DIE ZEIT : Herr Assauer, wer sind Ihre Helden? BILD Von 1964 bis 1970 spielte er in Dortmund, von 1970 bis 1976 in Bremen. Seit Beginn der achtziger Jahre wirkt er – mit einer Unterbrechung – im Management des FC Schalke 04. Sein größter Erfolg als Manager war der Gewinn des Uefa-Cups 1997, als Spieler gewann er 1966 den Europapokal der Pokalsieger. Deutscher Meister wurde er nie. Assauer hat zwei erwachsene Kinder, seine Lebensgefährtin ist die Schauspielerin Simone Thomalla

Rudi Assauer : Di Stéfano, das war der absolute Superheld für mich. Alfredo Di Stéfano, der perfekte Spieler. Der hat vorne gespielt und Tore gemacht, im Mittelfeld gespielt, in der Abwehr gespielt, der konnte alles. Der Größte.

ZEIT : Di Stéfanos glanzvolle Zeit bei Real Madrid reichte bis in die Mitte der sechziger Jahre. Sie wuchsen damals in Herten auf, nicht weit von hier, und Ihre Karriere als Fußballprofi begann bei Borussia Dortmund, auch ganz in der Nähe. Können Sie den Rudi Assauer von damals beschreiben?

Assauer : Tja, wie war ich…?

ZEIT : Wie war zum Beispiel Ihre Frisur?

Assauer : Wie jetzt auch. Das heißt: Nein, ich hatte auch mal einen Scheitel. Ich habe immer kurze Haare getragen. Nein, das stimmt nicht ganz. Einmal habe ich lange Haare getragen.

ZEIT : Wer hat aus Rudolf damals Rudi gemacht?

Assauer : Solange ich mich erinnern kann, haben alle »Assi« geschrien, gar nicht Rudi und Rudolf erst recht nicht.

ZEIT : Ihre Mutter und Ihr Vater haben auch »Assi« geschrien?

Assauer : Nein, manchmal hat meine Mutter Rudi gesagt, und wenn es ernst wurde, sagte sie: Rudolf! Mein Vater hat immer gesagt: »Sohnemann, komm her.« Der hat nie meinen Vornamen gerufen, das fällt mir erst jetzt im Nachhinein auf.

ZEIT : Und die Mädchen? Haben die Rudi gesagt?

Assauer : Rudi, ja. Da hat keine Rudolf gesagt.

ZEIT : Wissen Sie noch, wann Schalke zuletzt deutscher Meister wurde?

Assauer : Ich glaube 1958, da war ich 14 Jahre alt.

ZEIT : Werden Sie Ihr Lebenswerk für unvollendet halten, wenn Sie mit Ihrem Verein keine Meisterschaft mehr erleben sollten?

Assauer : Es wäre schon schön, wenn es noch käme.

ZEIT : Und wenn nicht?

Assauer : Ich habe im Fußball so viel mitgemacht. Als Spieler bin ich mal Europapokalsieger geworden, das reicht ja. Mir fehlt nichts.

ZEIT : Und wenn Sie von August an nicht mehr Manager, sondern Präsident des FC Schalke sind…

Assauer : Ach Gott, hören Sie auf damit…

ZEIT : Denken Sie manchmal an Ihre Zukunft als Präsident?

Assauer : Woran soll ich denken?

ZEIT : Daran, dass der Trainer bei Ihrem Morgenappell bald sagt: »Guten Tag, Herr Präsident!«

Assauer : Es gibt viele Überraschungen im Leben. Erst muss ich unterschrieben haben, dann gucken wir mal.

ZEIT : Sobald Sie einen Trainer einstellen, wissen Sie im Grunde bereits, dass Sie ihn einmal entlassen werden. Fürchten Sie sich vor dem Tag, an dem Ihnen dasselbe passiert wie bislang Ihren Trainern?

Assauer : Fürchten? Nein.

ZEIT : Dann kommt jemand zu Ihnen und sagt: »Assi, es geht nicht mehr.«

Assauer : Was meinen Sie, wie viele Leute immer an meinem Stuhl kratzen und machen und tun, um meine Position einzunehmen? Das können Sie sich gar nicht vorstellen. Ob es alte Kumpels sind oder nicht – sie kratzen.

ZEIT : Nur dass Sie sich sehr sicher fühlen.

Assauer : Ich bin noch so klar in der Birne, dass ich frühzeitig weiß, wann der Tag gekommen ist, an dem ich aufhöre. Ich sage mir manchmal: Assi, du hast genug gearbeitet, jetzt lässt du alles los, und das machen jetzt die anderen.