Umwelt Das Ende der Gemütlichkeit

Holzöfen sind eine beliebte Alternative zu Öl- und Gasheizungen. Doch sie setzen gewaltige Mengen an Feinstaub frei. Das torpediert sämtliche Bemühungen zur Reinhaltung der Luft

Wie lange brennen 50 Euro? Mit dieser Frage wirbt der Briketthandel, um »Verbrauchern einen Ausweg aus der Kostenfalle« zu zeigen. Für 50 Euro, so rechnet die RWE-Tochter Rheinbraun auf ihrer Internet-Seite (www.heizprofi.com) vor, ließe sich ein Durchschnittshaus mit Heizöl sieben Tage lang beheizen, mit einem Gasbrenner acht Tage und mit Braunkohlebriketts volle elf Tage. Die Geiz-ist-geil-Nation hat begriffen: Omas Ofen ist nicht nur urgemütlich, sondern auch extrem billig. Und der Brennstoff Holz, am besten selbst gefällt und gesägt, ist sogar noch günstiger als die Brikettfuhre.

»Der Festbrennstoffmarkt boomt. Die Geräteindustrie hat Lieferzeiten«, jubelt das Fachblatt Brennstoffspiegel. Das Geschäft mit Kettensägen und Öfen floriert. Dübelgroße Presslinge aus Holzspänen, so genannte Pellets, waren im Winter vielerorts ausverkauft (siehe Grafik nächste Seite). Der Brikettabsatz beim Marktführer Rheinbraun ist »im ersten Quartal 2006 um ein Drittel gestiegen«, sagt dessen Marketingfachmann Heinz Zollner. Beim Scheitholz, das Rheinbraun ebenfalls verkauft, lag der Zuwachs sogar bei 50 Prozent. »Er hätte auch höher ausfallen können«, sagt Zollner, »aber wir waren ausverkauft.« Der Experte für Festbrennstoffe schätzt den jährlichen Absatz in Deutschland auf etwa 800000 Tonnen Briketts und 13 Millionen Tonnen Holz.

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Die Abgase aus den Öfen könnten mehr als 20 000 Tote jährlich fordern

Der kollektive Drang zur sparsamen Gemütlichkeit beim Heizen hat jedoch auch Schattenseiten. So starben im ersten Vierteljahr 2006 allein in Norddeutschland zehn Menschen beim Kaminholzschneiden – durch falsches Hantieren mit Motorsägen. Hinter dem traurigen Rekord verbirgt sich ein Vielfaches an schweren Verletzungen. Um solche Selbstverstümmelungen zu verhindern, fordert Friedbert Bombosch von der Fachhochschule Göttingen dringend eine Aufklärungsoffensive.

Doch ungleich gefährlicher als lärmende Kettensägen sind die lautlosen Abgase aus den Öfen. Wissenschaftler warnen, dass Holz- und Kohleöfen nicht nur Gifte wie Dioxin, Teer und krebserregende Kohlenwasserstoffe (PAH) produzieren, sondern auch kilotonnenweise heimtückische Feinstäube – Letzteres sogar in derselben Größenordnung wie sämtliche Verbrennungsmotoren im Verkehr. Und dies würde pro Jahr mehr als zwanzigtausend Tote und Zigtausende Erkrankungen allein in Deutschland bedeuten.

Im März veröffentlichte das Umweltbundesamt (UBA) die neuesten Zahlen zu diesen »Nebenwirkungen der Behaglichkeit«. Danach schleudern allein die Kamine und Holzöfen von Haushalten und Kleingewerbe 24000 Tonnen gesundheitsschädlichen Feinstaub in die Luft – alle Motoren von Pkw, Lkw und Motorrädern zusammen bringen es auf »nur« 22700 Tonnen. Deshalb fordert das UBA, der Ausstoß von Feinstaub aus kleinen Holzfeuerungsanlagen müsse »drastisch abnehmen«.

Doch das Gegenteil ist der Fall, der Ausstoß steigt. So geht aus den UBA-Daten hervor, dass die Feinstaubemissionen aus Holzöfen seit 1996 kontinuierlich zugenommen und sich verdoppelt haben. Dieser Anstieg wurde jahrelang kompensiert durch sinkenden Staubauswurf aus Kohleöfen – Heizen mit Briketts galt als DDR-Hinterlassenschaft, der nur Ewiggestrige huldigten, denen Kohledreck, Aschestaub, Gestank und Schlepperei schnuppe waren.

Heizen mit Holz dagegen gilt als CO2-neutral und klimaschonend. Und da man auch den Armen nicht ihre Kohleöfen verbieten wollte, herrschte über allen Schornsteinen politische Ruhe, aus ökosozialen Gründen. Dies erweist sich nun als fataler Irrtum. Wegen horrender Öl- und Gaspreise erfahren Holz und Kohle eine ungeahnte Renaissance – sie werden mittlerweile durch mehr als zehn Millionen Ofenrohre verfeuert und führen verkehrspolitische Maßnahmen zur Feinstaubreduktion wie Rußfilter oder Tempolimits ad absurdum. Auch wer sonntags für die ganze Familie Koteletts und Chicken-Wings über Kohleglut oder Birkenscheit brutzeln lässt, verdankt seinen inneren Frieden der Ahnungslosigkeit. Mit jeder Freiluftschlemmerei bringt er Myriaden Staubpartikel in Umlauf – eine Gasetagenheizung schafft nicht einmal in einem ganzen Jahr so viel.

Was die Liebe zu urigen Feuertechniken bewirkt, das verdeutlichen Zahlen aus dem baden-württembergischen Umweltministerium. Der Standard für Ute Maier, dort zuständig für Immissionsschutz, sind die saubersten Hausheizungen, nämlich jene mit Gas. Dann rechnen sie und ihr Kollege Oskar Grözinger vor, wie viel mehr Dreck andere Brennstoffe für die gleiche Energiemenge verursachen. »Kleinfeuerungsanlagen geben mit extraleichtem Heizöl etwa 60-, mit Kohle etwa 1800- und mit Holz etwa 3500-mal mehr Feinstaub ab« als Gasheizungen, mahnten die beiden im Oktober vergangenen Jahres auf einem Holzfeuerungskolloquium an der Universität Stuttgart.

Auf dem Kolloquium wurde deutlich, dass Holz ein äußerst komplexer und entsprechend verschmutzungsträchtiger Brennstoff ist. Im Gegensatz zu Gas, das chemisch klar definiert ist und sauber verbrennt, besteht Holz aus einer Fülle von Naturstoffen, aus Salzen, die in der Asche oder im Feinstaub landen, aus Fetten, Eiweißen, Zuckern, Harzen, Wachsen, Terpenen und Phenolen. Hauptbestandteile sind Zellulose, Lignin und viel Wasser. Letzteres muss vor dem Verbrennen erst einmal verdampfen, gleichzeitig entsteht eine Fülle brennbarer Gase. Pyrolyse heißt dieser Prozess, bei dem sich pech- und teerartige Destillate aus Hunderten verschiedener Stoffe bilden, chemisch ein finsteres Gebräu. Erst wenn dieses verbrannt oder verdampft ist, liegt Holzkohle vor.

Die Pyrolyse, auch Verschwelen oder Verkoken genannt, überließ man früher den Köhlern, die ihre stinkenden Meiler im Wald zu betreiben hatten. Auch die Holzkohle ist kein reiner Kohlenstoff, sondern ein Gemisch aus vielen organischen Verbindungen, das weitgehend flammenlos unter reichlich Grillgeruch verbrennt. Als Grundregel gilt: Wenn Holzheizungen rauchen und riechen, dann produzieren sie viele Feinstäube. Gleiches gilt für die jetzt wieder angefeuerten Holzgrills – wenn sie qualmen und duften, staubt es tüchtig.

An Staubschleudern prangt das Ökozertifikat »Blauer Engel«

Da Rinde anders verbrennt als Weich- oder Hartholz, da dicke Scheite anders ausgasen als dünne Hackschnitzel oder gar kleine Pellets und Sägemehl, ist Holz ein anspruchsvolles Heizmaterial, das möglichst in die Hände von Profis gehört und in Kessel, die speziell auf das Brenngut zugeschnitten sind.

Doch just das Gegenteil ist der Fall: Meist verheizen feuerungstechnische Dilettanten Holz unterschiedlichster Qualität in primitiven Öfen. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass ein einziger durchschnittlicher Privatheizer mit seinem meist alten Holzofen die Luft stärker belastet als die 3000 (überwiegend modernen) Gasheizungen einer ganzen Kleinstadt.

Dabei räuchern unsere neuzeitlichen Holzköhler ganz legal. Die weitaus meisten Kamin-, Kachel- oder Küchenöfen haben nämlich eine Wärmeleistung unter 15 Kilowatt. »Für solche Anlagen gibt es bisher keine Grenzwerte«, konstatiert das UBA trocken. Deshalb fordert das Amt eine rasche Änderung der 1. Bundes-Immissionsschutzverordnung, kurz 1. BImSchV genannt, die den Betrieb kleiner und mittlerer Feuerungsanlagen regelt. Diese Verordnung, da sind sich alle Fachleute einig, ist völlig überholt und stammt aus einer Zeit, als man Feinstaub gesundheitspolitisch noch gar nicht kannte, sondern allenfalls als lästige Ablagerung auf alten Akten.

Inzwischen hat sich der Wind kräftig gedreht. Verschärfte Vorschriften der EU führen zu massiven Überschreitungen der Grenzwerte für Feinstaub in der Luft, vor allem in verkehrsreichen Städten. Dies zwingt die Kommunen, Luftreinhaltepläne zu entwickeln und in den Verkehr einzugreifen, mit Tempolimits oder Sperrungen ganzer Straßen. Doch dies erweist sich oft als enttäuschend wenig wirksam, insbesondere bei so genannten Inversionswetterlagen im Winter. Dann können die Schadstoffe nicht wie üblich kilometerweit nach oben aufsteigen, sondern sammeln sich in einer Dunstglocke in den untersten hundert Metern. Aus diesem Grund kam es auch in deutschen Städten im vergangenen Winter zu massiven Feinstaubbelastungen, Ende April hatten bereits 16 Städte das zulässige Jahreslimit überschritten.

Besonders heftige Diskussionen gab es jüngst in der Schweiz. Dort hatten elf Kantone auf Autobahnen ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern verfügt. Fast gleichzeitig sorgten Messungen des überwiegend staatlich finanzierten Paul-Scherrer-Instituts (PSI) für Aufsehen. »Holzfeuerungen bezüglich Feinstaub unterschätzt«, lautete die Botschaft, die europaweit Konsequenzen haben dürfte.

Mit präziser Detektivarbeit haben Atmosphärenchemiker des PSI analysiert, woher die Feinstäube in zwei Schweizer Bergdörfern stammen: ob von den nahen, international bedeutenden Autobahnen oder aus heimischen Schornsteinen. In dem Dorf Roveredo an der San-Bernardino-Achse kamen sie zu einem frappierenden Ergebnis: »Im Dezember war der Anteil aus Holzfeuerungen vier- bis sechsmal größer als jener aus fossilen Quellen.« Im Klartext: Die Dörfler staubten mehr als der Autobahnverkehr. Messungen anhand von radioaktivem Kohlenstoff (C14) haben die stillen Holzstinker entlarvt.

Die Atmosphärenchemiker nutzten hierzu die bewährte Radiokarbonmesstechnik zur Altersdatierung. Frisches Holz enthält C14, den der Baum aus der Luft durch Fotosynthese aufgenommen hat. Beim Verbrennen entstehen daraus Ruß oder kohlenstoffhaltige Partikel, auch diese strahlen schwach. Anders hingegen Benzin- oder Dieselpartikel. Sie stammen aus fossilem Erdöl. C14 zerfällt nämlich in 5730 Jahren jeweils zur Hälfte, nach Millionen Jahren ist es vollständig verschwunden. Quillt also Ruß aus dem Auspuff, dann strahlt dieser überhaupt nicht.

Zusätzlich überführten die Wissenschaftler die Holzheizer mit chemischen und physikalischen Analysen. So entsteht bei der Holzverbrennung durch Pyrolyse aus Zellulose reichlich Levoglucosan. Verbrennungsmotoren produzieren diesen Stoff nicht. Und siehe da, es war viel Levoglucosan in der Bergluft. So fanden die PSI-Forscher auch an der Station Moleno der Gotthardautobahn die Spur der benachbarten Heizer. Obwohl deren Feuerstellen von der Messstation weiter entfernt waren als die nahe Autobahn, übertrafen auch sie zeitweise die Verkehrsemissionen. Auf der Basis solcher Resultate vermuten die Schweizer Forscher, »dass der Beitrag der Holzfeuerungen zu den hohen Feinstaubemissionen in der Schweiz und Europa teilweise klar unterschätzt wird«.

Trotz harscher Kritik an den bestehenden Öfen sind sich alle Forscher einig, dass eine klimaneutrale und saubere Nutzung der Holzenergie wichtig bleibt. Das Umweltbundesamt vergibt sogar für manche Holzpelletheizgeräte den »Blauen Engel«. Im Vergleich zu vielen anderen Dreckschleudern auf dem Ofenmarkt mag dies plausibel erscheinen, dennoch führt es gutgläubige Verbraucher in die Irre. Die Vorstellung, dank Blauem Engel könne man reinen Gewissens die vergleichsweise sauberen Pellets verheizen, erweist sich angesichts der strengen Maßstäbe im Straßenverkehr als naiv. Pelletheizungen sind immer noch schmutziger als moderne Dieselmotoren ohne Partikelfilter.

Jeder empfände es als schlechten Witz, würden filterlose Dieselautos mit einem Umweltengel ausgezeichnet. Das weiß man auch im UBA. So schreibt das Amt zu Holzpelletfeuerungen mit Blauem Engel: »Zwar haben auch diese Anlagen immer noch höhere Feinstaubemissionen als Gas- oder Ölfeuerungen, sie können wegen des CO2-neutralen Brennstoffs aber einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz leisten.« Hier wird mit verschiedenen Ellen gemessen: Für Dieselautos sollen Partikelfilter selbstverständlich werden – damit wären sie sauberer als Gasheizungen. Derweil subventioniert der Staat die Installation von Pellet- und Hackschnitzelheizungen, die bis zu hundertmal mehr Feinstaub emittieren als ein gefilterter Diesel.

Das Schweizer Umweltministerium (Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr und Energie) fordert, der »Vormarsch der Holzenergie darf nicht zu einer erhöhten Luftbelastung führen«. Automatische Holzfeuerungen (mit mehr als 70 kW) müssten ab 2007 »schrittweise mit Filtern ausgerüstet werden«. Und statt viele kleine Heizanlagen ohne Filter zu betreiben, solle »der Bau von Holzkraftwerken gefördert werden, die heute über hochwirksame Rauchgasreinigungssysteme verfügen«.

Die Nasswäsche für Rauchgase erhöht die Energieausbeute

Droht damit kleinen Holzöfen das Aus? Auch das deutsche Bundesumweltministerium plant, in dieser Legislaturperiode die Immissionsschutzverordnung zu verschärfen. Konkrete Daten gibt es noch nicht. Da Klimaschutz nicht über Leichen gehen darf, setzen saubere Öl- und Gasheizungen die Standards. Die Ofenindustrie hofft, ähnlich wie einst die Autoindustrie, durch möglichst saubere Verbrennung ohne Partikelfilter auszukommen.

Dies wird bei Holz, insbesondere Scheitholz und Hackschnitzeln, nicht gelingen. Längst sind Filtersysteme in der Entwicklung: Elektrofilter sollen die Partikel aufladen und abscheiden. Metallspäne oder Metallgewebefilter im Ofenrohr können ähnlich wie die Katalysatoren im Autoauspuff Partikel durch Nachverbrennen vernichten. Allerdings droht Verstopfung mit Teer und Ruß – der Ofen geht aus. Vielversprechend scheint eine Nasswäsche des Rauchgases zu sein. Die Firma Schräder in Kamen hat eine »Hydrobox« aus Edelstahl entwickelt. Sie eliminiert nicht nur einen Großteil der Feinstäube, sondern erhöht auch die Energieausbeute, indem sie die Wärme aus dem Wasserdampf gewinnt, der bei der Verbrennung entsteht.

Mehr als zehn Prozent der Heizenergie entweichen mit dem Dampf aus dem Schornstein. Fängt man ihn durch Kühlen ein, tropft zwar literweise Wasser aus dem Schornstein, aber die Heizrechnung schrumpft merklich. Diese »Brennwerttechnik« ist bei modernen Gasheizungen Standard. Das Kondenswasser von Öl- und Holzöfen ist jedoch schmutzig, der Dreck muss entsorgt werden.

Welche Filter auch immer sich künftig durchsetzen, ein sauberer Ofen wird einige tausend Euro mehr kosten als das Schnäppchen aus dem Baumarkt. Dann verbrennen 50 Euro plötzlich anders: Die billigsten Brennstoffe erfordern künftig wohl die aufwändigsten und teuersten Heizgeräte und Filter. Mit krankmachendem Sparen wäre es dann vorbei. Eine Zivilisation, die auf den Mond fliegt, wird wohl eine saubere Holzheizung hinbekommen.

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Leser-Kommentare
  1. Ich bin sehr beeindruckt! Die Tatsache, dass mein Thüringer Holkohlegrill pro Bratwurst-Mahlzeit mehr Feinstaub erzeugt, als eine beliebige Gasetagenheizung in einem ganzen Jahr, ist mir bislang nicht bewusst gewesen. Zum erhöhten Darm- und Magenkrebs- kommt für meine Familie, die Nachbarn und mich nun also auch ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Damit steigt meine gefühlte Bedrohung in diesem Punkt um glatte 100%! Vielleicht sollte ich dieses Wochenende rasch noch einmal "auflegen", bevor der archaische Spaß (über Genüsse lässt sich bekanntlich nicht streiten) aus staatlicher Vorsorge heraus verboten wird. Dem Staat (wer immer das im Einzelnen auch sein mag) könnte man ein solches Verbot nicht einmal übel nehmen - wer von uns möchte schließlich nicht so lange wie möglich seiner Kranken- bzw. Rentenklasse zur Last fallen?

    Dass ich mir die genannten Zahlen merken kann, glaube ich zwar nicht, aber für die Aufklärung bin ich dennoch dankbar. Nun kann ich doch wenigstens mein gesamtgesellschaftliches Bewusstsein und meine Existenzangst gegen meinen angeborenen Egoismus ins Feld führen. (Bin mir beinahe sicher, die schlussendlichen Sieger zu kennen.) Was mir an dem Artikel allerdings weniger gefällt ist der Umstand, dass die vielen fleißigen Kaminholzkäufer und -säger ausschließlich als Buh-Männer Verwendung finden. Ohne Absatz, das immerhin hat der gelernte DDR-Bürger in mir inzwischen zur Kenntnis nehmen müssen, keine Investition. Auch keine Investition in saubere Energien. Holz als nachwachsender, CO2-neutraler Brennstoff war der Industrie denn auch so lange egal, wie Öl und Gas billiger gewesen sind und die Masse der Kunden also den "ökonomischen Hebel" nicht angesetzt hat. Das immerhin hat sich inzwischen geändert: man fragt nach. Nein, noch nicht nach Gesundheit. Zunächst einmal nach billig. Aber hat es nicht noch jedes Mal so angefangen? Für den vorsorgenden Sozialstaat jedenfalls würde sich, wenn er denn mitdächte, aus der aktuellen Konstellation eine günstige Gelegenheit ergeben. Eine Chance nämlich, die erwarteten/zu erwartenden Innovationsgewinne der Ofenbauer per Gesetz, Verordnung oder Erlass ganz vorsichtig abzuschöpfen. So weit, dass zwar die Unternehmen auch in Zukunft einen Grund haben, innovativ zu sein, für die Allgemeinheit aber gleichzeitig eine noch sauberere Umwelt "abfällt". Denn in einem Punkt gebe ich Hans Schuh Recht: "Eine Zivilisation, die auf den Mond fliegt, wird wohl eine saubere Holzheizung hinbekommen." Na, dann mal los - jetzt oder nie!

    • Lomape
    • 07.05.2006 um 17:44 Uhr

    Immer wieder interessant, wie die öffentliche Meinung Phänomene gewichtet. Durch Ozonbelastung sterben weniger Menschen als durch Feinstaub. Trotzdem waren sämtliche Medien mit Ozon-Schauer-Stories randvoll. Über gefährlichen Feinstaub aus Holzfeuerungen hört man fast nichts. Und wer etwas darüber sagt, dem schlägt sogleich der Neidverdacht jener Kaminbesitzer entgegen, die geradezu panisch bei erhöhten Ozonwerten die Kinder sofort vom Spielplatz und den Opa von der Veranda holen. Dabei war Holzheizen auch vor der Feinstaub-Debatte keine saubere Sache. Die grau-bräunliche Dampf-Soße, die an Wintertagen aus manchen Schornsteinen wabert, ist unmittelbar atemberaubend. Was da an unverbrannten Kohlenwasserstoffen in die Umwelt entlassen wird, wenn Holz langsam zu Teer und dann zu Asche verschwelt, das ist vielleicht bedenklicher als die Auspuffgase einer Hauptverkehrsstraße zu inhalieren.

    • VFS
    • 11.05.2006 um 0:17 Uhr

    zu stefano2100
    Im Falle minipab kam der Lösungsansatz bisher vor allem vom PHYS.
    Sollte sich der Ansatz bewähren,so wird man auch in D nicht 20 Jahre darauf warten müssen. Dann hätte man allerdings eine Lösung, die auch im Bereich feinster Stäube wirksam ist und dennoch nicht den Schornsteinzug behindert, was man von anderen im Artikeln erwähnten Methoden nicht erwarten kann. Letztendlich wird es auf eine benutzerfreundliche und kostengünstige Lösung ankommen.
    Die Art und Weise, in der im Artikel Gas oder Öl als bessere Alternative nahegelegt wird, erscheint mir aufgrund der CO2-Problematik aber noch mehr angesichts steigender Preise und unsicherer Versorgungslage bei Öl und Gas sehr bedenklich.
    Ist man da in Skandinavien nicht schon weiter und möchte Öl und Gas bereits in naher Zukunft aus der Hausheizung verbannen?

  2. Lufttrockenes Holz richtig geheizt im Grundofen ohne Rost erzeugt keinen Ruß- und Staub wie im Artikel beschrieben.
    Leider fehlen diese Hinweise im Artikel und diskretieren dadurch richtige Holzheizer.
    Näheres dazu erfährt man am besten bei Alfred Eisenschink
    www.sancal.de

  3. unter http://www.minipab.ch

    ist der patentierte staubfilter als prototyp zu sehen.

    serienkosten ca 1000 Euro.

    funktioniert wie die großen staubfilter in den kohlekraftwerken über statische aufladung mit ein wenig strom.

    wegen der patentierung wird mann in D wohl 20 Jahre auf die Einführung warten.

    oder doch nicht ??

    der ING hat das Problem gelöst, nun sind die Bürger und die politiker dran.

    außerdem je besser isoliert umso weniger holz wird pro haus gebraucht.

    wer den russfilter im ÖPNV blockiert und in den LKW: von solchen politikern ist nich viel zu erwarten.
    MAN und Mercedes motten gerade die Rußfiltertechnik ein, weil die Politik mit der Einführung versagt.

    warum versagt die Politik ? weil sie eine negative elite des öffentlichen dienstes ist und weil eine negative Elite die unternehmen besitzt und so jedem gutwilligen Manager die spielräume nimmt, gutes zu tun.

    Gemeinwohl steht an letzter Stelle der Bürger und ihrer Lakaien.

    und so kommt der Ruß und ein viele sterben früher. der regelkreis der Dummheit ist dann geschlossen.

  4. Liebe Leser,
    die Forderung meinerseits nach einer Aufklärung an der Motorsäge für private Brennholzselbstwerber wird durch ein von uns angeregtes Merkblatt bereits unterstützt. Unter www.motorsaegenkurs.de finden Sie den in einer Kooperation der Unfallversicherungsträger, Landesforstbetrieb und Wldarbeitsschule formulierten Standard. Es ist die Minimalforderung für den privaten Selbstwerber sowie auch Vorgabe für die Kursanbieter.
    Prof.Dr.Friedbert Bombosch

  5. Ich finde es sehr erschreckend, wenn sich eine renommierte, "freie" Zeitung wie die Zeit zu solch unqualifizierten Aussagen anstiften lässt.

    Wie kann das Thema Feinstaub diskutiert werden ohne das Rauchen überhaupt jemals zu erwähnen. Ich stelle immer wieder belustigt fest wie an Stammtischen in komplett verrauchten Gasthäusern das Thema Feinstaub und dessen Gefährlichkeit diskutiert wird.
    Das darf doch nicht wahr sein, dass Menschen, die täglich genüsslich Feinstaub inhalieren in dieser Diskussion ernst genommen werden! Das ist doch schizophren.

    Aber zurück zum Artikel. Mich würde interessieren wie und wo den Herr Schuh recherchiert hat.
    Kohlegrills, offene Kamine und moderne Pelletsheizanlagen im selben Satz zu nennen ist schlicht und ergreifend Diskriminierung. Zum guten Glück macht sich der Autor mit der Bratwurstaussage unglaubwürdig und unterstreicht damit nur wie unfundiert sein Artikel ist.

    Moderne Holzheizungsanlagen (egal ob Scheitholz, Hackschnitzel oder Pellets) verursachen weit weniger Feinstaub wie offene Kamine und Kachelöfen. Wenn eine gute Verbrennung mit entsprechenden Temperaturen gewährleistet wird verringert sich der Feinstaub enorm.
    Der Feinstaub ist auch sehr abhängig vom Brennmaterial. Ein gutes Brennmaterial ist der erste Schritt um Feinstaub zu verringern bzw. zu vermeiden.

    Außerdem wird sehr intensiv an Feinstaubfiltern und so genannten „Low particle“ Konzepten gearbeitet um noch feinstaubärmere Holzheizungsanlagen auf den Markt zu bringen.

    Gesamthaft sind Innovationen zur Verringerung von Abgasemissionen zu fördern und zu fordern. Und die Forderung nach einer sauberen Holzheizung ist absolut gerechtfertigt.

    Dennoch hoffe ich, dass sich Redakteure der Zeit in Zukunft wieder etwas mehr „Zeit“ für Recherchen nehmen, denn sonst kann ich gleich zur Bild greifen, bei der Zeitung weiß ich wenigstens im Vorhinein, dass sie Schrott ist.

    Wir werden an nachwachsenden Rohstoffen in Zukunft nicht vorbeikommen!
    Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter!

  6. Hilfe, wir müssen alle sterben. 20000 Tote (in Fettdruck)durch zusätzliche Feinstaubemissionen von privaten Holzfeuerungsanlagen (ca.33kt/a)! Es hat Tote und Verletzte gegeben bei der Benutzung von Motorsägen.
    Herr Schuh verschweigt die noch möglichen Toten durch weitere anthropogene Feinstaubemissionen (Industrie 60kt/a, Straßenverkehr 42 kt/a etc.) Opfer von natürlichen Feinstaubquellen werden nicht erwähnt. (Auch im Zeitalter des Bedürfnisses nach technischer Omnipotenz können wir noch keine Filter auf Vulkane bauen. Leider können wird auch der Flora die Vermehrung durch Pollen nicht verbieten.)
    Ganz verschweigen sollten wir die Opfer im Zusammenhang mit der Freisetzung gewaltiger Mengen fossiler Brennstoffe durch Gas und Öl, der wir die massive Beschleunigung der Klimaerwärmung zu verdanken haben. Hier wäre in ganz anderen Dimensionen zu denken. Da z.Zt. noch weit mehr Holz nachwächst als wir brauchen und dieses bekanntlich Millionen Tonnen CO2 aus der Atmosphäre bindet, ergeben sich hier sinnvolle Einsparungseffekte.
    Vielleicht ist die Diskussion auch als Metapher zu betrachten: Auf der einen Seite der Wunsch nach immer mehr externer Kontrolle durch technische Lösungen, auf der anderen Seite die Gefahr durch eben diese Technik selbst immer mehr kontrolliert zu werden. Da hilft dann nur noch mehr Kontrolle. In der Systemtheorie würde man dies als eine Lösung erster Ordnung bezeichnen. Immer mehr Desselben. (Im Prinzip hat der Alkoholiker dasselbe Problem)
    Darüber denken wir lieber nicht nach oder wir ignorieren das besser. Parallel dem Motto "Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose" drehen wir den Hahn auf. Schön warm, im Keller "saubere" Brennwerttechnik. Oder geben z.B. bedenkenlos Gas mit zunehmend beliebten SUV´s oder tausenden überflüssigen Zweit- und Drittwagen (Motto: "Freie Fahrt für freie Bürger")....Ich vergaß, dieses Problem ist bald durch Partikelfilter für Dieselautos gelöst. 14 kt/a Feinstaubemission durch Reifen-
    und Bremsabrieb? Nie gehört!
    Scheinbar unbekannt ist dem Autor auch ein ganz anderer Aspekt von Nachhaltigkeit. Dieser existiert jenseits neuester technischer Entwicklungen: Wenn ein Kaminofenbesitzer sein Buchen- und Eichenholz selbst schlägt, rückt, spaltet, stapelt und jahrelang trocknen lässt, dann weiß er woher die Wärme kommt und wird den Wert der Arbeit höchstwahrscheinlich in entsprechend sparsamen Verbrauch umsetzen. Es ist schon sehr polemisierend, wenn Herr Schuh dies alles unter "Geiz ist geil" subsumiert oder alle mit den Müllverbrennern gleichsetzt (die gehören tatsächlich bestraft). Auch Verhaltensmuster können in diesem Sinne zu nachhaltigem Energieverbrauch führen. Vielleicht darüberhinaus auch zu einem insgesamt tieferen Verständnis ökologischer Zusammenhänge (genaueres in Goethe´s Faust Teil II, dafür müsste man ihn allerdings gelesen haben und nicht nur im Regal rumstehen haben).
    Falls es wie erörtert zu zeitlichen Einschränkungen in der Benutzung von Kaminöfen kommen sollte oder durch sündhaft teure Filter sich deren Verwendung nicht mehr lohnen würde, werden die bestraft, die in moderne und teure Kaminöfen investiert haben und sich wie oben beschrieben verhalten.
    Die von Kaminöfen produzierte Strahlungswärme ist tatsächlich gemütlich. Wie wär´s, wenn wir die Bequemlichkeit abschaffen?

    V. Daniel

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