Der Skandal dieses Kirchenclubs besteht nicht nur im Ausschluss islamischer Verbände oder Migranten-Organisationen, sondern in der Unterstellung, das kirchliche Wertesystem sei unübertrefflich in Sachen Moral und Welterklärung. Der blinde Fleck zeigt sich schon bei der Lebenslüge des Christentums, die europäische Kultur und die moderne Gesellschaft basierten auf den Zehn Geboten. Ja stellte denn beispielsweise die griechische oder die römische Antike eine Ansammlung Wert-loser Anarchisten dar? Haben sie uns nicht - im deutlichen Gegensatz zum Christentum - die Vorlagen für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und empirisches Denken geliefert?

War die lächerlich späte Rehabilitation Galileis und Darwins durch den Vatikan nicht deutlicher Ausdruck von Wissenschaftsfeindlichkeit und ideologisch verschraubter Weltsicht? Und dass die kaiserlich-evangelische Kirche die Soldaten des Ersten Weltkriegs im Namen eines deutschen Gottes (!) gen Engelland getrieben hat, sei noch für die Pazifismus-Christen angemerkt.

Im Übrigen ist Ursula von der Leyen nicht nur hinter Kohl zurückgefallen, sondern sogar hinter ihren Vater, den Exministerpräsidenten Ernst Albrecht: Der hatte 1988 zu seinem hochkarätigen Kongress Geist und Natur neben Juden und Atheisten sogar nichtchristliche Ausländer eingeladen. Anders als bei seiner Tochter und ihrem Kirchenclub kam daher niemand auf die Idee, Albrecht Beschränktheit vorzuwerfen.

PETER BIERSCHWALE, CELLE

Warum wird die Bedeutung der christlichen Kirchen für Erziehung und Bildung in den Medien unter den Scheffel gestellt?

Warum soll unsere Familienministerin die Wertediskussion nicht mit den großen Kirchen beginnen, die enorme pädagogische Erfolge in Kindergärten und Schulen verbuchen können? Kirchliche Einrichtungen sind beispielhaft für gelingende Pädagogik: durch ihr Selbstverständnis als Dasein für andere - durch Zuwendung, gute zwischenmenschliche Beziehungen, ein umfangreiches Bildungsangebot und die Vermittlung christlicher Werte wie Personalität und Freiheit werden junge Menschen auf dem Weg in ihre Zukunft professionell begleitet.

Der Autor mutmaßt, die Kirchen gehörten zu dem, was die Gesellschaft hinter sich gelassen hat. Ecclesia semper reformanda ist aber nach wie vor aktuell - auch in den kirchlichen Bildungseinrichtungen. Ein Zeichen dafür ist, dass Ordensfrauen dort zur Ausnahme geworden sind. Damit die Kinder nicht vergessen, wie sie aussahen, kann man sie nun als Spielzeug von Playmobil kaufen - wie zum Beispiel auch mittelalterliche Ritter. Die ehemaligen Trägerinnen der kirchlichen Erziehungsarbeit werden selbst zum Spielzeug.