Gleiche Steuer für alle?Seite 3/3

Um die Firmenerben sorgt sich vor allem der Koalitionspartner CSU

Zündstoff bergen auch Nebenprodukte der Reform, etwa die Idee einer Abgeltungssteuer auf Zinserträge, durch die flüchtiges Kapital im Lande gehalten oder wieder zurückgelockt werden soll. Vor drei Jahren war Steinbrücks Vorgänger Hans Eichel mit dem Plan, Zinseinnahmen nur noch einer niedrigen Einheitssteuer zu unterwerfen, an parteiinternen Gegnern gescheitert, die darin eine »massive Entlastung der oberen Einkommensschichten« sahen.

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Politisch brisant ist auch die Reform der Erbschaftsteuer, die ein Jahr vor der Unternehmensteuerreform in Kraft treten soll: Erben mittelständischer Betriebe soll in zehn Jahresschritten die Steuerschuld erlassen werden, führen sie den Betrieb fort. Diese Vergünstigung widerspricht nicht nur dem Willen von SPD-Parlamentariern, die Erbschaftsteuer zu erhöhen, sondern auch Steinbrücks Sicht – die Sorge von Mittelständlern, dass die Nachfolge an der Erbschaftsteuer scheitert, ist für ihn »objektiv keineswegs« berechtigt. Aber die Reform ist ein Lieblingsprojekt der CSU und im Koalitionsvertrag fixiert.

Zu Besonnenheit bei der Reform hat Steinbrück angesichts der vielen widerstreitenden Interessen geraten: Die Politik solle sich »die notwendige Reifezeit nehmen«. Selbst will sich der Finanzminister indes nicht viel Zeit lassen. Anfang Mai will er Bundeskanzlerin Angela Merkel sein Modell präsentieren.

 
Leser-Kommentare
  1. Das sollte der Anfang sein - aber da geht niemand ran: nirgendwo wird die Bemessungsgrundlage künstlich so runtergerechnet wie bei uns. Da sind die formalen Hebesätze zu vernachlässigen. Alles andere ist Augenwischerei.
    Aber darüber wird nur ganz gelegentlich gesprochen - auch dieser Artikel streift das eigentliche Problem nur in einem kleinen Atemzug.
    Das tut niemandem weh. Gut so? Nein, eben nicht.
    Überhaupt: unser Steuerstaat ist noch völlig pleite durch die absolut unverantwortlichen rot-grünen Steuersenkungsorgien - jetzt dürfen die Belastungen (bei den Besitzenden, Vermögenden, der Wirtschaft) nur noch nach oben gehen. Heute schon wieder von "sprudelnden Steuereinnahmen" (die es für die Wirtschaft zu verbraten gilt) zu faseln, ist völlig verantwortungslos.

  2. Der Zug ist in weiten Bereichen doch längst abgefahren, seit auch der Mittelstand den Weg gen Osten gefunden hat.

    Ich arbeite in einem mittelständisches Unternehmen, Entwicklung und Fertigung von Elektronikbauteilen.

    2000 : rd.180 MA in Deutschland
    2005 : 114 MA in Deutschland, rd. 350 MA in Estland

    Für 12/2007 geplant : Schliessung der Produktion in Deutschland. Lediglich der Vertrieb bleibt (zunächst) erhalten. F+E wird (zunächst) als eigenständiges Unternehmen weitergeführt. Ob wir überhaupt überleben können, steht in den Sternen.

    Deutsches Steuerrecht etc. interessiert unsere Geschäftsleitung nach eigenem Bekunden schon heute kaum noch. Mir wurde gesagt, man habe einfach keine Lust mehr, sich mit der verfahrenen Situation in Deutschland auseinanderzusetzen.

    Schönen Tag noch.

  3. Statististische Aufbereitung der Zahlen ist eine Sache, die Interpretation eine andere.

    1. Aus der Betrachtung des Verhältnises Gewinne der Dax-Unternehmen/Körperschaftssteueraufkommen aller Unternehmen die gesamte Steuerebelastung aller Unternehmen als zu niedrig zu werten, ist unvollständig.

    Ein Grund unter vielen könnte die große Ungleichverteilung der Gewinne sein. Wenn die meisten auf den Binnenmarkt beschränkten Unternehmen die letzten Jahre mit einem mageren Ergebnis abgeschlossen und nur die international tätigen Unternehmen nennenswerte Gewinne gemacht haben, sagt das Verhältnis nur wenig aus. Desgleichen muß berücksichtigt werden, daß die Zahl Kapitalgesellschaften die vielen Verwaltungsgesellschaften der GmbH &Co.KG und Ein-Personen-GmbH im unteren Gewinnsegment beinhaltet.

    2. Wir können uns drehen, wie wir wollen. Entscheidend sind die Steuersätze im internationalen Vergleich. Bei zunehmender Technisierung der Verwaltungsabläufe stehen die Verlagerung aller Vorgänge, die sich auf PC übertragen lassen zu befürchten. Denn die Länder Tschechien, Slowakei, Kroatien, Slowenien verfügen über deutschsprachiges und immer besser ausgebildetes Personal bei niedrigeren Lohnkosten und Steuersätzen.

    korfstroem

    • sbo78
    • 02.05.2006 um 1:19 Uhr

    Die wichtigste Reform des Steuerrechts wäre es, den Paragraphendschungel zu lichten. Auch auf die Gefahr hin, dass viele Vergünstigungen (die oft gerechtfertigt sind!) wegfallen würden.

    Dann hätte man ein einfaches, durchschaubares System mit weniger Gestaltungsspielräumen vor allem für große, internationale Unternehmen. Und könnte sich daran machen, die Steuersätze so festzulegen, dass das Aufkommen an sich gleich bleibt - unter den Unternehmen jedoch gerechter (am tatsächlichen Gewinn bemessen) verteilt wird.

    Da Kapital insgesamt sehr flüssig ist, gilt es auch darauf zu achten, dass die Belastung international wettbewerbsfähig ist. Obwohl das zwangsläufig ungerecht ist, weil hohe Einkommen dadurch eine für deutsche Verhältnisse zu geringe Steuer zahlen würden.

    Wie wäre es, wenn man Gewinne erst besteuert, wenn sie ausgeschüttet werden oder ins Ausland fließen? Dann stünden die Gewinne für Investitionen steuerfrei zur Verfügung und könnten in folgenden Jahren höhere Gewinne erarbeiten - die dann bei Ausschüttung an die Anteilseigner besteuert würden. Hier eine gerechte und umsetzbare Lösung zu finden dürfte allerdings schwer bis unmöglich sein - also fangen wir besser erstmal mit obigem an!

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