Ausländer sind in Deutschland derzeit nicht sonderlich populär. Sechs von zehn Deutschen finden, es lebten zu viele Fremde im Lande, drei von zehn wollen sie in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit ausweisen, etwa jeder Zweite fürchtet wachsende Konflikte.

Aber wer sind diese Objekte kollektiver Ablehnung?

Sicher, die Statistikämter erhoben brav ihre Daten: Arbeitslosigkeit, Ehestand, Bildungsabschluss, Kriminalstatistik – all das lässt sich säuberlich getrennt für Inhaber deutscher und fremder Pässe nachlesen. Was aber wirklich geschieht, auf dem Arbeits- und auf dem Wohnungsmarkt, in den Moscheen und in den Köpfen dieser Fremden in unserer Mitte, das ist weitgehend unerforscht.

Auf dieser und der folgenden Seite der ZEIT sind Daten über Ausländer und Deutsche fremder Herkunft oder Abstammung zusammengefasst. Nicht jede Zahl ist exakt, gelegentlich fließen Schätzungen oder Hochrechnungen auf unsicherer Datenbasis ein. Zusammen aber repräsentieren sie den Stand des verfügbaren Wissens. Wer über Ausländer mitreden will, sollte es zur Kenntnis nehmen.

Welches Bild ergibt sich daraus?

Einerseits ist es gerade für viele Türken und ihre Nachkommen das Bild einer typischen Unterschichtsgruppe mit den typischen Problemen. Niedrige oder vollständig fehlende Schulabschlüsse, niedrige Einkommen, niedriger Sozialstatus mit einer entsprechend schlechten Ausgangslage für die Kinder. In Berlin-Neukölln beispielsweise, wo selbst unter den Kindern deutschsprachiger Eltern fast jedes fünfte beim Schuleintritt nicht richtig Deutsch spricht, gilt dasselbe für mehr als zwei Drittel der Ausländerkinder. Kein Wunder, dass die Arbeitslosigkeit unter den Berliner Türken bei 40 Prozent liegt.

Andererseits sind da die vielen Selbstständigen unter den Zuwanderern, die einer aktuellen Studie des Mannheimer Instituts für Mittelstandsforschung zufolge härter arbeiten als ihre deutschen Konkurrenten, die zur Unternehmensgründung seltener staatliche Hilfe in Anspruch nehmen und stattdessen auf Kapital und unbezahlte Arbeit ihrer Familienangehörigen setzen. Und da ist das Heer der Billigjobber, die für wenig Geld die Arbeiten übernehmen, die in Deutschland außer ihnen niemand machen will.

Und noch eine überraschende Erkenntnis: Alles in allem, so lautet der Befund einer Untersuchung des Sachverständigenrats für Zuwanderung und Integration, sind die Deutschen unterm Strich Nutznießer der Immigration. Sie profitieren, trotz der hohen Arbeitslosigkeit unter den Ausländern und den damit verbundenen hohen staatlichen Ausgaben, mehr von deren Steuerzahlungen und Sozialversicherungsbeiträgen als jene umgekehrt vom Geld der Deutschen.

Die Isolation der Einwanderer übrigens, die ihren Kindern so nachhaltig den Zugang zur deutschen Sprache verbaut, ist nicht immer selbst gewählt. Jedenfalls unter den Türken hätte über die Hälfte gern mehr Kontakt zu Deutschen.

Und die Kriminalität? Die Zwangsehen? Der islamistische Terrorismus?

Wiederum ergibt sich ein zwiespältiges Bild. Selbstverständlich werden junge Türkinnen zwangsverheiratet. Aber wie oft – darüber gibt es keine belastbaren Zahlen. Zudem: Ausländische Frauen sind weitaus häufiger als deutsche Opfer von Gewalt innerhalb ihrer Familien. Dem entspricht ein beunruhigendes Maß an Zustimmung zu dem, was der Kriminologe Christian Pfeiffer »Gewalt legitimierende Männlichkeitsnormen« nennt, und ein deutliches Übergewicht der Südosteuropäer unter den jugendlichen Intensivtätern.

Die Sicherheitsbehörden zählen in Deutschland 24 islamistische Organisationen mit schätzungsweise 31800 Anhängern. Die größte Gruppe unter ihnen ist die türkische Vereinigung Milli Görüs. Sie lehnt zwar Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele ab, propagiert aber einen politischen Absolutheitsanspruch des Islams. Gleichwohl, Befürworter archaischer Körperstrafen für Diebe oder Ehebrecherinnen findet man unter Deutschlands Muslimen kaum. Deutschlands Türken sind einer Umfrage der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung zufolge sogar entschiedenere Anhänger der Demokratie als die Deutschen selbst. DZ

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