Der wahre Fall des so genannten Kannibalen von Rotenburg stellt selbst Hannibal Lecter in den Schatten, und er bietet Stoff für unzählige gruselig-intellektuelle Psychologie- und Juraseminare. Vielleicht wird Armin Meiwes sogar noch einmal die Gerichte bis hin zum Bundesverfassungsgericht bemühen. Denn anders als bei Haarmann, Lecter & Co. hat er sein Opfer mit dessen Einverständnis verstümmelt, getötet, ausgeweidet und verspeist - er hat das Grauen zu allem Überdruss sogar gefilmt und sich später daran ergötzt.

Wie bewertet man es nun streng rechtlich, wenn sich das Opfer im besten Einvernehmen über all die Grausamkeiten, die ihm widerfahren werden, freiwillig auf die Schlachtbank legt? Als bloße Tötung auf Verlangen, wie der Verteidiger argumentiert? Als Totschlag, wie die Kasseler Richter in erster Instanz geurteilt hatten? Oder doch als Mord, wie jetzt das Frankfurter Landgericht entschied?

Es war ein Lustmord, das ist richtig, auch wenn sich die Richter zu dessen Beweis juristisch verrenken mussten. Fleisch von jungen Männern, argumentierten sie, sei der zentrale Fetisch in Meiwes Sexualstruktur, ergo: Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebs. Wie dem auch sei, keinem normalen Menschen konnte das erste Urteil aus Kassel seinerzeit begreiflich machen: Warum hat sich ein Sadist wie Meiwes nur eines Totschlags schuldig gemacht und kommt schon nach wenigen Jahren wieder frei, während etwa eine Frau, die ihren gewalttätigen Mann heimlich, also heimtückisch, vergiftet, zwangsläufig wegen Mordes lebenslänglich weggesperrt wird? Irgendwie muss der Rechtsstaat doch verständlich bleiben - auch wenn sich die Juristen dafür krümmen müssen.