Eine wortgewaltige Allianz aus Fußballhassern und Gutpublizisten hat ein neues Feindbild entdeckt: Firmen, die ihre Kunden ins Stadion einladen. Muss man es denn nicht geißeln, wenn Austernschlürfer und Schampustrinker WM-Spiele schauen, während die Mehrzahl der echten Fans draußen bleibt? Und klingt es nicht nach Bestechung, wenn ein Manager 90 Minuten lang Kontaktpflege mit seinen Geschäftspartnern betreibt - per Doppelpass zum nächsten Abschluss? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, soll jetzt der Staatsanwalt ran. Was für ein Unsinn! Die Welt zu Gast bei Freunden lautet das Motto der WM - doch wer wirklich Freunde einladen will, soll das nicht dürfen.

Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um Tickets, die Firmen an Politiker vergeben (siehe Seite 10). Für die Staatsdiener gelten besondere Regeln, und das zu Recht. Aber für alle anderen? Natürlich ist die WM eine gute Gelegenheit für Unternehmen, sich - legal - um Kunden und Mitarbeiter zu kümmern. Das ist auch nicht neu: Gleiches findet in Deutschland 34-mal im Jahr statt, an jeweils neun Orten der Republik - in den Stadien der Fußball-Bundesliga. Dort haben Dutzende Firmen teure Logen, in die sie Gäste einladen.

Es kommt eben darauf an, wie man damit umgeht. In den meisten Firmen ist es selbstverständlich, jede Einladung gegenüber den Vorgesetzten anzugeben. Gut so! Und natürlich kann man beim Finanzamt vorher anfragen, ob eine Fußballkarte nun als geldwerter Vorteil gilt oder nicht. Apropos: Auch der üppige Blumenstrauß, den eine Mitarbeiterin von ihrem Chef zum Geburtstag bekommt und den dieser aus der Firmenkasse bezahlt, gilt als geldwerter Vorteil. Ein neuer Fall für die Justiz?