Siebeck Dr. Mabuse und seine MonsterSeite 2/2
Wahrscheinlich wird der Konsument auch den Dokufilm We Feed the World sehen, der diese Woche in die Kinos kommt, und ihm wird schlecht werden beim Blick in die Hühnermastanstalt. Und er wird betroffen sehen, wie sich eine vom Kutter gefangene Seezunge von einer unterscheidet, die schon drei Wochen im Netz hinter den riesigen Fischfabriken hergeschleppt wurde, denen nach EU-Beschluss das Monopol des europäischen Fischfangs zugeschustert wird.
Das Ende der individuellen Fischerei nämlich ist fixiert.
Dasselbe Bild in jeder Sparte der Landwirtschaft: Familienbetriebe werden systematisch durch Verordnungen zugrunde gerichtet, welche allein den industriell betriebenen Produktionsstätten Profit bringen. Ob dafür die Regenwälder erbarmungslos abgeholzt werden oder ob Peter Brabeck-Letmathe, der Chef von Nestlé, die Meinung vertritt, eigentlich sei Wasser ja ein Lebensmittel und müsse deshalb einen Marktpreis haben. Er denkt dabei wahrscheinlich an Nescafé oder Erdbeerjogurt.
Das ist die gleiche Denkart wie die der Firma Monsanto, die sich Soja, Mais, Reis und andere genetisch veränderte Nutzpflanzen patentieren lässt, um damit bei den Bauern den Zehnten zu kassieren wie im Mittelalter, als die Bauern noch Leibeigene waren.
Sie werden es bald wieder sein, wenn es nach den Mabuses in den Konzernen und Banken geht.
*Eine Besprechung des Kinofilms »We Feed the World« findet sich im Feuilleton auf Seite 42
- Datum 27.04.2006 - 14:00 Uhr
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- Serie Siebeck haupttext
- Quelle DIE ZEIT 27.04.2006 Nr.18
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