In der Theorie ist alles ganz klar: Weist ein Land hohe Leistungsbilanzdefizite aus, sinkt der Wert der Währung des Landes gegenüber anderen Währungen. Doch Theorie und Praxis stimmen nicht immer überein. Als Warren Buffett, und der erfolgreiche Spekulant und zweitreichste Mann der Welt, vor dreieinhalb Jahren Milliardenbeträge auf einen baldigen Sturz des Dollar wettete, verließ er sich auf die Theorie: Denn die USA importieren seit vielen Jahren mehr, als sie exportieren, zudem wächst das Haushaltsdefizit.

Inzwischen beträgt das Leistungsbilanzdefizit rund 800 Milliarden Dollar, der Schuldenberg 8 Billionen Dollar. Trotzdem hat der Dollar 2005 sogar beharrlich an Wert gewonnen.

Dennoch sind sich die Währungsexperten mittlerweile einig, dass nun der Dollarkurs wirklich fallen wird. "Wir brauchen einen starken Dollar daheim, aber einen wettbewerbsfähigen Dollar im Ausland", forderte Ende März Martin Feldstein (66) in einer Rede vor Ökonomenkollegen in Stanford (siehe Interview) . Feldstein ist einer der prominentesten Geldexperten Amerikas. Er diente einst Ronald Reagan als Chefökonom, lehrt heute an der Universität Harvard. Im vergangenen Jahr wurde er als möglicher Kandidat für eine Nachfolge Alan Greenspans als Notenbankchef gehandelt.

Auch der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers meldete sich zu Wort: Viele Schwellenländer wie Indien und Russland hätten zu viel Kapital in Dollar angelegt und sollten sich die Sache neu überlegen. Und Wall-Street-Banken von Goldman Sachs bis Morgan Stanley beeilen sich in diesen Tagen, Anlegern zu Dollarverkäufen zu raten.

Offen ist allerdings, wie die Abwertung vonstatten gehen wird und wie hoch sie schließlich sein wird. Wird eine langsame Abwertung von 10, 20 oder gar 50 Prozent daraus? Oder wird es einen rapiden Kurssturz mit schlimmen Folgen für die Weltkonjunktur geben? Seit ein paar Wochen ist der Dollar tatsächlich in sanfter Bewegung – nach unten. Warren Buffett will deshalb aus seinen Währungsspekulationen doch noch mit einem Gewinn herausgekommen sein. Doch Dollarprognosen sind dem Mann nicht mehr so leicht zu entlocken. Obwohl er weiter an einen fallenden Greenback glaubt, gelobte er an diesem Wochenende vor seinen Anlegern, sich aus "reinen Währungsspekulationen" herauszuhalten.

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