Sie sah in den letzten Jahren wirklich ganz schön alt aus, die Art Cologne. Scheinbar tatenlos hatte die Mutter aller Kunstmessen in den letzten Jahren zugesehen, wie ihr die Frieze Art Fair in London oder die Art Basel Miami Beach die Schau stahlen und die Spitzenhändler davonliefen. Die internationalen Sammler blieben aus, das Angebot war mit 270 Galerien unüberschaubar groß und mangelte an Qualität, vor allem im zeitgenössischen Bereich.

Nun ist die Radikalkur beschlossene Sache. Zuletzt hatten einige führende Kölner Galerien mit Boykott gedroht und so dem Messedirektor Gérard Goodrow die nötige Munition geliefert, um die Komplettsanierung bei der Messegesellschaft durchzusetzen. Daran hatte eigentlich niemand mehr geglaubt. Der Amerikaner Goodrow, der zuvor für das Auktionshaus Christies das Departement zeitgenössischer Kunst aufgebaut hatte, galt als charmant, aber wenig durchsetzungsstark und wurde entsprechend angefeindet.

Nun hat er im Stillen ein Reformprogramm ausgetüftelt, das selbst die härtesten Kritiker überzeugt. Die Anzahl der teilnehmenden Galerien wird auf 180 begrenzt, und die Art Cologne findet vom Jahr 2007 an nicht mehr im Herbst und damit in bedrohlicher zeitlicher Nähe zu Paris, London und Miami Beach statt, sondern im Frühjahr (18. bis 22.

April). Dafür rücken die Kölner Frühjahrsmessen mit Fotografie, Art Brut, Kunst ab 1980, Antiquitäten, Antiquariaten und Museumstechnik auf den Herbsttermin. Zudem will die Messe rund eine Million Euro in die Verbesserung der Hallen und der Gastronomie investieren. Nicht zuletzt werden 40 Großsammler auf Kosten der Messe eingeladen, außerdem soll das Gegenwartskunstprojekt Open Space in der Regie von Neumann + Luz auf verdoppeltem Raum realisiert werden.

Gisela Capitain, Sprecherin der Kölner Galerien, ist hochzufrieden: Die Messe ist sehr konstruktiv auf die Impulse vonseiten der Galerien eingegangen und hat sich endlich aus dem superverdichteten Messeherbst befreit. Sie begrüßt es auch, dass die Stadt als Anteilseigner der Koelnmesse die Zusammenarbeit zwischen den Museen sowie Opernhaus und Philharmonie und Art Cologne intensivieren will. Kulturdezernent Georg Quander verspricht: Wir schaffen ab 2007 einen attraktiven Kulturfrühling in Köln mit der Art Cologne als Nukleus. Das soll auch schon in diesem Herbst erste Früchte tragen mit der Verleihung des Nam June Paik-Kunstpreises und des Orange Blue Kunstpreises der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, den der Mexikaner Gabriel Orozco im Museum Ludwig bekommt.

Der Kölner Galerist Christian Nagel hat seine Teilnahme an der diesjährigen letzten Herbst-Art-Cologne (1. bis 5. November) bereits zugesagt. Ihm ist daran gelegen, dass die Ausrichtung der Messe wieder internationaler wird, mehr Galerien aus den USA und Asien in Köln dabei sein werden. Er sagt: Bei dem neuen Termin gelten Ausreden wie die Teilnahme an der Frieze und der Art Basel Miami Beach oder Paris nicht mehr.

Auch die Kollegen jener Messen, die nun vom Frühjahr in den Herbst verschoben werden, sind zufrieden. Den Antiquitätenhändlern auf der Westdeutschen Kunstmesse schafft es Abstand zum Gipfeltreffen auf der Tefaf in Maastricht. Susanne Zander, engagiert für die Art Brut auf der Fine Art Cologne, ist zuversichtlich: Der Herbst im Rheinland ist als Messetermin in den Köpfen verankert, da haben wir keine Sorge um die Besucher.