Falls Erwin Teufel als Ministerpräsident in Baden-Württemberg wirklich schon zu alt gewesen sein sollte: Was ist dann eigentlich neu und dynamischer an Günther Oettinger? Wenn Teufel grau gewirkt haben sollte - weshalb muss Oettinger gleich farblos sein?

Die alte CDU/FDP-Koalition wie deren neue Koalitionsvereinbarung, die nun im Südwesten abgenickt wurde, bietet jedenfalls nichts, was das große Wechselfieber nachträglich rechtfertigen oder die Stümpereien bei der Regierungsbildung ausgleichen könnte. Das Kabinett ist so gut oder langweilig wie das alte, nur dass der wichtigste Mann nach dem Ministerpräsidenten, der Finanzminister, gleich mit einem Verfallsdatum (noch zwei Jahre) versehen wurde. Das passt glänzend zu der Tatsache, dass der gute Mann Grund hat, sich über seinen Regierungschef zu beschweren, weil der die Konsolidierung so lätschert unterstützt, dass selbst Sachsen-Anhalt die Nettoneuverschuldung vor den Schwaben und Badenern auf null bringen könnte.

Und obwohl Oettinger wissen musste, dass eine schwarz-grüne Alternative beim tief klerikalen Flügel seiner Partei auf ähnliche Sympathie treffen würde wie der Christopher Street Day der Schwulen und Lesben, hat er den unausweichlichen Partner seiner politischen Zwangsheirat, die FDP, erst einmal derart öffentlich gedemütigt, dass auch der letzte Liberale begriffen hat, dass man sich künftig wieder einmal an die SPD wenden könnte. Die Schwaben behaupten, sie könnten alles außer Hochdeutsch. Stimmt! Jedenfalls für Oettinger. Denn mit Strategie hat er es offenkundig nicht.