Seit ich und Frank Schirrmacher das Thema auf die Agenda gesetzt haben, ich mit meinen Kolumnen, er, ein wenig später, mit seinem Methusalem- Buch, wimmelt es in Deutschland von Artikeln über Frauen, über die alternde Gesellschaft, über Familien und Kinderlosigkeit. Wir beide scheinen, wie man gern sagt, "einiges bewegt" zu haben.

Ich denke jetzt noch intensiver über Frauen und Männer nach und bin dabei zu Erkenntnissen gelangt, die noch niemand hatte. Erstens: Männer und Frauen sind im Grunde ähnlich begabt – bei allen Unterschieden im Detail, wie der größeren strategischen Intelligenz der Männer und der größeren sozialen Intelligenz der Frauen. Trotzdem sitzen an den Schaltstellen der Gesellschaft mehrheitlich Männer. Halten wir fest: Die männlichen Chefs sind weder intelligenter noch begabter. Sie haben sich lediglich aufgrund der gesellschaftlichen Verhältnisse durchgesetzt.

Daraus folgt, dass es irgendwo da draußen ein weibliches Gegenstück zu Kurt Beck, zu Franz Beckenbauer, zu Helmut Mehdorn und so weiter geben muss. Irgendwo in Deutschland lebt eine weibliche Person, die genauso gut dazu geeignet wäre, die SPD, die Bundesbahn oder den Deutschen Fußball zu leiten. Eine Carla Beck bügelt gerade, eine Franka Beckenbauer stillt ihren Säugling, Henriette Mehdorn brät ihrem Lebensgefährten ein Schnitzel. Gewiss gibt es da draußen auch einen weiblichen Frank Schirrmacher, am Ende sogar einen weiblichen Harald Martenstein. Sie alle könnten tun, was wir tun. Sie tun es aber nicht. Dies ist eine Vergeudung gesellschaftlicher Ressourcen.

Frauen sind, in der menschenfeindlich klingenden, aber vielleicht gar nicht so gemeinten Sprache der Wissenschaft, ein nachwachsender Rohstoff. Dieser Rohstoff wird nicht klug genutzt. Er wird vergeudet, ähnlich, wie man es jahrzehntelang mit dem Erdgas gemacht hat, welches man auf den Ölfeldern des Nahen Ostens einfach so in die Luft entweichen ließ, weil man auf das Öl fixiert war.

Frauen! Ihr seid das Gas dieser Erde.

Interessanterweise bringt die Frau bei ihrer Reproduktion oder Fortpflanzung auch den Mann hervor, den Faktor also, der sie an ihrer Entfaltung hindert. Dies entspricht, wissenschaftlich gesehen, dem Verhältnis zwischen den nicht edlen Metallen, zum Beispiel Eisen, und dem Rost. Kein Eisen ohne Rost. Trotzdem zögere ich, den Mann als den Rost dieser Erde zu bezeichnen. Das Bild ist nicht stimmig.

Zweite Erkenntnis. Was Männer betrifft, habe ich herausgefunden, dass ihr Verhalten in verblüffender Weise einem Pfirsich gleicht. Intern ist der Mann monogam veranlagt. Ähnlich, wie um den harten Kern des Pfirsichs herum eine Schicht von weichem, saftigem Fruchtfleisch wächst, wird auch der monogame Kern des Mannes von einer weichen, weniger monogamen Schicht umgeben. Wenn man einen Pfirsich isst, bleibt der Kern übrig. Das Leben isst uns Männer auf. Am Ende, wenn wir ein "Methusalem" sind, bleibt auch von uns nur der steinalte, vertrocknete Kern übrig, wir sind dann vollkommen monogam geworden. Ich finde, so poetisch hat das noch niemand ausgedrückt, auch keine Frau.