Ohne Komplexe, aber kritisch

von Gérard Lefort, Frankreich

Gute Nachricht: Das deutsche Kino ist wieder da! Man schaue sich nur an, wie viele deutsche Filme inzwischen auf der Berlinale laufen. Allein in diesem Jahr waren es mehr als fünfzig. Umso unverständlicher wirkt wieder einmal die Abwesenheit des deutschen Kinos im offiziellen Programm der Filmfestspiele von Cannes. Schließlich ist der deutsche Kinoerfolg keineswegs nur ein Heimspiel, sondern ein internationales Phänomen. Gerade in Frankreich waren Filme wie Andreas Dresens Halbe Trepp e oder der unvermeidliche Good Bye, Lenin! echte Kassenerfolge. Mit Good Bye, Lenin! erreichte der deutsch-französische Kulturkanal Arte im vergangenen Jahr sogar einen Zuschauerrekord (Frankreich: 1,1 Millionen Zuschauer, Deutschland 1,7 Millionen).

Auch die jungen Regisseure der so genannten Berliner Schule stießen in Frankreich auf reges Publikumsinteresse: Christian Petzolds Die innere Sicherheit (sein neuer großartiger Film Gespenster lief leider noch nicht in Frankreich), Henner Wincklers Klassenfahrt oder auch Angela Schanelecs Film Marseille und Jan Krügers Unterwegs.

Nun, es war eine lange Durststrecke. Vor weniger als zehn Jahren verbanden das französische Publikum und die französische Kritik mit dem deutschen Kino bestenfalls wehmütige Erinnerungen an die großen Kinofiguren der siebziger und achtziger Jahre. Von der aktuellen Produktion schwappten nur altherrenhafte Komödien oder mühselige Psychostudien nach Frankreich.