Es gibt Neologismen, die ganz furchtbar unlogisch sind. Die Geiselindustrie ist eine solche Wortneuschöpfung. Zu inflationärem Gebrauch kam sie vergangene Woche. Kaum waren die beiden Leipziger Ingenieure frei, hieß es, sie seien den Mühlen einer terroristischen Geiselindustrie entkommen. Es klingt ja auch scheußlich. Gerade wenn man nichts Genaues weiß über etwas, ist die kafkaeske Vorstellungswelt eine sichere Sache. Dort sieht's dann so aus: Strauchdiebe aus Bagdad werfen Geiseln auf Fließbänder, an deren Ende Herr Sarqawi wartet, von der al-Qaida GmbH & Co. KG. Schon, der Ablauf stimmt grundsätzlich. Bis auf zwei Details. Die Mehrheit der Opfer sind nicht weißhäutig, sondern Iraker. Und die Ware Mensch wird nicht gefertigt, sondern gehandelt. Der Marktwert für Einheimische soll bei 25 000 Dollar liegen.

Ausländer erzielen ein Vielfaches. Sie jedenfalls seien nicht verkauft worden, stellten die Leipziger jetzt klar. Also, wenn schon Anleihen aus dem Kapitalismus, dann bitte halbwegs metaphorisch korrekt. Irakische Geiselbörse wäre schon passender. Aber das klingt eben nicht halb so schrecklich.