Comic Der Kinderpapst

Zur scheinheiligen Aufregung um den Fernseh-Comic »Popetown«

Ist das die Aufregung wert, das Geschrei der CSU-Politiker, die Proteste der Erzdiözesen München und Köln, die Verbotsversuche der jugendbesorgten Medienwächter? Ausgerechnet Popetown, dieses kleine sonnig-freche, übersprudelnd infantile, herzige Nichts von einem satirischen Fernseh-Comic, der die Welt des Vatikans auf Playmobilformat herunterbricht? Die Serie, die der Sender MTV von der britischen BBC gekauft hat, ist albern, zugegeben. Aber es gibt eine Albernheit, die so dreist alle Standards unterläuft, dass sie schon wieder den Charme einer souveränen Desinvolture gewinnt. Popetown, man schämt es sich zu sagen, zielt nicht auf den christlichen Glauben, auf keine seiner wirklichen Inhalte, es handelt von erfundenen Geschichten um einen erfundenen Papst in einer erfundenen Vatikanstadt, die übrigens von Hochhäusern umstellt ist und eher an Las Vegas denn an Rom erinnert.

Der Papst darin ist ein winziges Männchen mit dem Gesicht eines Säuglings und dem Charakter eines boshaften Fünfjährigen. Er schikaniert und neckt seine Mitarbeiter, insbesondere bei seinem Lieblingsspiel, dem Verstecken. Weil nun seine Kameradin, die gutmütige Nonne, zu naiv ist, um ihn in den Katakomben zu finden, wo er sich trickreich in einem Sarg versteckt, andererseits aber der Papst dringend gebraucht wird, um eine Gruppe behinderter Kinder im Rollstuhl zu empfangen, muss ein Double her. Das Double wird in einer New Yorker Künstleragentur gesucht und gefunden, es handelt sich um Joel Cohen, seines Zeichens Kleinkünstler aus Brooklyn, er sieht dem Papst täuschend ähnlich, kann aber außerdem noch tanzen und singen. Es gibt nur ein Problem: der Akzent des Juden aus Brooklyn. Darum wird er unter der Bedingung engagiert, stumm zu bleiben. Nicht einmal ein kleines Schalom?, fragt Joel traurig. Nein, nicht einmal ein kleines Schalom.

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Von dieser Art sind die Scherze von Popetown, jedenfalls nach der ersten Folge zu urteilen, die Mittwoch zu sehen war. Popetown, obzwar ein britisches Produkt, befindet sich in direkter Nachfolge der großen amerikanischen Fernseh-Unverschämtheiten, von Beavis and Butthead, den Simpsons, vor allem aber von Southpark. Sollten Christen nicht ertragen, was Juden, die doch ein so viel höheres Recht auf Empfindlichkeit haben, in Southpark schon alles ertragen mussten? Unvergesslich die Southpark -Folge, in der die so genannten Pfadfinderjuden ein Opferfest zu Ehren von Moses feierten, dem sie Schnitzereien aus Seife und Stickereien auf Papier darbringen. Und Moses, ausgerechnet Moses, der Opfer und Götzendienst abgeschafft hat, erscheint nun als Götze den lieben Kinderchen in einer leuchtenden Aureole und verlangt – Opfergaben, insbesondere Schnitzereien aus Seife.

Von solchen Bosheiten höherer Ordnung, die religiöse Bildung verlangen, um sie recht zu würdigen, dann aber, einmal verstanden, auch direkt und verletzend auf die Dogmatik zielen, enthält die erste Popetown -Folge nicht das Geringste. Wer Muslime ermahnt, die Meinungsfreiheit zu achten und sich deshalb nicht unmäßig über Mohammed-Karikaturen aufzuregen, kann schwerlich nach dem Verbot von Popetown rufen. Um überhaupt ein Äquivalent zu Mohammed-Karikaturen zu schaffen, müsste mindestens Christus selbst durch den Zeichentrickkakao gezogen werden. Aber die Comic-Figur eines Papstes, deren Witz gerade darin besteht, keine Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Päpsten zu haben?

»Religiöse Symbole müssen endlich gesetzlich geschützt werden«, fordert der CSU-Generalsekräter Markus Söder. Als was? Als Warenzeichen? Und ist der Papst, recht begriffen, überhaupt ein religiöses Symbol? In der Aufregung steckt eine Glaubensunkenntnis, zumindest dogmatische Unbildung, die den Schluss auf andere Motive als die der religiösen Kränkung nahe legt. Popetown jedenfalls zeigt die wahren Strippenzieher hinter dem infantilen Papst. Es ist ein mafioses Kardinalskollegium, das mit allen Wassern des modernen Marketings gewaschen ist; als der Kinderpapst ihnen auf die Schliche kommt, greift er zur Maschinenpistole. Manches spricht dafür, dass auch die Kritiker der Serie mit ihrem Aufschrei vor allem Public Relations pflegen wollten. Egal, ob die Zuschauer für eine Fortsetzung votieren oder nicht, MTV kann dankbar sein. Fragt sich nur, was der wirkliche Vatikan tun wird, wenn er den scheinheilig Aufgeregten auf die Marketingschliche kommt.

 
Leser-Kommentare
  1. Wegen diesem Filmchem haben sich die Kirche und die CSU aufgeregt! Wegen diesem Filmchen sollten sogar Gesetze geändert und verschärft werden.
    Wer hat sich nun lächerlicher gemacht? MTV mit seinem Comic oder die Politik und die "entrüsteten" Gläubigen?
    Das Ganze ist doch lächerlich und der Comic nicht der Rede wert.

  2. Das war wohl überhaupt nichts! Orthodoxe können sich vielleicht über das jüdische Papstdubel aufregen, mehr aber auch nicht. Schade, denn Religionen geben wirklich genug Stoff für gute Satire her.
    MTV sollte die übrigen Folgen besser nicht mehr ausstrahlen, die Quote dürfte schnell im Hades landen.

  3. wegen der Serie wuerden entschieden weniger Leute sich diese Sendung ansehen.Aber wenn man in der Presse weiterhin Schaum schlaegt steigen auch die Ratings.

  4. Ich habe immer mehr das Gefühl, dass man uns mit Nichtigkeiten vom Wesentlichen ablenken will. Ich schliesse mich lejuge an, macht endlich reinen Tisch wie in Frankreich !
    Die Kirchen stehen übrigens auch dort noch in den Dörfern, auch wenn man in den staatlichen Schulen usw. sein Kreuzl nicht mehr 'raushängen darf. Aber auch nur so konnte die leidige Kopftuchdiskussion durchgezogen werden.
    Religion ist Privatsache, jeder wählt seine eigene Fernseh-verdummung.

  5. Ich habe die Sendung angesehen, um mir eine eigene Meinung zu bilden, nachdem Berufschristen da­ge­gen Sturm gelaufen sind. Für mich war die Handlung Schwachsinn, und ich begreife nicht, wieso man sich darüber aufregen kann. (Außer wenn man über Geschmack streiten will.) Meinetwegen kann die Serie ruhig laufen, schließlich sollen alle Geschmäcker versorgt werden.
    Ich finde es bezeichnend, das Stoiber und Vertreter der Erzdiözese Freising an der Diskus­sion nach der Ausstrahlung "nicht teilnehmen konnten". Typisch Eiferer: Erst große Geschütze auffahren, und wenn die Blamage droht, einfach kneifen.

  6. 6. \N

    Über die Serie kann ich nichts sagen, aber die Anzeige von MTV war einfach daneben.
    Kritisierern darf man alles und jeden, auch die Kirche. Aber blöd und billig verarschen muss nicht sein.

  7. Sicher lassen Sendungen wie diese viel Raum fuer eine Debatte aber man kann sich nicht auf Meinungs und Pressefreiheit berufen wenn es sich um die Karikaturen ueber Mohammed handelt und dann nach mehr Feingefuehl schreien wenn die Karikaturen die christliche Religion betrifft.Selber werde ich mir diese Serie nicht ansehen und jeder,der diese Art Comics verurteilt kann das Gleiche tun,es ist ja nicht so als ob man dazu verdammt ist sich jeden Mist im Fernsehen und Presse anzusehen.

  8. Es ist schon richtig, eine freie Gesellschaft muß auch solche Albernheiten ertragen - auch die Kirchen haben schon ganz andere Angriffe überstanden. Daß aber ausgerechnet eine Zeitung, die zu feige war, als Beitrag zur Meinungsbildung die Mohammed-Karrikaturen zu veröffentlichen, nun von oben über die dummen, überempfindlichen Christen spottet....

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