Interview "Ich bin noch klar in der Birne"Seite 5/5

ZEIT : Sie mussten viele unangenehme Gespräche führen, vor allem mit Trainern, die Sie entlassen haben. Ist die Situation am Ende immer ähnlich?

Assauer : Nein, da gibt es riesige Unterschiede. Der Erste, den ich hier habe rausschmeißen müssen, war Helmut Schulte. »Pass auf, wir stehen kurz vor dem Abstieg, es geht nicht mehr«, habe ich ihm gesagt. »An deiner Stelle würde ich genauso handeln«, hat er geantwortet. Auch zu dem Trainer Jörg Berger ist mein Verhältnis heute noch gut. Jupp Heynckes ist leider ein negatives Beispiel. Er hat den Kontakt zu mir völlig abgebrochen. Genauso wie der Trainer Ralf Rangnick. Es gibt Leute, die am Ende die beleidigte Leberwurst spielen.

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ZEIT : Nimmt Sie ein solcher Rausschmiss manchmal persönlich mit?

Assauer : Das tut immer weh, weil ich es ja bin, der die Trainer hierher geholt hat. Wenn es dann mit einem nicht klappt, bin ich ja beteiligt an dieser Niederlage.

ZEIT : Ist Ihnen die Gefahr klar, dass Sie in Ihrer Position zu mächtig werden können?

Assauer : Ja. Und wenn man diese Macht dann ausspielt, wird es gefährlich.

ZEIT : Entdecken Sie an sich solche Züge?

Assauer : Na ja, vor Jahren schon, ja. Es ist immer das alte Lied: Wenn es einem Verein dreckig geht, dann wollen sie damit alle nichts zu tun haben. Geht es einem Verein gut, dann kommen sie alle raus aus den Löchern und sagen, sie würden gerne mitmachen. Die wollen nur das, was man erreicht hat, schön weiter verwalten.

ZEIT : War Reiner Calmund, der frühere Fußballmanager von Bayer 04 Leverkusen, zu mächtig?

Assauer : Calmund hat sicherlich überzogen, der hatte ja in Leverkusen einen Freifahrtschein. Das wird jetzt für ihn zu einem Bumerang.

ZEIT : Staatsanwälte ermitteln gegen ihn. Er soll Geld aus der Vereinskasse für undurchsichtige Geschäfte abgezweigt haben. Können Sie sein Bedürfnis nach Machtfülle nachvollziehen? Verstehen Sie ihn?

Assauer : Ich verstehe ihn, ja, ich kann aber seine Arbeit nicht beurteilen. Natürlich hat er Bayer Leverkusen nach oben gebracht, die Frage ist aber: zu welchem Preis?

ZEIT : Auf Sie wird auch gezielt. Kürzlich hat der Sportmoderator Jörg Wontorra in einer Sendung erzählt, Sie hätten ein Alkoholproblem. Später hat er sich dafür entschuldigt. Hat der Angriff Sie getroffen?

Assauer : Da draußen gibt es viele Ratten. Viele, die versuchen, einem ans Bein zu pinkeln. Ich hätte nach diesem Vorfall mit Wontorra ja sagen können: Der fliegt raus, der Jörg Wontorra. Die vom Fernsehsender haben mich angerufen und gesagt: Sie können entscheiden. Wenn Sie sagen »Weg«, dann fliegt er. Aber dann habe ich die vom Sender gefragt: Was für Chancen hätte der noch, wenn er raus wäre? »Keine mehr in Deutschland«, haben die vom Sender gesagt.

ZEIT : Hat Wontorra sich persönlich bei Ihnen entschuldigt?

Assauer : Ja, kurz nach der Sendung. »Ich habe vielleicht eine Scheiße gebaut«, hat er zu mir am Telefon gesagt. »Das glaube ich auch, dass du Scheiße gebaut hast«, habe ich geantwortet, »das kannst du nie wieder gutmachen. Wie kannst du so was über mich behaupten?« – »Assi«, hat Wontorra gesagt, »ich war ja so von der Rolle.« Ich: »Vielleicht warst DU die ganze Nacht unterwegs«.

ZEIT : Haben Sie ihm verziehen?

Assauer : Ich habe ein großes Sportlerherz.

ZEIT : Assauer, der gute Pate von Gelsenkirchen.

Assauer : Warum soll ich einen abschießen? Dann lieber nachdenken, was klüger ist.

ZEIT : Und wie viel Arbeit verwenden Sie morgens nach dem Duschen auf Ihre Frisur?

Assauer : Überhaupt keine! Da gehe ich einmal mit der Bürste drüber, dann Gel rein und auf Wiedersehen.

ZEIT : Kaum zu glauben.

Assauer : Ach, in meinem Alter braucht man nicht mehr eitel zu sein. Wie lange kenne ich die Thomallasche jetzt? Fünf Jahre. Seit fünf Jahren war ich nicht mehr beim Frisör.

ZEIT : Frau Thomalla schneidet Ihre Haare?

Assauer : Ja sicher. Ist doch das Beste. Sie macht das sehr gut, muss ich sagen. Ob sie als Schauspielerin auch so gut ist? Ich glaube ja, obwohl ich nicht viele Filme gesehen habe. Aber Haare schneiden kann sie jedenfalls.

Das Gespräch führten Stephan Lebert und Stefan Willeke

 
Leser-Kommentare
  1. Herr Assauer hat etwas womit er alle anderen an die Wand spielt:Charme und den ohne Floskeln, wie so manch anderer in seiner Position.

    Hoffentlich bleibt er dem FC Schalke noch lange erhalten und wird mit ihm Meister. Zu wünschen ist es diesem Mann auf jeden Fall.

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