Es ist nicht neu, dass es nützlich ist, jemanden zu kennen, der jemanden kennt, der eine Stelle oder einen Auftrag zu vergeben hat. Aber selten war es so leicht, verwertbare Kontakte aufzubauen und zu pflegen, wie mit openBC. Das Unternehmen aus Hamburg betreibt eine für jeden offene Kontaktbörse im Internet. Kontakte knüpfen per Computerplattform - ein Geschäft mit Zukunft? BILD

Max Kawaters junior, Headhunter bei mk3 Consulting Ltd. in Großbritannien, verrät: "Keiner spricht gerne darüber, denn wenn die Kunden herausfinden würden, wie einfach Headhunten mit openBC geworden ist, müsste man ja eventuell die Preise senken." Im vergangenen Jahr konnte Kawaters ein halbes Dutzend Positionen durch die gezielte Suche bei openBC besetzen. "Es ist einfach zu bedienen und bringt mehr Geld bei gleichzeitig geringerem Aufwand."

Der Erfolg von openBC ist enorm: Innerhalb von zweieinhalb Jahren meldeten sich mehr als eine Million Mitglieder an, die nach Angaben des Unternehmens monatlich im Schnitt 170 Internet-Seiten in der Kontaktbörse aufrufen. Daran zeigt sich, wie viele den Dienst intensiv für ihre Arbeit verwenden.

Der einfache Zugang ist kostenlos, doch ist der Nutzen eingeschränkt, weil man die Mitglieder damit nur nach Name, Ort oder Branche suchen kann. Erst wer 5,95 Euro im Monat für das Premium-Angebot zahlt, darf E-Mails an andere Premium-Kunden verschicken – was sinnvoll ist, will man openBC in großem Stil zur Kontaktaufnahme nutzen.

Lars Hinrichs, Gründer von openBC, sagt stolz, sein Unternehmen arbeite "bereits profitabel". In der Branche wird geschätzt, dass etwa 30 Prozent der Mitglieder ein Premium-Angebot nutzen, openBC also einen monatlichen Umsatz von fast zwei Millionen Euro erwirtschaftet. Doch das will Hinrichs nicht kommentieren.

Mehrere Investoren halten openBC jedenfalls für ein Unternehmen, das in absehbarer Zeit an die Börse gehen kann. Die Venture-Capital-Firma Wellington und eine Reihe von privaten Investoren haben vor einem halben Jahr 5,7 Millionen Euro in openBC investiert. Eric Archambeau, Partner bei Wellington, begründet die Investition mit dem Geschäftsmodell der Gründer, das hochprofitabel sei und sich auch für eine schnell wachsende Nutzerzahl eigne. So hätten sie sich rasch als "europäischer Markt- und Technologieführer" etablieren können. "Jetzt hat openBC die Chance, diesen Vorsprung weiter auszubauen und sich einen Milliardenmarkt zu erschließen." In den USA haben ähnliche Netzwerke heute schon eine weit größere Bedeutung als in Deutschland. Nach einer Studie von Mark Granovetter werden dort bereits drei Viertel aller Jobs über Business-Netzwerke vermittelt.

Der Wirtschaftsinformatiker Fabian Schneider aus Hamburg ist ein Beispiel dafür, wie das auch bei openBC funktioniert. Im September vergangenen Jahres hat Schneider sein Studium abgeschlossen. Über Studienkollegen hörte er von dem virtuellen Netzwerk. "Dort entdeckte ich in der Gruppe ›Absolventen – Gesuche und Angebote‹ ein Jobangebot meines jetzigen Kollegen Johannes Honold von der cimt AG." Schneider schrieb eine Mail und wurde schon wenige Tage später zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Jetzt hat er den Job.

Auf seiner virtuellen Visitenkarte bei openBC ist ein Foto von ihm zu sehen, dazu Stichworte zu den Dingen, die er sucht und anbietet, sowie seine Hobbys: Autos, Espresso, Tanzen, Joggen, Freunde, Lesen, Kochen, People Watching und Pasta. Seine Kontaktdaten wie Adresse und Telefonnummer bleiben den einfachen Mitgliedern verborgen. Doch kann er sie Premium-Nutzern auf Anfrage freigeben – wenn diese ihm eine Mail schicken und er den Kontakt erwidert. Zudem legt er bei jedem neuen Kontakt, den er in sein Adressbuch einträgt, fest, wie weit der Neue künftig in sein Adressbuch hineinschauen darf. Genau diese Adressbuchschau ist es denn auch, was Mitglieder an openBC am meisten interessiert.

So viele gut ausgebildete und oft gut verdienende Männer und Frauen locken natürlich auch diverse Verkäufer an, Versicherungsvertreter zum Beispiel, die mit Hilfe von openBC Kunden gewinnen wollen. Doch für den Gründer ist das Missbrauch, und er versucht ihn zu verhindern: "Spam und Multilevel-Marketing sind strikt untersagt." Es steht in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, und wer dagegen verstößt, wird ausgeschlossen. "Dieses strikte Vorgehen schätzen unsere Mitglieder sehr", sagt Hinrichs.