Und doch werden ständig neue Akteure eingewechselt. Heimspiel – Aus der Tiefe des Viertels zum Beispiel, ein "interkulturelles und altersübergreifendes Theaterprojekt mit Schüler/innen", Premiere am 14. Mai auf dem Schulhof einer Ganztagsschule – na, wo? Auf St. Pauli natürlich. Oder You’ll never walk alone – Europäische Stadionsounds, ein Hörspiel von Radio Bremen, Ursendung am 27.Mai. Oder Fanshop der Globalisierung: Fußball, Raum und Ökonomie und Glanz und Globalisierung: Fußball, Medien und Kunst, zwei Ausstellungen in Dortmund, die sich dem "Phänomen Fußball" widmen, total kritisch natürlich, es geht um Migration, Wertschöpfung, Verflechtung, kulturelle Identität und soziale Trennung. Oder Inter Deutschland, eine CD mit 16 neuen Hymnen und Songs zur WM 2006. Oderoderoder.

Fußball sei zum "Totaltheater" geworden, hat der Schriftsteller Ror Wolf neulich resigniert und fasziniert zugleich gesagt, in einem Interview mit der tageszeitung (die steckt übrigens hinter der CD mit den neuen Hymnen). Wolf ist mit seinen Radio-Collagen aus den siebziger Jahren so etwas wie der Übervater aller Fußballkulturalisten; und obwohl er sich schon vor Jahrzehnten von der Bolzerei und ihrer seltsamen Sprachwelt zu lösen versuchte, trägt er noch heute die Bezeichnung Fußballpoet wie ein Schmerzensmann – leidend, aber ergeben. Schon er wurde die Geister, die damals noch Grabowski oder Hölzenbein gerufen wurden, so wenig los, wie wir heute das Ansaugen jeder vermarktbaren menschlichen Aktivität an den Fußball verhindern können. Wer zurzeit etwas zu sagen, schreiben, tanzen, singen, verändern oder zu verkaufen hat, bemüht sich um Metaphern, Symbole, Klänge, Repräsentanten aus jener Welt, in der 22Männer hinter einem Ball herlaufen.

Eine Zeit lang war die Kunstwerdung des Spiels erhellend, komisch, selbstironisch. Jetzt ist sie nur noch nervtötend. Bislang war der Feind des Fans die Fifa, der Fußballweltverband, der im Totaltheater gnadenlos Regie führt, schlechtes Bier ausschenkt und die kostbaren Plätze im Stadion an den meistbietenden Sponsor verschachert. Nun werden all die Trittbrettfahrer des Spiels zur Plage. Vor lauter guten Absichten haben sie uns dazu gebracht, dass wir uns nichts sehnlicher wünschen als endlich einmal einen Pass von Ronaldinho anschauen zu dürfen, ohne darüber nachdenken zu müssen, was er nun bedeutet.

Das Runde müsse ins Eckige, das sei das ganze Geheimnis des Spiels, hat Otto Rehhagel gesagt, den man Trainer auch nur noch mit dem Zusatz -philosoph nennen darf. Darauf freuen wir uns schon: wenn das einzig wahre Spiel endlich angepfiffen wird, am 9. Juni, 18Uhr.