Bis eine junge Espe ihre ersten Blüten ansetzt – im Bild ein Zweig mit männlichen Kätzchen und ruhenden Blattknospen –, vergehen acht bis zehn Jahre. Die Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana) dagegen erledigt alles in einem Jahr: Keimen, Wachsen, Blühen, Samenbildung. Schwedische Wissenschaftler der Universität Umeå fanden nun heraus, dass bei beiden Arten die Blüte dennoch von fast identischen Genen getaktet wird ("Science online", 4. Mai 2006). Bisher war bekannt, dass die untersuchte Gengruppe, von Forschern FT/CO-Modul genannt, den Blühzeitpunkt einjähriger Pflanzen kontrolliert. Neu ist, dass sie auch das Aufbrechen der Blüten bei Espe und Pappel lenkt und bestimmt, wann die Bäume im Herbst ihr Wachstum stoppen und Blattknospen für das nächste Frühjahr anlegen. Die Wissenschaftler vermuten, dass die FT/CO-Gene weitere biologische Prozesse koordinieren, deren Beginn sich im Jahreszyklus an der Tageslänge orientiert. Ganz nebenbei entwickelten die Biologen bei ihrer Arbeit besonders früh blühende Pappeln, die die bisher langwierige Pflanzenzüchtung beschleunigen könnten.