Es war ein geschickter Zug der Beteiligten, die Gleichberechtigungsfrage in den Vordergrund zu schieben und gleichzeitig zu diskutieren, ob 12-2 ein unzulässiger Eingriff des Staates ins Privatleben und 12+2 ein zulässiger Anreiz zum Kinderkriegen ist. So kommt niemand auf die Idee, den Nutzen des Elterngeldes in der Familienpolitik zu hinterfragen. Statistisch ist das Einkommen von Männern (leider immer noch) höher als das von Frauen. Es wäre ökonomisch unsinnig, wenn der Besserverdienende (also meistens der Mann) beim Windelwechseln das Karriereende riskiert, während der Partner die schlechter bezahlte Arbeit behält.

Auch den umgekehrten Fall kenne ich: Die habilitierte Frau geht weiter ihrer Arbeit nach und bekommt schließlich eine Professur, während ihr nicht habilitierter Partner bei den Kindern bleibt. Dieses Paar ist keineswegs besonders emanzipiert, sondern hat einfach nachgerechnet. Sind es vielleicht nur die 50- bis 65-jährigen Politiker, die durch die eigene Vorbelastung denken, dass die 20- bis 40-jährigen Eltern nur aufgrund überkommener Rollenmodelle entscheiden? Ich glaube, dass diese viel marktwirtschaftlicher denken müssen, als es sich Politiker vorstellen können, und damit unfreiwillig zum Fortbestehen der ungerechten Lohnverteilung beitragen.

Erzeugt man nun Gleichberechtigung oder gar einen Systemwechsel, indem man auch Väter dazu zwingt, die gleichen Karrierenachteile gegenüber Kinderlosen in Kauf zu nehmen wie Mütter? So wird Gleichberechtigung der Geschlechter im geteilten Nachteil gegenüber Kinderlosen als erfolgreiche Familienpolitik verkauft. Eine solche aber würde viel mehr Nachdenken erfordern, als dass man den Eltern ein Jahr lang ein paar tausend Euro pro Kind zurückerstattet. So müsste man sicherstellen, dass Frauen gleiche Einkommen wie Männer bekommen, sodass die ökonomische Entscheidung, wer bei den Kindern bleibt, zumindest im statistischen Mittel unabhängig vom Geschlecht ist.

Weiterhin müsste sichergestellt sein, dass nach einem Jahr Elterngeld ausreichend Kinderbetreuungsmöglichkeiten vorhanden sind, damit der zu Hause gebliebene Partner tatsächlich wieder die Arbeit aufnehmen kann, statt nach Ablauf des Elterngeldes drei Jahre auf einen Kindergartenplatz zu warten. Und um AkademikerInnen zum Kinderkriegen zu bewegen, müsste man selbstverständlich sicherstellen, dass bei befristeten Arbeitsverträgen die Kinderbetreuung nicht fast zwangsläufig zum Verlust des Arbeitsplatzes führt.

Denn wer sich mit Dreimonatsverträgen durchschlagen muss, publiziert lieber und schreibt Anträge, anstatt sich beim Windelwechseln fließend auf Hartz IV vorzubereiten.

DR. MARKUS HÖNICKA, REGENSBURG