Henry Hollins, acht Jahre alt, ist ein Junge, der alles über Dinosaurier weiß, was die Leihbücherei in dem kleinen Ort Staplewood hergibt. Ein Junge, der im Schuppen seines Vaters ein vorgeschichtliches Museum unterhält, dessen Prunkstück ein von ihm selbst nachgekneteter Stegosaurus ist. Und ausgerechnet er findet eines Sonntags, während er auf der Suche nach seinem abgestürzten Drachen in den Klippen am Meer feststeckt, »ein fehlerloses Exemplar eines versteinerten Dinosauriereis«. Wahnsinn.

Dinosaurier gibt es doch… kam zum ersten Mal 1977 in die Buchläden, lange bevor unter der Kinderzimmerbevölkerung dank Steven Spielbergs Film Jurassic Park Wörter wie »Tyrannosaurus Rex« geläufig wurden. Als Henry sein versteinertes Ei entdeckt, gehört er mit seinem Interesse für die prähistorischen Riesentiere zu einer Minderheit. Der in der Geschichte auftauchende Reporter der Lokalzeitung hat schon mit dem Wort »Fossil« Probleme und berichtet auch prompt am nächsten Tag auf der Seite eins seines Blattes von »Fissolen«. Trotz des Fehlers wird die BBC auf das angebliche Fossil und seinen Finder aufmerksam.

Henrys Vater, der die Übernahme seines Schuppens durch den Sohn ohnehin nicht mit Begeisterung beobachtet hat, sieht von Anbeginn in dem Ei kein Ei, sondern einfach nur ein »Dingsda« oder »Dingsbums« und entsorgt es im Müll. Der Anruf von der BBC kitzelt freilich auch den skeptischen Vater in seiner Eitelkeit, und er unternimmt ziemliche Verrenkungen, um das »Dingsbums« wieder aus dem Müllauto zu holen, damit er es (samt Kind) im Fernsehstudio präsentieren kann. Henrys Eltern werden, sehr zum Vergnügen ironiefähiger Jungleser, einerseits als liebenswertes Paar gezeigt, andererseits als zwei durchaus verschrobene Typen überzeichnet, die einem Kind wie viel Humor abverlangen.

Die Mutter hat einen Wohlfahrts-Tick und sammelt für alle möglichen guten Anliegen merkwürdige Dinge wie Suppendosenbanderolen oder Flaschenverschlüsse. Sie fällt damit ihrer Kleinfamilie zwar auf die Nerven, aber kein echter Streit, keine familiären Katastrophen, kein Scheidungsszenario vermiest uns den Spaß an dieser bizarren Sommergeschichte. Und Dinosaurier gibt es doch… wird Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren Spaß machen – und vorlesende Eltern überhaupt nicht langweilen. Es gibt einen kleinen Helden, Überraschungen, angebliche Niederlagen und schließlich einen echten Sieg. Es herrscht große Gelehrsamkeit und gleichzeitig – wunderbar englisch – ein ironischer Grundton, der sich in der Beschreibung der Eltern wie der Institutionen (Zeitung, BBC, Lehrer, Professor) niederschlägt. Junge Leser erfahren zudem viel über Paläontologie (auch dieses Wort lernen sie so ganz nebenbei). Angenehmerweise kommt die Gelehrsamkeit beiläufig und ohne didaktischen Zeigefinger daher.

Wir erleben wunderbare häusliche Szenen, in denen es stets um die Skurrilitäten der Eltern geht und um das ebenso kontrollierte wie selbst gestaltete Leben eines Achtjährigen. Der Junge soll das Ei entsorgen, tut es aber nicht. Als schließlich der Vater zur Tat schreitet, trickst ihn der Junge hinterher seelenruhig aus. Er schafft es, das »Dingsbums« so zu verstecken, dass es niemand findet. Nun geschieht freilich, was einfach passieren musste: Der Stein ist kein Stein, sondern eben doch ein Ei. Das oberschlaue Versteck hinter der Warmwasseraufbereitung wird zum Turbobrutplatz. Die Mutter hört nachts Geräusche, jeder denkt an Mäuse, nur Henry ahnt Wunderschreckliches. Er findet Eierschalen und einen kleinen Dino. Er schmuggelt das Baby in den Schuppen und verfüttert den halben Garten an das Tierchen, bis es so groß ist, dass er es in die »Wildnis« von Staplewood verbringen muss. Dort entdeckt er, um welche der 700 möglichen Dinosaurierarten es sich handelt – und außerdem, dass das riesige Haustier aufs Wort gehorcht, sich sogar an der Leine herumführen lässt.

Bei einem Ortsfest kommt es zum Eklat, der Dino entpuppt sich leider als doch nicht ganz so harmloses Haustierchen. Alle sind hinter ihm her: Polizei, Feuerwehr, Hubschrauber. Henry wird zum Retter seines Dinos. Er führt den Anatosaurus dorthin, wo einst das Ei gelegen hatte. Dort wirft sich das Tier in die Fluten und schwimmt gen Horizont davon. Henrys Trauer ist riesig und wird auch nicht geringer, nur weil der Professor, sein größter Widersacher in der vorausgegangenen Debatte, ihm nun bestätigt, dass es sich tatsächlich um einen Anatosaurus gehandelt hat. Doch wie in jedem guten Kinderbuch wartet auch auf Henry Trost. Sein Vater, auf einmal nicht mehr schräg, sondern elterlich-einfühlsam, stimmt ihn mit der Aussicht auf weitere Eier, die im Kliff verborgen sein könnten, hoffnungsvoll. Und so ziehen beide einträchtig los, um die Dinosaurierpopulation in Staplewood für die Zukunft zu sichern.