Wassili Wassiljewitsch Smyslow ist 85 Jahre alt geworden, bei vielen dürfte er weitgehend in Vergessenheit geraten sein. Auffallend war immer die Leichtigkeit, mit der er, ähnlich wie Capablanca, einfache Lösungen für kompliziert wirkende Probleme fand. Was allerdings vor allem der äußerst gründliche und detailversessene Botwinnik verurteilte. BILD

Mit 63 Jahren saß er dem damals gerade 20jährigen Kasparow im Kandidatenfinale gegenüber, nachdem er vorher Robert Hübner in Velden am Wörthersee ausgeschaltet hatte – allerdings nach einem 7:7-Unentschieden erst mit Hilfe der Roulettekugel im dortigen Casino. Zweimal konnte sich die Kugel nicht entscheiden und blieb auf der Null liegen, bis sie schließlich auf dem (kommunistischen) Rot statt des Hübnerschen Schwarz niederplumpste.

Mit 81 Jahren spielte Smyslow noch Wettkampfschach, bis seine zunehmende Sehschwäche dies nicht mehr zuließ. Aber immer noch komponiert er in seiner Datscha außerhalb Moskaus tiefgründige Studien, die einen Vlastimil Hort urteilen lassen: »Schach ist für Smyslow vor allem Kunst.« – Doch nun ein großer Sprung zurück.

Sehen Sie, wie der 14-jährige Smyslow 1935 als Schwarzer am Zug einen gewissen Gerassimow mit einer herrlichen Opferkombination besiegte?

Helmut Pfleger

Auflösung aus Nr. 19:

Mit welchem wunderschönen Zug gewann Weiß mindestens die Dame? Weiß verschmähte das pragmatische, auf Dauer auch zum Sieg führende 1.fxg7 und krönte sein opferreiches Angriffsspiel mit dem Stich f7+! , wonach Schwarz schon aufgab. Nach 1…Dxf7 2.Sh6+ verlöre er die Dame, nach 1…Kxf7 2.Sh6+! Lxh6 3.Dg6 wäre es gar matt. Natürlich ist auch 1…Kh8 2.Dh4+ Lh6 3.Sxh6 mit baldigem Matt hoffnungslos BILD