Kino Blut, Rauch, SchwefelSeite 3/3

Glawogger und Thaler haben einen empathischen, nie überheblichen Blick. Die kunstvolle Komposition ihrer Bilder bleibt diesseits der Grenze zu einer Ästhetisierung, welche die Menschen nur funktionalisieren würde. Immer wieder stoßen sie auf Momente, in denen sich Vergangenheit und Gegenwart brechen; etwa wenn der gleiche Schwefelarbeiter, der eben noch seine Angst vor Unfällen mit einem Ziegenkopfopfer vertrieben hat, nun von Bon Jovi schwärmt und auf seinem Vulkan für europäische Wandertouristen posiert.

 

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Die Härte ihrer Beobachtungen unterstreichen Regisseur und Kameramann mit symbolischen Farben: dem trügerischen Rosa der Morgens, wenn die Arbeit beginnt. Dem Schwarz-Grau der tristen ukrainischen Landschaft. Dem giftigen Gelb-Grün des Kraters. Dem Schwarz-Rot von Fleisch und Asche, Blut und Tod in Nigeria.

Ein ganz anderes Farbspiel zeigt ihr Epilog. Aus dem Stahlwerk in Duisburg ist die Industriearbeit verschwunden. Während man den bunten Strahlen eines Lichtkünstlers auf dem mächtigen Gebäudekoloss folgt und dem Lachen der Freizeitgesellschaft auf Arbeiterkulturstätten-Besichtigung, schießt einem unwillkürlich der Satz der Ukrainerin in ihrer Kohlenmine durch den Kopf, die es auch einmal anders gekannt hat: »Alles wird geschlossen. Alles zerfällt.« Und die Frage drängt sich auf: Wie lange noch werden wir Profiteure einer nur vermeintlich »entmaterialisierten« Wirtschaft bleiben, die auf der Schufterei anderswo gründet und auf Entwurzelung?

 
Leser-Kommentare
  1. Dass die Urwälder die "Lunge der Welt" sind ist ein Mythos!! Die Ozeane sind diejenigen, die den meisten Sauerstoff produzieren. Was natürlich nicht heißen soll, dass man (Ur-)Wälder deswegen nicht/weniger schützen sollte...

    • Akaer
    • 03.05.2006 um 10:05 Uhr

    die beschriebenen Filme, oder zumindest der eine, "We feed the world", leiden offenbar immer noch unter der alten Schwäche ihrer Vorgänger: der, wie es die Autorin so schön nannte, "bruchlosen Empörung, die unter der scheinbaren journalistischen Lakonie der Szenen brodelt" - oh wie ich das hasse. Natürlich ist kein Film, kein Buch, kein Artikel objektiv, natürlich wird er immer vom Erkenntnisinteresse des Schaffenden geprägt - aber ist denn niemand in der Lage, einen nüchternen, eben "journalistisch lakonischen", aufklärenden Film zu drehen, den ich mir ebenso gerne ansehen würde wie mir bei den anderen die Wut hochkommt. Ich kann diesen sozial-selbstgerecht-moralisierenden Ton sowenig vertragen, dass ich den sicherlich sehr wichtigen und erklärenden Inhalt des Films gar nicht mehr wahrnehmen kann - wie soll man auch? Sobald man merkt, dass der Filmmacher ungefähr so neutral und klar denkend ist wie einer der versucht sein brennendes Haus zu löschen, kann man doch gar nicht anders als nichts so zu akzeptieren, wie es einem gezeigt wird. Und das wars dann. Ich finde, man dürfte sowas nicht Dokumenatrfilm nennen. Nennt es Betroffenheitsfilm, und dann lasst jemanden an euer Material der kein Herz und kein Gefühl kennt, und der darf dann die Doku schneiden. Dann gehen Leute wie ich auch wieder in solche Filme.

  2. We feed the world ist beeindruckend sachlich - ja, das hatte ich nicht erwartet. Ich hatte zu diesem Thema schon so viele überzogene oder tendenziöse Filme, so viele fast missionarischen Worte und skandalheischenden Bilder gesehen. Hier aber sprechen die Worte und Bilder ihre eigene, ruhige, authentische und deutliche Sprache. Man muss eben nur sehr genau hinsehen und hinhören. Der Film ist nichts für nebenbei. Er sagt auch nicht: Geh raus und mach es so und so; dafür ist die Situation viel zu komplex. Darin besteht also die Herausforderung: Ursachen und Zusammenhänge erkennen und verstehen - und erst dann reden und losgehen und daran arbeiten, dass nicht alles so bleibt, wie es ist, weil es nicht so bleiben kann. Der Film sollte m.E. übrigens allen Schülerinnen und Schülern in zehnten Klassen gezeigt werden, damit sie ein wenig davon verstehen, wie die Welt um sie herum funktioniert und sie wissen, welche Folgen ihre persönlichen Entscheidungen haben können.

  3. Hallöle!

    Hab ich gerade entdeckt:

    Die Indie-Filmplattform www.realeyz.tv sponsert zum 15-jährigen Bestehen der Filmzeitschrift "Schnitt" den preisgekrönten Michael Glawogger Film WORKINGMAN'S DEATH. Den Film kann man sich kostenlos online ansehen auf http://www.schnitt.de/str...

    :)

    MC

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