Fangen wir mit den historischen Windmühlen an: Zumindest im Windmühlenland Holland scheinen die sich alle linksherum gedreht zu haben. Wieso? Das ist unklar. Wahrscheinlich ist die Erklärung: Tradition.

Der linksgedrehte Windrotor, den Sie gesehen haben, muss ein recht betagtes Exemplar gewesen sein. Denn die Windkraftanlagen, die heute gebaut werden, drehen sich alle im Uhrzeigersinn (wenn man von vorn draufschaut). Über die Gründe dafür wird in Internet-Foren spekuliert. So wurde zum Beispiel der Coriolis-Effekt ins Feld geführt, der ja schon die Drehrichtung des Badewannenstrudels beeinflussen soll (was nicht stimmt). Dieser Effekt bestimmt zwar unsere vorherrschende Windrichtung – aber ob man dem Wind einen links- oder rechtsdrehenden Propeller in den Weg stellt, ist unerheblich. Auch technische Gründe für eine bestimmte Drehrichtung gibt es nicht, etwa dass bei Linksdrehung die Schrauben locker würden. Und man mag es glauben oder nicht: Es gibt in unserem Land keine Norm für die Drehrichtung von Windrädern.

Die Antwort ist viel profaner: Es hat sich halt so ergeben. Irgendwann sind die Windradhersteller formlos übereingekommen, dass es besser ist, wenn sich alle Räder in dieselbe Richtung drehen – technisch, weil man nur noch eine Sorte Rotorblätter herstellen muss, und optisch, weil ein Windpark mit einheitlich rotierenden Mühlen einfach besser aussieht.
Christoph Drösser

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