Es ist interessant, dass die Diskussion mit großer Beharrlichkeit entweder um die Frage der Sicherheit von Kernreaktoren kreist oder standhaft postuliert, es gebe eine gute und eine schlechte Kernkraft, nämlich friedlich oder militärisch genutzte (wie jetzt wieder im Atomstreit mit Iran).

Man muss offensichtlich bei der Kirche arbeiten, einer Institution, deren Horizont über das Ende einer Legislaturperiode hinausgeht und sich nach Jahrtausenden bemisst, um eine bis heute nicht zufrieden stellend beantwortete Frage nicht aus dem Blick zu verlieren: die der Lagerung.

Nach wie vor gibt es in Deutschland keine vernünftige Endlagerstätte für Atommüll - die mangelnde Eignung des Gorlebener Salzstocks ist ein offenes Geheimnis. Und selbst wenn es sie gäbe: Dieser und künftiger Müll wird uns die nächsten Zehntausende von Jahren begleiten. Man muss sich das einmal vorstellen: Dieses Zeug wird noch länger strahlen, als wir Geschichte schreiben. Anders gesagt:

Wenn das, was wir als abendländische Kultur voll Stolz vor uns hertragen, ich nenne ganz planlos die Namen Aristoteles, Cicero, Michelangelo, Luther, Rembrandt, Bach, Goethe -, wenn alle diese Namen verklungen sein werden und niemand mehr etwas mit ihnen verbindet, dann werden wir diese strahlende Scheiße (Entschuldigung) immer noch im Keller haben. Wesentlich mehr als heute und nur unwesentlich schwächer strahlend als heute. Was hat das mit Bewahrung der Schöpfung zu tun? Ich habe einen 16 Monate alten Sohn. Was hinterlasse ich ihm?

MARKUS MANDERSCHEID, WOLFSBURG