Vergleich zu den staatlichen Unternehmenskolossen aus den Öl- und Gasnationen.

ExxonMobil, BP, Shell & Co fördern gemeinsam 15 Prozent des weltweit produzierten Öls. Bezogen auf den Zugriff zu den Ölreserven, sind die privaten Unternehmen noch weiter abgeschlagen. ExxonMobil, der größte private Energiemulti, rangiert im Ranking des Fachblattes Petroleum Intelligence Weekly gerade einmal auf Platz 12; 20-mal mehr Öl steht dem saudischen Staatsunternehmen Saudi Aramco zur Verfügung. Der iranische Konzern NIOC, vollständig im Besitz des Teheraner Regimes, bringt es auf zehnmal mehr Reserven als Exxon. Über die Hälfte der Ölreserven sind in der Hand der vier größten staatlichen Ölkonzerne des Nahen Ostens. Ähnlich sieht es beim Zugriff auf Gas aus. Allein 40 Prozent der globalen Gasvorkommen liegen in der Hand von drei Staatsunternehmen: Russlands Gasprom ist die Nummer eins, gefolgt von Irans NIOC und Qatar Petroleum, dem Staatskonzern des kleinen Golfstaates.

Für alle gilt: Geschäfte sind gut, Staatsinteressen sind wichtiger.

Dazu kommt das Angebotskartell, zu dem sich sämtliche Länder des ölreichen Nahen Ostens und andere interessierte Nationen zusammengeschlossen haben. Die Opec, vor wenigen Jahren schon totgesagt, ist heute mächtiger denn je. Während die weltweite Nachfrage nach Öl seit dem Jahr 2002 eilends steigt, lässt die Ergiebigkeit der in den siebziger Jahren erschlossenen Vorkommen in der Nordsee schon wieder nach. Die logische Folge: Den wenigen noch ölreichen Nationen und ihren Staatskonzernen wächst automatisch Macht zu – derweil Investitionsbeschränkungen und Protektionismus die private Konkurrenz behindern.

Schlicht unerwünscht sind die privaten Konzerne in vielen der ölreichen Länder trotz ihres Know-hows und ihrer Finanzkraft. Eine »paradoxe Situation« nennt das Michael Daly, der für den Nahen Osten zuständige BP-Chef. Und eine gefährliche dazu. Denn sämtlichen Prognosen zufolge wird die weltweit wachsende Ölnachfrage nur durch Produktionssteigerungen in den Golfländern befriedigt werden können. Das allerdings hält SWP-Forscher Müller nur dann für möglich, wenn sich die Staaten der Golfregion dem Markt und »massiven ausländischen Investitionen öffnen«.

Mehr Markt also? Ein frommer Wunsch. Mit den staatlichen chinesischen Energiekonzernen treten neue, aggressive Konkurrenten im Kampf um Öl und Gas auf den Plan – sie werden den Markt nicht beleben, sondern weiter aushebeln. Die Volksrepublik, erst 1994 zum Nettoimporteur von Öl geworden, ist mittlerweile der drittgrößte Importeur überhaupt. Mehr als ein Drittel ihrer Einfuhren stammen aus der Golfregion und machen Chinas Ölnachschub vom militärischen Schutz durch US-Truppen abhängig. Das gefällt Peking nicht. Um diese Abhängigkeit zu lösen, würden die Chinesen fast jeden Preis bezahlen – Versorgungssicherheit geht vor Wirtschaftlichkeit.

Dem rohstoffarmen Deutschland ist all das nicht fremd. Schon Ende der sechziger Jahre versuchte die Bundesregierung mit der Gründung der Deminex einen nationalen Ölkonzern zu schaffen. Sie scheiterte. Die Ölkrisen der siebziger Jahre zwangen die Deutschen, nach Bezugsquellen jenseits des Nahen Ostens zu suchen. Die Nordsee wurde von den Europäern erschlossen. In den frühen Achtzigern mussten die Deutschen gegen die antikommunistische US-Regierung von Ronald Reagan das Pipelineprojekt verteidigen, mit dem Westeuropa durch sibirisches Gas aus der Sowjetunion versorgt werden sollte.

Was heute die Öl- und Gaspolitik brisant macht, war bereits zu Zeiten des Kalten Krieges Thema: wacklige oder feindliche Regime als Lieferanten, die Gefahr von Abhängigkeit und Erpressung, die Frage, ob die Industrienationen zusammenhalten oder einer auf Kosten des anderen seine Haut retten will.

Wie will sich Angela Merkel aus der russischen Umklammerung lösen?

Gerhard Schröder gründete die Beziehung zu Putins Russland wesentlich auf die Interessen der deutschen Gasversorgung – und der deutschen Energieindustrie. Der letzte Streich des damaligen Kanzlers war die Vereinbarung jener nordeuropäischen Pipeline, mit der russisches Gas durch die Ostsee direkt nach Deutschland geleitet werden soll, zum Verdruss der ausgeschlossenen Polen und Balten.

Jetzt geht es um die Energieaußenpolitik der Nach-Schröder-Zeit. Der Schlüsselbegriff heißt »Diversifizierung«. Der Russland-Experte (und Russland-Freund) Alexander Rahr von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik hält das schlicht für ein Codewort mit der wahren Bedeutung: »keine Abhängigkeit von Russland«. Tatsächlich ist die Haltung gegenüber Putin in Berlin kühler geworden. Die Bundeskanzlerin hat sich geweigert, während des deutsch-russischen Treffens diese Woche in Tomsk in einem Hotel zu wohnen, das Gasprom gehört. Kumpelhaft nah, wie Schröder, will Merkel der Moskauer Energiemacht nicht kommen. Eckart von Klaeden, außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, beobachtet, wie sehr die wirtschaftliche und die politische Perspektive auf Russland inzwischen auseinander klaffen. Wo die Geschäftsleute immer noch riesige Chancen sehen, hat es die Außenpolitik mit einem Land zu tun, das zunehmend autoritär regiert wird und bei Weltproblemen wie dem iranischen Atomprogramm oder beim Umgang mit der palästinensischen Hamas zwiespältig handelt.

Trotzdem will die Regierung in Berlin keine Konfrontation mit Russland. Die polnische Idee einer »Energie-Nato«, in der sich die europäischen Verbraucherländer zusammenschließen sollten, samt Beistandspflicht im Notfall, lehnen die Deutschen ab. Schröders umstrittenes Ostseepipeline-Projekt hat sich Angela Merkel sofort zu Eigen gemacht. Und Frank-Walter Steinmeier, der in Schröders Kanzleramt vom Emissionshandel bis zur Steinkohleförderung ständig mit Energiefragen befasst war, hat seine Beamten im Außenministerium an einer kooperativen Energiestrategie arbeiten lassen: kein neuer Kalter Krieg, sondern Entspannungspolitik.

Das Verhältnis in Sachen Gas zu Russland, so das Ziel, soll zu einer echten Wechselbeziehung weiterentwickelt werden: mit einer wirklichen Öffnung der russischen Energiewirtschaft und auch des Pipelinenetzes für ausländische Investitionen. Die Abhängigkeit vom Brennstoff wird man so schnell nicht los – deshalb kommt alles darauf an, eine gegenseitige Abhängigkeit von Anbieter- und Abnehmerstaaten daraus zu machen. Mit sichtbarem Vergnügen hat die Bundeskanzlerin beim Besuch des indischen Premierministers Manmohan Singh in Deutschland gehört, dass Indien bei seinem rasanten Wachstum auch an die Ressourcenschonung denkt. Bei der Technologie für mehr Energieeffizienz und den erneuerbaren Energien glauben die Deutschen stark zu sein, sie hoffen auf Exportgeschäfte und auf ein praktisches Exempel für ihre außenpolitische Philosophie: Sparsamkeit als Instrument der Konfliktentschärfung, damit die Rohstoffkonkurrenz der Amerikaner, Europäer, Inder und Chinesen nicht zu weltpolitischer Feindschaft wird.

Am Ende gibt es nur einen guten Rat: »Raus aus dem Öl«

Allerdings: Das ökologisch unterfütterte Entspannungsszenario ist bestenfalls ein Zukunftstraum. Die global wichtigste Ressource, politisch noch heikler als russisches Gas, bleibt einstweilen das Öl vom Persischen Golf – und zur Ölversorgung kann deutsche Energie-Außenpolitik wenig beitragen. Wenn eines Tages Sanktionen gegen Iran zur Debatte stehen sollten und dadurch eine neue große Ölkrise und im Gefolge eine Gaspreisexplosion droht, muss die Bundesrepublik zeigen, ob ihr die Energie oder die Außenpolitik im westlichen Geleitzug wichtiger ist. Dann fliegt das begriffliche Konstrukt wieder auseinander.

Jenseits einer solchen heiklen Entscheidung wägen die Energiestrategen im Kanzleramt, in den Berliner Think Tanks, aber auch in der EU-Kommission derzeit allerhand Optionen.

Beispiel Gasprom: Ökonomen können es dem Unternehmen nicht verübeln, dass der Gasgigant neben Europa nach anderen Absatzmärkten Ausschau hält: Wer möchte schon von einem Markt abhängig sein? Gasprom jedenfalls nicht. Da stößt die Strategie von der gegenseitigen Abhängigkeit des Gasversorgers und des Gasverbrauchers an Grenzen. Moskau versucht schon seit längerem, genau dieser Verbindung zu entgehen, derweil es Europa Sicherheitsversprechen macht, die es nicht einlösen kann. Denn es sei nicht sicher, sagt der Energieexperte Roland Götz von der SWP, ob die russischen »Vorkommen in dem Tempo erschlossen werden, wie es der steigende europäische und chinesische Gasbedarf erfordert«. Für Deutschland sei als Lehre daraus zu ziehen, neben Russland stärker als bisher auf andere Quellenländer zu setzen.

Beispiel Kampf um Rohstoffe: Die Bundesrepublik hat ihren Vorteil auf den globalen Gasmärkten längst nicht ausgeschöpft. Die größten Erdgaslager der Welt liegen, von Berlin aus gesehen, in einer Reichweite, innerhalb derer sich der Pipelinebau noch lohnt: im norwegischen Teil der Barentssee, im Iran und im Kaspischen Meer, vielleicht auch im Irak und der Golfregion, heute schon in Nordafrika.

Zwar baut der Bund keine Pipelines. Aber er kann ihren Bau wirksam beeinflussen, wie Gerhard Schröder mit der Ostseepipeline gezeigt hat. Heute versuchen die Deutschen in einem Vorzeigeprojekt mit Norwegen und Russland die Barentssee zu erschließen. Vor kurzem besuchte Außenminister Steinmeier Norwegen. Und ein zweites Großprojekt wartet auf Umsetzung: die Nabucco-Pipeline, welche den Mittleren Osten mit Mitteleuropa verbinden soll. Die Bauherren, voran die österreichische Energiegesellschaft OMV, verhandeln mit deutschen Konzernen. Etwas mehr Zuspruch aus Berlin, sagen die Österreicher, könnte dem Projekt aufhelfen. Zwei Tage nach der Drohung von Gasprom-Chef Miller warb der österreichische Wirtschaftsminister Martin Bartenstein für die 3300 Kilometer lange Rohrleitung aus der Türkei.

Beispiel Europa: Große Pipelines sind zumeist nicht wirtschaftlich, wenn sie nur ein Land versorgen sollen. Die EU-Kommission fordert seit langem von den Regierungen, die Energiestrategien der Mitgliedsstaaten besser zu koordinieren. Doch der Aufruf von Kommissionspräsident José Manuel Barroso nach der »einen Stimme gegenüber Russland und den Golfstaaten« verhallt bisher ungehört. Noch igeln sich die EU-Staaten ein. Der Energienationalismus der Franzosen und Spanier, die ihre lokale Versorgung um jeden unwirtschaftlichen Preis zu schützen suchen, ist da nicht besser als Schröders Alleingang mit der Ostseepipeline.

Die Energiewelt wird anders aussehen, wenn mehrere EU-Staaten gemeinsam Großprojekte organisieren, wenn sie auf den Weltmärkten gemeinsam für die sichere Versorgung mit Öl und Gas kämpfen. Und die Preise sinken, wenn eine Vielzahl von Anbietern um den Kunden konkurriert – und nicht, wie Gasprom es gern hätte, umgekehrt.

So oder so führt an einer betrüblichen Erkenntnis kein Weg vorbei: Die verbliebenen Ölreserven sind und bleiben in wenigen Ländern des Nahen Ostens konzentriert. Der Rat von SWP-Forscher Friedemann Müller: »Raus aus dem Öl.« Bis dahin ist ein Land umso gefährdeter, je mehr es davon verbraucht. Energieaußenpolitik kann dieses Risiko nur erträglicher machen.

 
Leser-Kommentare
    • sbo78
    • 02.05.2006 um 1:47 Uhr

    Wie Stefano2100 schon schreibt: die nächstliegende Lösung ist sparen!

    Durch eine intelligente Steuerpolitik wurde erreicht, dass wir nicht wie viele US-Bürger mit völlig veralteten Spritfressern riesiger Dimensionen durch das Land fahren. Stattdessen fahren wir bei etwa gleichem Wohlstand sparsame 2-Liter Turbodiesel Vierzylinder und unsere Autoindustrie ist gerade dabei den Amis beizubringen, wie gespart wird. Uns Bürgern wurde durch die hohe Besteuerung ein Preisschock wie in den USA erspart: dort stiegt der Spritpreis in einem Jahrzehnt um etwa den Faktor 3, bei uns waren es wohl etwa 50 - 70 %.

    Eine ähnliche Besteuerung auf alle fosilen Energien könnte bie intelligenter Förderung energiesparender Maßnahmen sehr schnell den Bedarf an fossiler Energie in Deutschland um ein Drittel senken. Ohne Komforteinbußen und ohne der Wirtschaft zu schaden (irgendwer muss die Ersatzinvestitionen ja durchführen: Deutsche Unternehmen). Schöner Nebeneffekt: billige Elektromotoren kommen aus China, billige Häuser aus Osteuropa. Effiziente Motoren und Passivhäuser sind meist "Made in Germany" - ein Wettbewerbsvorteil für die Heimat also.

    Schade, dass die intensive Verflechtung von Energiewirtschaft und Politik eine Entscheidung zugunsten der Effizienz bisher verhindert. Die Lobby der Deutschen Industrie, des Handwerks, der Mittelständler ist hier gefragt, um endlich die Subventionen weg von Atomstrom und Kohle hin zu Effizienz in ihrer Produktion zu lenken!

  1. Was ist ein Beitrag zur deutschen Energiepolitik wert, wenn eine Energieerzeugungsart, Atomstrom, der zur Zeit einen Anteil von 27 % an der Stromgewinnung hat, mit keinem Wort erwähnt wird.

    Man hätte mit Sicherheit erwartet, Ausführungen darüber lesen zu können. Aber vielleicht sind die Autoren der Meinung, dass Atomstrom keinen Beitrag zur Energiesicherheit leistet und dass man die Kapazitäten ohne Probleme in den kommenden Jahren abschalten könne, ohne “Raus aus dem Öl” zu gefährden.

    Miller von Gazprom und die Ölscheichs vom Golf werden sich freuen. Das wird die Nachfrage nach Öl und Gas nicht vermindern. Und dem Aufruf zu einer gemeinsame Haltung der EU-Staaten nach den bisherigen Erfahrungen werden sie beruhigt entgegen sehen können.

    • svarez
    • 27.04.2006 um 10:12 Uhr
    3. \N

    So, so, das sind ja ganz neue Einsichten, die man bei der Zeit-Lektüre gewinnt. Es hat sich herumgesprochen: Raus aus dem Öl!
    Und was wird uns stattdessen vorgeschlagen? Eine Form der Diversifizierung, die die Öl-Abhängigkeit von einer wie auch immer ausgestalteten Gas-Abhängigkeit ersetzt. So viel intellektuelle Neuerrungenschaft sollte sollte auf jeden Fall zur Grundlage unserer Energieaussenpolitik gemacht werden.
    Eine wirkliche Unabhängigkeit wird sich indessen nur einstellen, wenn wir unsere Energie auch selbst produizieren können. Und die einzigen Möglichkeiten hierzu sind insofern Kernkraft und erneuerbare Energien, die man übrigens nicht permanent gegeneinander ausspielen sollte.

  2. westliche Werte, Freiheit, Demokratie , das alles hat nur funktioniert und sich entwickeln können durch Sklaverei, Kolonialismus, und zuletzt eine Technologie die auf quasi gestohlenem Öl beruht.

    Jetzt wo sie Ölstaaten und andere Rohstoffländer mit den Öleinahmen ihren wirtschaftlichen und Sozialen Aufbau querfinanzieren, werden sie als Bedrohnung gesehen und in die Steinzeit gebombt, wenn das noch geht, in Irak hat das noch funktioniert, bei Iran wird es schon kritisch, und Russland hat sich nochmal gefangen, nachdem Jelzin das Öl schon fast verspielt hatte. Unser Wohlstand beruht zunehmend auf Leichenbergen, aber die Vormacht evtl. der Strafe zu gehen haben wir auch nicht. Starke Rivalen in Asien, die früher selbst als Kolonialstaaten schikaniert wurden fordern heute REvanche. Ein Strafgericht ist zu befürchten, und die westlichen Führer und ihre Hintermänner aus Klerus und Kapital winden sich wie Würmer das Rad nochmal zurückzudrehen. Eine innere Erneuerung des Westens ist auch nicht zu erwarten, die Dinge nehmen eben jetzt ihren Lauf. Wie sagte Kaiser Wilhelm beim Einmarsch der Deutschen in China , "Pardon wird nicht gegeben".

    In Deutschland schon längst wieder vergessen, diese gemeinsame "Friedensmission" zusammen mit Briten Franzosen und den USA, in China aber nicht, und bei der Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad wieder aktuell geworden.

    Es sind nicht nur die Ölländer die sich nicht länger ausplündern lassen wollen mit denen wir konfrontiert sind, sondern auch die Rivalen die bisher durch eine verbrecherische Wirtschafts und Gewaltpolitik von den Futtertrögen ausgeschlossen waren.

    • WIHE
    • 27.04.2006 um 16:58 Uhr

    Im ersten Weltkrieg ersetzten wir Chilesalpeter durch das Habor-Bosch-Verfahren.

    Und während des WK2
    waren wir Deutsche in der Lage, Kraftstoff aus Kohle zu machen.

    Wir sollten uns auf unsere Stärken besinnen und dazu gehört die Chemie und die Kernkraftwerkstechnik.

    Windräder und Solarzellen bauen können wir natürlich auch.

  3. in den häusern kann 75% des jetzt verbrauchten öl und gas mit energiesparen ersetzt werden.

    zur zeit sind 22 liter öl/ m2 und jahr der verbrauchsdurchschnitt.

    Im Neubau sind 7 liter die gesetzliche grenze und sogar 0 liter mit erreichbar mit PV und solarthermie.
    das 3 liter haus ist der eigentliche neue standard im Neubau.

    Mit Sanierung kann 7 liter und noch weniger in mehrfamilienhäusern erreicht werden.

    mit dem jährlichen abreißen von energieverschwendenten Häusern und dem Neubau von Passivhäusern könnte der Verbrauch bis 2050 sogar um 90% sinken.

    Da Häusern 30 Prozent der Energie verbraucht wird, sind damit bis 2050 27% und bis 2020 mehr als 20% vom gesamten einsparbar.

    im Verkehr kann durch die Hybridtechnik und durch sparsameres Fahren (80 kmh sind verbrauchsoptimal) und durch ps-schwächere Autos mehr als 30% eingespart werden.
    statt fast 8 liter pro 100 km sind 5 liter pro 100 km ohne komforteinbuße möglich.

    in industrie und gewerbe ist der Strom wegen der großhandelspreise sehr viel billiger als für den privaten verbraucher. wegen dem kurzfristigen denken wurden lägerfristige einsparungen und optimierungen einfach unterlassen. 20% einzusparen ist keine Hexerei, sondern einfach nur harte Arbeit und anderes Denken. Bisher wurden nur die billigsten Antriebe eingekauft, nicht die mit den geringsten Lebenszykluskosten.

    Zusammengefasst kann ohne Änderung des Lebensstils und sogar mit Komfortgewinn die Hälfte der Primärenergie eingespart werden. Der Anteil der Eigenförderung und der erneuerbaren Energien verdoppelt sich dann automatisch.

    Der Import sinkt damit dann nicht nur um die Hälfte, sondern noch mehr. Die Abhängigkeit würde also sinken.

    Wer ist daran nicht interessiert: die gesamte Energieindustrie weltweit mit 4000 Milliarden Dollar Umsatz.
    Bei Öl sind es bei 75$/Barrel und 85 Millionen Barrel dann 2327 Milliarden Dollar Umsatz weltweit.

    und das ist ziemlich dumm, denn das noch nicht geförderte Öl wird in Zukunft noch viel mehr Gewinn und Umsatz machen.

    nur Bilanzen über Jahrzehnte sind nicht gewünscht und sexy, weil der Raubbau an den Reserven sichtbar würde.

    Durch Sibirien reisen ist gar nicht nötig, wenn die Hausaufgaben gemacht sind.

    Mit einer Änderung des Lebensstils mit weniger Flügen und Autofahren und weniger Güterverbrauch wäre sogar Faktor 4 möglich. Der Energieimport könnte großteils entfallen.

    10% versuchen schon nach diesen Kriterien zu leben.
    10% der bevölkerung wollen dies nicht, weil dies ihre Aktien an EON und RWE usw entwerten würde. und 80% sind zu dumm oder es interessiert sich nicht, wie sie abgezockt werden.

    Für die 10% Aktionäre in diesem Land fährt Frau Merkel nach Sibirien. Von diesen glaubt sie auch gewählt worden zu sein.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service