Kürzlich lasen mir zwei ältere Erwachsene die Leviten. Das Ehepaar fühlte sich in meinen gelegentlichen Auslassungen nicht korrekt wiedergegeben. Sie führen aus Klugheit nicht mehr Auto, auch große Reisen hätten sie nicht nötig, geschweige denn Tennis oder Golf zu spielen. Mobile Telefone oder anderen modischen Krimskrams bräuchten sie nicht, auch kein Fitness-Studio. Ins Theater gingen sie nicht, weil sie Nackte auf der Bühne verabscheuten. Auch müssten sie nicht shoppen, die alten Röcke und Hosen passten noch. Und ihrer grauen Haare schämten sie sich nicht.

Keine Frage, solche Alte braucht unser Land. Zumal sie täglich viele Stunden am Tag lesen, dabei vorzugsweise Musik hören, klassische versteht sich. Sie gehen viel spazieren, sie radeln, altersbedingt elektroverstärkt (mit Sturzhelm?).

Sie reden viel miteinander. Sie picken sich die Rosinen aus den Fernsehprogrammen heraus (Wer wird Millionär?), Spülen, Abtrocknen, Staubwischen und Einkaufen wird gemeinsam erledigt, Gärtnern auch.

Ohne es an die große Glocke zu hängen, spenden sie fürs Gemeinwohl, Ratschläge, wie sie sich nützlich machen könnten, verbieten sie sich. Einmal die Woche, gleichsam zur Belohnung, suchen sie ein gutes Restaurant auf. Und: Sie schreiben Leserbriefe. (Irgendwann, eher früher als später, werden in den Redaktionen nur noch E-Mails gelesen werden, weil die eigene Poststelle zu teuer geworden ist und die Redakteure Handschriftliches nicht mehr entziffern können! Auch eine Art der Altersdiskriminierung.)

"Es ist ein unspektakuläres, kontemplatives Leben ohne Schau und Protz", schreiben die beiden älteren Erwachsenen.